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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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89
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XXVI. Reformation. Martin Luther. 1517.

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bis dahin hatte es in Deutschland nur verschiedene Mundarten, aber keineeinheitliche Schriftsprache gegeben. Luther bediente sich der sächsischen Kanzlei-sprache in seiner Übersetzung. Er übersetzte die heilige Schrift so gewissen-haft, daß er oft wochenlang an einem einzigen Ausdruck hermnstudierte,sich auch nicht scheute, in die Werkstätten zu gehen, um sich nach denpassenden Ausdrücken zu erkundigen. v) Auch dichtete er Kirchenliederund ersann die Weisen dazu. Bald hörte man sie in allen Kirchen undWerkstätten singen, so daß einer seiner Feinde behauptete:Luther hatmit seinen Liedern mehr Seelen verführt, als niit seinen Predigten undSchriften/' <1) Während Luther auf der Wartburg saß, ging es inWittenberg arg her. Dr. Karlstadt, dem die Reformation zu langsamvorwärts schritt, übte Gewalt. An der Spitze eines Volkshausens rannteer in die Kirchen, zerstörte Altäre und geweihte Gefäße und zerschlug dieBeichtstühle und die schonen Bilder. Da hielt es Luther nicht längerauf der Wartburg aus; er achtete der Lebensgefahr nicht, kam nachWittenberg und predigte acht Tage lang gegen die Bilderstürmer undstellte die Ordnung wieder her.

s. KariLVNÜvieg. 1525. ri) Die Predigt Luthers von derchristlichen Freiheit bezogen die Bauern auch auf die politische Befreiung.Schon seit Jahrzehnten gährte es unter ihnen; ja seit dem Auftreten desHirten Böheim im Jahre 1476, der alle Obrigkeit hatte abschaffen undein Gottesreich auf Erden gründen wollen, war beinahe kein Jahr ver-gangen, in dem nicht da oder dort ein Bauernaufstand ausgebrochen undblutig unterdrückt worden wäre. d) Im Jahre 1525 aber nahmendie Bauernaufstände einen so großen Umfang an, wie noch nie und führtenzu einem blutigen Krieg. In großen, bewaffneten Haufen zogen dieBauern in Süd- und Mitteldeutschland von Ort zu Ort, von Burg zuBurg und zwangen ihre Bewohner zum Anschluß oder zur Ergebung.Die schwäbischen Bauern faßten alle ihre Wünsche in zwölf Artikelzusammen und verlangten darin, daß jede Gemeinde ihren Pfarrer selberwähle, daß kleine Zehnten (von Gemüse und Obst rc.), Leibeigenschaft,Frondienste rc. abgeschafft, allzu hohe Zinsen erniedrigt und Gerichts-strafen nicht willkürlich erhöht werden. Hmgegm wollten sie den großenoder Kornzehnten entrichten. Diese Artikel ließen die Bauern in denDörfern durch Herolde vorlesen und die Einwohner darauf verpflichten. e) Luther trat zuerst für die Bauern ein und schlug ein Schiedsge-richt vor. Als sich aber einige Bauern zur Grausamkeit verleiten ließen,wandte er sich gegen sie. <1) Die Fürsten zogen mit ihren wohlge-ordneten Heeren gegen ihre ungeordneten Haufen. Zuerst unterlagen diethüringischen Bauernscharen des Schwärmers Thomas Münzer; dieserhatte geprahlt, er werde die feindlichen Kugeln in seinem Rockärmel auf-fangen. Als nun die Fürsten ihn angriffen, hoben die Bauern, in derHoffnung, daß Gott für sie streite, die Hände gen Himmel, wurden aberjämmerlich geschlagen. Bald darauf wurden in Zabern, einer elsässischen