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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXXII. Peter der Große. 16891725.

Feind. Er drang in Polen ein, schlug die Sachsen hinaus und zwang,die Einwohner, August II. abzusetzen und einen neuen König zu wählen.Ja, Karl XII. suchte sogar Sachsen heim und nötigte den Kurfürstenzum Frieden. August II. verzichtete auf die polnische Krone. o> Unter-dessen hatte Peter Jngermannland erobert und Livland aufs entsetzlichsteverwüsten lassen. An der Ausmündung der Newa in den finnischen Meer-busen hatte er 1703 eine neue Stadt angelegt und nach dem ApostelPetrus Petersburg benannt. Hunderttausende von Bauern wurden zurGründungsarbeit in diesen sumpfigen Gegenden gezwungen. 200,000sollen dabei zu Grunde gegangen sein. Auf Peters Befehl mußten vieleVornehme und Geringe ihre Wohnung in der neuen Stadt aufschlagen. ä) Nach der Unterwerfung Augusts II. brach Karl XII. gegen Peteranf. Allein er ließ sich, den Rat seiner Generale verschmähend, vondem aufrührerischen Kosaken-Hauptmann Mazeppa nach Südrußland,nach der Ukraine, verlocken. Der Weg dahin führte durch unermeßlicheSümpfe und Wälder. Karls Heer litt sehr unter Kälte, Hunger undKrankheiten, so daß es auf etwa 20,000 Mann zusammenschmolz. Da-mit begann er die Belagerung Poltawas, der Hauptstadt der Ukraine.Hier brachte ihm Peter 1709 mit etwa 70,000 Mann eine Niederlagebei. Karl floh über den Dnjepr nach der Türkei; doch sein Heer konnteihm aus Mangel an Boten nicht schnell genug folgen und mußte sichergeben. Die Armee, vor der einst Dänemark, Sachsen und Rußland,ja ganz Europa gezittert, war total vernichtet. August II. nahm wiederBesitz von Polen. 6) Karl XII. fand in der türkischen StadtBend er gastliche Aufnahme, wo er jahrelang blieb. Der Sultan ließihn endlich bitten, abzuziehen. Umsonst; er befahl, den Eigensinnigendazu zu zwingen; da setzte sich Karl zur Wehre, und mit äußerster Ver-zweiflung focht er mit etwa 200 Mann gegen ein ganzes Heer. Alser hörte, daß die Schweden mit den Russen um einen Frieden unter-handelten, ritt er in vierzehn Tagen den weiten Weg über Wien nachStralsund, wo er mit so geschwollenen Füßen ankam, daß ihm dieStiefel heruntergeschnitten werden mußten. Vorn Frieden wollte er nichtshören; da machte eine feindliche Kugel seinem Leben ein Ende. t'l ImFriedensschluß 1721 mußte Schweden Jngermannland, Esthland undLivland an Rußland abtreten. Durch diesen Krieg war SchwedensMacht gebrochen und seine Vorherrschaft im Norden Europas auf Ruß-land übergegangen.

Peters Nachfolger. g. Nach Peters Tode regierten innerhalb 67Jahren (17251762) nicht weniger als drei Kaiser und drei Kaiserinnen über Ruß-land. Charakterlose Günstlinge leiteten sie. Endlich erstand Peter I. in Katharina I I.(1762-1796) eine würdige Nachfolgerin. Das Werk der Europäisierung des Reichessetzte sie eifrig fort und berief viele Gelehrte, Kaufleute und Handwerker aus demWesten Europas nach Norden. Sie schuf im Innern viel Gutes; aber ihr unersätt-licher Ehrgeiz trieb sie unaufhörlich zu Eroberungskriegen. Sie zertrümmerte imBunde mit Oesterreich und Preußen das große Polenreich und riß den Löwenanteilan sich. Dadurch war Rußland direkt an die europäischen Kulturstaatcn herangerückt