XXVII. Gegenreformation.
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das Zeichen zum allgemeinen Mord. Coliguy war eines der ersten Opfer.Sein Leichnam wurde verstümmelt und an den Galgen gehängt. Derruchlose König beteiligte sich selbst am Blutbade, indem er zumFenster hinaus wiederholt aufhetzend die Worte rief: „Tötet, tötet!"Viele versichern, er habe sogar auf fliehende Hugenotten geschossen. InParis allein haben mehr als 2000 in dieser sogenannten Bartholomäus-nacht oder Pariser Bluthochzeit, das Leben verloren. Tagelang setztesich das Morden in den Provinzen fort, so daß im ganzen etwa 25,000umkamen. — e) Von neuem entbrannte jetzt der Bürgerkrieg unddauerte bis 1598; in diesem Jahr erließ Heinrich, der unterdessen Königvon Frankreich geworden war, das Edikt von Nantes, welches denReformierten sozusagen volle Religionsfreiheit und gleiche Rechte mit denKatholiken zusicherte; überdies blieben sie im Besitze einiger Festungen.
3. Avnrada. 1588. — ii) Unter den Fürsten hat keiner dieReformation heftiger bekämpft, als der Sohn des Kaisers Karl V., nämlichPhilipp II., der nicht bloß die Pyrenäenhalbinsel, sondern auch dieNiederlande, die Freigrafschaft und einen großen Teil Italiens beherrschte.Mit unerhörter Grausamkeit wütete er gegen Andersgläubige. Tausendeließ er durch die Inquisition (Ketzergericht) dem Scheiterhaufen übergeben,und Hunderttausende, die nur im Verdacht der Ketzerei standen, verlorenHab und Gut. Auf diese Weise gelang es ihm, die Reformation inSpanien, Portugal und Italien ganz auszurotten. Die gleiche Blut-arbeit unternahm er auch in den Niederlanden, aber nicht mit dem gleichenErfolg. — I)j Alle seine Kräfte bot er auf, um England zum katho-lischen Glauben zurückzuführen. Über dieses Land herrschte damalsElisabeth. Philipp hatte früher um ihre Hand angehalten, war aberabgewiesen worden; denn sie pflegte zu sagen: „England ist mein Ge-mahl und jeder Unterthan mein Sohn." Sie verhalf der neuen Lehrezum Durchbruch; doch duldete sie Andersgläubige. Maria Stuart,die katholische Königin Schottlands, die sich durch besondere Schönheitauszeichnete, machte ihr den englischen Thron streitig. Ihres liederlichenLebenswandels wegen von den Schotten abgesetzt, hatte sie sich nach Eng-land geflüchtet, hier aber Aufruhr gestiftet, wofür sie von Elisabeth ge-fangen gehalten wurde. Da Maria Stuart auch als Gefangene der eng-lischen Königin unablässig nach dem Leben stellte und eine Verschwörungnach der andern anzettelte, wurde sie 1587 hingerichtet. — e) Sie zurächen, den Protestantismus in England und in den Niederlanden aus-zurotten, erschien im folgenden Jahr die spanische Flotte, die unüberwind-liche Armada. Philipp II. selbst nannte sie so. Spanien hatte nochnie eine so große Flotte gesehen; denn sie zählte nicht weniger als 138Kriegsschiffe, die schwimmenden Burgen glichen und hatte über 30,000Mann an Bord. Doch das entmutigte die Engländer nicht, sondern ent-flammte ihre Vaterlandsliebe und ihren Glaubenseifer. Sie brachten diegrößten Opfer. London allein stellte von sich aus 20,000 Mann und