94 XXVIII. Die Freiheitskümpfe der Niederlünder. 1568—1648.
Nassau-Oranien, der Schweigsame zubenannt, ferner die GrafenEgmont und Horn; sie waren katholisch und königstreu; ersterer tratindes später zum Protestantismus über. — b) Die Calvinisten wurdendurch den Geusenbund mutiger; sie hielten Feldpredigteu; ja einige drangenin die Kirche und zerschlugen in pöbelhafter Wut Altäre und Bilder.Obgleich Egmont mehrere Bilderstürmer enthaupten ließ und Margarethadie Ruhe wieder herstellte, war Philipp II. doch so sehr erzürnt, daßer 1567 den Herzog von Alba, den furchtbarsten Ketzerhasser, mitmehreren tausend Soldaten nach den Niederlanden schickte und ihm fastunbeschränkte Vollmacht erteilte, so daß die Statthalterin bald darnachtiefverletzt abreiste. — e) Alba bemächtigte sich zuerst in heimtückischerWeise der Führer Egmont und Horn; Wilhelm von Oranieu jedoch ent-ging ihm. Dann setzte er den Rat der Unruhen, vom Volke Blut-rat genannt, ein, dessen Mitglieder bald aus Ekel von den Sitzungenwegblieben und dessen Präsident, ein Spanier, kein Wort von der Spracheseiner Opfer verstand. Er ließ Tausende verbrennen oder hinrichten. SelbstEgmont und Horn bluteten 1568 auf dem Schaffot. Ein furchtbarerSchrecken befiel die Niederländer; sie wagten sich kaum mehr aus ihrenHäusern. Alba drückte sie auch mit harten Steuern, so forderte er u. a.von Warenverkäufen hin des Erlöses. Viele Krämer, Bäcker rc. schlössenihre Läden. — ll) Jetzt entbrannte der Bürgerkrieg. Die Oranierwurden indes 1568 geschlagen, die Geusen zersprengt, einige der letztemirrten auf dem Meer umher. Solchen Meergeusen gelang es endlich, sichder Hafenstadt Briel zu bemächtigen; es war der erste nennenswerteErfolg der Geusen; ihm folgten bald noch andere; die Provinzen Hol-land und Seeland, wohin Tausende der Neugläubigen geflohen, leistetenhartnäckigen Widerstand. Zum zweitenmal versuchten die Oranier 1572das Kriegsglück; doch wurden sie wieder zurückgeworfen: Wilhelni hattein diesen Kämpfen bereits drei Brüder verloren. Die tierische Grausam-keit Albas trieb die Holländer znm Verzweiflungskampf. Seinem Sohnehatte sich die Stadt Naarden bei Amsterdam aus Gnade ergeben; alsnun 500 Bürger in der Kirche dem Könige den Eid leisten wollten,ließ derselbe sämtliche niedermetzeln. Doch belagerte er hierauf erfolglosAlkmaar; auch die spanische Flotte wurde in der Zuidersee überwunden.Das gab den Niederländern wieder Mut. 1573 verließ der blutige Herzog,beladen mit dem Fluche des ganzen Volkes, das Land; mehr als 18,000Menschen hatten, wie er sich selbst rühmte, durch seine Henker das Lebenverloren; wie viele durch seine Soldaten umgekommen, weiß man nicht.
3. Unrsn VZ-N 1578. — rr) Der Nachfolger
war zwar weniger grausam als Alba, aber doch auch bemüht, mit Waffen-gewalt die Ketzerei auszurotten. In diesen Kämpfen hielt sich 1575 be-sonders die Stadt Leiden heldenmütig. Sie wurde hart bedrängt, schlugaber alle Angriffe mutig ab; Tausende ihrer Einwohner verhungerten;aber doch sprach man nicht von Ergebung. Endlich durchstachen die Hol-