XXIV. Christoph Kolumbus. 1492. 81
unter seiner Mannschaft aus; denn das ersehnte Gold fand sich nicht,und Kolumbus hielt alle zu ernster Arbeit und zu milder Behandlungder Eingeborncn an; dennoch hatten sie mit diesen schwere Kämpfe zubestehen, in denen aber die Europäer Sieger blieben. Gegen Reiter undBluthunde waren die Indianer, die zuerst Mann und Roß für ein Wesenhielten, machtlos. Einmal jagten 220 Spanier etwa 50,000 Indianerin jämmerliche Flucht. Entsetzlich hausten die Eroberer, vergossen StrömeBlutes und drückten die Eingebornen mit unerschwinglichen Lasten. Diesetonnten nicht genug Gold und Baumwolle als Tribut entrichten. An-fangs hatten die Indianer gehofft, die Göttersöhne würden wieder in denHimmel zurückkehren. Als sie aber dieselben in ihrem Lande feste Burgenbauen sahen, hofften sie es nicht mehr. Schon jetzt wurden Hunderte nachSevilla geschickt und dort als Sklaven verkauft. — U) Die enttäuschten,zurückgekehrten Glücksritter streuten über Kolumbus, der zwar viel milder alsdie Spanier, aber doch nicht ganz unschuldig an den Bedrückungen war,arge Verleumdungen aus, die um so lieber geglaubt wurden, als er keinSpanier war.
o. Kslrrrntrrrs' dritte Reise. 1498—1500. — a) InSpanien war unterdessen der Eifer erkaltet. Wahrscheinlich hätte Kolnmbuseine dritte Expedition nicht zu stände gebracht, wenn nicht jedem Verbrecher für zwei Dienstjahre in Indien die Freiheit zugesichert wordenwäre. So bemannten sich seine sechs Schiffe fast nur mit Verbrechern.Diesmal entdeckte Kolumbus Südamerika. Von hier kam er wiedernach Hayti. — I») Kolumbus' Feinden in Spanien gelang es, ihn so zuverleumden, daß der König den neidischen und herrschsüchtigen Bobadillaals Richter hinschickte. Ohne nähere Untersuchung entsetzte dieser denEntdecker seiner Würde, ließ ihn und seine Brüder in Fesseln schlagenund nach Europa schicken. Kolumbus ertrug sein hartes Los mit christ-licher Ergebung. Die Kunde von seiner Gefangennahme erweckte inSpanien einen wahren Sturm der Entrüstung. Der König gebot, daßman ihm die Fesseln abnehme, und die Königin schickte ihm 2000 Dukaten.Als er vor ihnen erschien, konnte er lange vor Rührung nicht sprechen;dann aber wußte er sie von seiner Unschuld zu überzeugen. Wohl wurdeBobadilla abgesetzt; aber Kolumbus erhielt die Statthalterwürde nichtzurück.
— 0. vierte Reise (1502—1504) und
. ,16. — «.) Mit vier schlechten Schiffen unternahm Kolumbus
im ^ahre1o02 seine vierte und letzte Reise. Ein unterwegs leck gewor-denes Schiff nötigte ihn, nach Hayti zu fahren. Hier schämten sich dieSpanier nicht, ihm, der diese Insel entdeckt hatte, das Landen zu ver-bieten. Er segelte weiter und entdeckte Mittelamerika. Schrecklichhatte er unter den Stürmen und der Habsucht seiner eigenen Leute zuleiden. — si) Mit nur zwei morschen Schiffen landete er dann auf der
Lugiubühl, Weltgeschichte. 2. Aufl. ^
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