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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXXI. Ludwig XlV. l6i:;-I71I,.

land und Schweden zwangen es 1668 zum Frieden von Aachen (ach!);es behielt von seinen Eroberungen Flandern. b) Der zweite Kriegrichtete sich gegen Holland, das gewagt hatte, den Siegeslauf desMächtigen aufzuhalten. Es gelang Ludwig XIV. mittels Bestechungdie Tripelallianz zu sprengen und England und Schweden für sich zugewinnen. Französische Truppen überschwemmten Holland und brachtenes in schwere Not. Die Holländer durchstachen nun ihre Dämme undsetzten das ganze Land unter Wasser, so daß ihr Feind nicht weiter vor-dringen konnte. Holland war gerettet; überdies kamen ihm der Kaiser,Spanien und der Kurfürst von Brandenburg zu Hilfe. Als die Schwedenletztem bedrängten, erlitten sie bei Fehrbellin, unweit Potsdam, eineNiederlage. Es war der erste größere Sieg, den Brandenburg, d. i. daszukünftige Preußen, mit eigenen Kräften erfocht. Im Frieden von Nym-wegen 1678 (nimm weg!) bezahlte Spanien die Zeche; denn es verlor dieFreigrafschaft an Frankreich. Mitten im Frieden nahm Ludwig XIV.Straß bürg weg. v) Der dritte Krieg war zunächst gegen diePfalz, im übrigen aber wieder gegen den Kaiser, Spanien, Englandund Holland gerichtet. Schrecklich ließ Louvois die Pfalz verwüsten,um die Feinde abzuhalten, sich darin festzusetzen. Das schöne Heidel-berger Schloß ward zerstört und alle Orte gegen den Rhein zu demErdboden gleich gemacht. Die Bewohner wurden nackt und bloß in dieWinterkälte Hinausgetrieben. In dem Frieden von Ryßwijk (spr. Reiß-weik) unweit Haag durfte Frankreich Straßburg behalten. <1) Dervierte Krieg ist der spanische Erbfolgekrieg (17001714). Derspanische König starb, ohne männliche Erben zu hinterlassen; es fragtesich, wer sein Nachfolger werden sollte. Der deutsche Kaiser und derKönig von Frankreich waren sowohl durch ihre Mütter als auch durchihre Gemahlinnen mit dem spanischen Herrscherhause aufs engste ver-wandt. Ludwig wünschte seinen zweiten Enkel Philipp, der deutsche Kaiserseinen zweiten Sohn Karl als König von Spanien einzusetzen. Daseuropäische Gleichgewicht, nach welchem kein Staat eine allzugroße Machtbesitzen durfte, sollte nicht gestört werden. Der stolze Ludwig mußte jetztzum erstenmale erfahren, daß seine Truppen geschlagen wurden. PrinzEugen siegte nämlich in Italien und Marlborough (spr. Mürlböro)in den Niederlanden. Beide vereinigt vernichteten bei dem schwäbischenStädtchen Höchstädt ein französisches Heer. Der eine jagte die Fran-zosen aus den Niederlanden, der andere aus Italien. Frankreich warerschöpft. Ludwig war zu den größten Zugeständnissen bereit. Als aberdie Sieger gar noch verlangten, er solle mit seinen Truppen seinen Enkelaus Spanien vertreiben helfen, versuchte Ludwig das Wafsenglück nochmals. Allein bei Malplaquet, unweit Mous, wurde er wieder ge-schlagen. Jetzt war Ludwig bereit, sogar Hilfsgelder zur Vertreibungseines Enkels aus Spanien zu zahlen. Da kamen eigentümliche Ereignisse dem schwergedemütigten Monarchen zu Hilfe. Der Kaiser starb, undKarl wurde sein Nachfolger, der nun auf die spanische Krone verzichten