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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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113
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XXXI. Ludwig XIV. I6I.I1715.

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fremde, mit Pensionen. Gleichwohl bewegte sich in der Kunst fast allesnur schablonenhaft; denn den Künstlern fehlte die Hauptsache, nämlichdie Freiheit des Schaffens. Der König hatte mehr Freude an wohlgedrechselten Versen, hübschen Komplimenten, schonen Sieden, als an eigent-licher Herzens- und Verstandesbildung. Alles, was Freiheit atmete, warLudwig zuwider.

4. Die Kirche. ») Ludwig verfolgte hinsichtlich der franzö-sischen Kirche ein doppeltes Ziel: möglichste Unabhängigkeit von Romund Einheit. Deshalb richtete er sich gegen den Papst und die Prote-stanten. Er ernannte die geistlichen Würdenträger, und der Papst hattebloß ein nichtssagendes Bestätigungsrecht. Die fettbesoldeten Stellen derGeistlichen wurden meist mit den jungen Söhnen der ruinierten Adeligenbesetzt. Es kam sogar vor, daß Kinder zu Bischöfen ernannt wurden.b) Er war unduldsam. Wie im Staate nur ein Wille herrschte, sosollte auch in der Religion nur eine Kirche bestehen. Er haßte darumdie Hugenotten von Herzensgrund. Katholische Geistliche schürten seinenHaß. Tausende kleiner Hugenottenkinder wurden mit List und Gewaltihren Eltern entrissen, damit sie katholisch erzogen würden. Keine Huge-notten dursten mehr ein Handwerk ausüben. Ihre Kirchen wurden zer-stört ; ihre Güter eingezogen. In manchen Provinzen bliebe» die Katho-liken von den Steuer» befreit, die Protestanten hatten dagegen das Drei-fache zu zahlen. Um diese mürbe zu machen, schickte ihnen der KönigDragoner als Einquartierung und Quälgeister in die Häuser. o) Eswar nur noch ein Schritt zu der verhängnisvollen Aufhebung desEdikts von Nantes, die dann auch im Jahre 1685 wirklich erfolgte.Jetzt gingen die schrecklichsten Verfolgungen der Hugenotten erst recht an.Die Prediger wurden verjagt, die Auswanderung aber verboten; dieKirche» wurden zerstört, die Dragonaden fortgesetzt und verschärft. DieDragoner erlaubten sich ungestraft jegliche Gewaltthätigkeit; nur wennsich der Gequälte bekehrte, verließen sie sein Haus. Die, welche treu anihrem Glauben hingen, wurden geprügelt, gestochen oder langsam geröstet;man ließ sie zu Tausenden in finstern, ungesunden Kerkerlöchern verhungern. <I) Aber etwa 400,000 Hugenotten entkamen glücklich ausFrankreich. Zie fände» in der Schweiz, in Deutschland, namentlich inBrandenburg, in Holland und England gastliche Ausnahme. Ihr Mut,ihre Intelligenz, ihre industrielle Thätigkeit und sittliche Tüchtigkeitbrachten allen Orten, die sie aufnahmen, reichen Segen. Geradezu uner-setzlich war der Verlust, den Frankreich dadurch erlitt; denn es verlorseine besten Arbeitskräfte.

5. Kriege. n) Verleitet von seinem unersättlichen Ehrgeizsührte Ludwig XIV. vier Kriege, die nichts anderes als ganz gemeineRaubkriege waren. Der erste Krieg galt den spanischen Niederlanden,d. i. dem heutigen Belgien. Wohl siegte Frankreich; aber Holland, Eng-

Luginbühl, Wcllgeschichtk. S. Anst. u