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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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93
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XXVIII. Die Freiheitskämpfc der Niederländer. 15681648.

38 Schiffe. Als der Kampf zur See entbrannte, fügten die kleinen, leichtbeweglichen Fahrzeuge der Engländer den Spaniern großen Schaden zu;doch noch viel mehr hatten diese von Stürmen und Klippen zu leiden.Sie wagten nicht einmal zn landen, auch nicht, ihre Rückfahrt durch denKanal zu nehmen. Sie machten den weiten Umweg um Schottlandherum, um nach Hanse zu kommen. Nur wenige Schiffe gelangten wiederin ihre Heimat. _

XXVIII. Die Sreiheitskämpfe der Niederländer.

1568-1648.

Uvscrehen. ri) Die Lehre Calvins fand nirgends eifrigereAnhänger als in den Niederlanden (Belgien und Holland). Der deutscheKaiser Karl V. verfolgte sie heftig. Er befahl, hartnäckige Ketzer znverbrennen, reuige Männer hinzurichten, reuige Frauen lebendig zu be-graben, ihre Güter einzuziehen und die Hälfte davon den Angebern zuschenken. Über 50,000 Niederländer erlitten während Karls V. Regie-rungszeit den Märtyrertod. Ii) Sein Nachfolger Philipp II., Königvon Spanien, der sich noch viel glaubenseifriger und grausamer als derVater zeigte, machte das spanische Regiment in den Niederlanden doppeltverhaßt; zumal diese nicht bloß als eines der reichsten, sondern auch alseines der freiesten Länder galten. In dem südlichen Teile, namentlich inden Städten Gent, Brügge und Brüffel, herrschte großer Gewerbsfleiß;sie lieferten weit und breit das beste Tuch. Nicht weniger blühend warder Handel, besonders in Antwerpen. Hier trafen fast täglich gegen500 Handelsschiffe ein; die größten Kaufläden Londons und andererStädte gehörten den Niederländern. Gewerbe und Handel brachten un-ermeßlichen Reichtum. Die 17 Provinzen der Niederlande, den XIIIalten Orten der Schweiz vergleichbar, regierten sich fast ganz selbst undstanden miteinander nur in losem Zusammenhang. Jede Provinz und jedeStadt wachte eifersüchtig über ihre Rechte. Philipp II. tastete auch ihreFreiheiten an, obgleich er bei seinem Regierungsantritt geschworen hatte,sie zu achten.

2. Geusen. Allur. n) Die Verfolgungen mehrten sich;schon waren Tausende von Tuchwebern nach England ausgewandert. Datraten junge Adelige zusammen, verbanden sich und reichten der Statt-halterin Margaretha von Parma eine Bittschrift ein, worin um Auf-hebung der Inquisition u. a. gebeten wurde. Ein Staatsrat hetzte dieStatthalterin mit den Worten, sie werde sich doch vor diesen Bettlern(Aumix) nicht fürchten, auf. Nach diesem Schimpfworte nannten sichdie Bittsteller Geusen, und später wurde dies Parteiname für alleNiederländer, die weder von Spanien noch vom Papst mehr etwas wissenwollten. Die eigentlichen Führer der Geusen waren Wilhelm von