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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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96
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96 X X 1 X, Der drcißi<ijährigc Krieg. 1618-16-18.

Glaubens wegen die Stadt und siedelten nach Holland über. In Moritzvon Oranien, dem Sohne Wilhelms, erhielten die Niederländer einentüchtigen Statthalter, der die Spanier endlich auch aus Groningen ver-trieb und ihnen später bei Niewport, unweit Ostende, eine blutigeNiederlage beibrachte. <1) Nach langen Kämpfen wurde ein Waffen-stillstand zwischen Spanien und Holland geschlossen, nach dessen Ablauf1621 der Krieg von neuem anhub und bis 1648 dauerte, wo er mitder Anerkennung der Unabhängigkeit abschloß. Die südlichen Provinzenverblieben bei Spanien; sie waren aber durch Krieg, Auswanderung undKetzergerichte ruiniert. Die Generalstaaten hingegen waren unterdessen zurersten See- und Handelsmacht der Welt herangewachsen; sie hatten dieMacht der Spanier und Portugiesen auf dem Meere gebrochen, ihreSchiffe weggekappert und dadurch ihren Handel schwer geschädigt. Künsteund Wissenschaften fanden in Holland reiche Pflege.

XXIX. Der dreißigjährige Krieg.

16181648.

1. ki> Die furchtbarste Gegenreformation fand

die Reformation im Lande ihres Ursprungs, in Deutschland. Schon nachLuthers Tode war der sogenannte schmalkaldische Krieg ausgebrochen undzu Ungunsten der Protestanten ausgefallen; doch hatten sie 1555 imReligionsfrieden zu Augsburg freie Ausübung ihres Gottesdienstes er-langt. Darauf folgte eine Zeit leidlicher Ruhe. Dann aber griffenMaximilian von Bayern und Ferdinand von Steiermark den Kampfwieder auf. Dieser hatte einst auf einer Wallfahrt feierlich das Gelübdeabgelegt, in seinen Ländern die katholische Religion wieder herzustellen.Er zog mit bewaffneten Scharen in seinem fast ganz protestantischenFürstentum umher, schloß die lutherischen Kirchen, verbrannte die evange-lischen Schriften und führte die Messe wieder ein.,Besser eine Wüste,als ein Land voll Ketzer," pflegte er zu sagen. Ähnlich verfuhr Maxi-milian von Bayern in seinem Lande. Da schloffen die evangelischen Fürstendie Union, die katholischen die Liga. Bald begannen die Ver-folgungen auch in Böhmen, wo sich die Protestanten ihre Rechte wohlhatten Verbriefen lassen. Entgegen den kaiserlichen Briefen wurde eineprotestantische Kirche niedergerissen, eine andere geschlossen. Darüber sehrerbittert, wandten sich die Protestanten klagend an den Kaiser; allein siewurden in einem Schreiben, das er ihnen durch seinen Statthalter inBöhmen zuschicken ließ, abschlägig beschieden. Die Evangelischen glaubten,daß das Schreiben von den verhaßten Statthaltern entworfen und demKaiser nur zur Unterschrift zugeschickt worden sei. «) Am 2 3. Mai1618 drang ein Hause bewaffneter Protestanten, an ihrer Spitze derGraf Thurn, der einen Bruch mit Österreich herbeiführen und dadurch