XXXlV. Der Iiordmiwl'ikuuischc Freiheitskrieg. 1776—1783.
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XXXIV. Der Iwrdainerikanische Freiheitskrieg.
1776—1783.
Virginia 1606; vourngland 1620. — n) Die erste größere undduuerudc Ansicdlung auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten Nordamerikas fällt indas Jahr 1608. In diesem Jahre verließen 105 Kolonisten, die nicht Knechte derAdeligen werden wollten, die Themse und gelangten nach Virginia, wo sie amJakobssluß (.lame« river) sich niederließen. Sie hatten schwere Kämpfe mit denIndianern zu bestehen; beinahe wäre es diesen gelungen, sie zu vernichten. — b > Dieersten Ansiedler nahmen das Land als gemeinsames Eigentum in Besitz und Anbau,legten die Ernteerträge in eine öffentliche Scheune und erhielten daraus wöchentlichdie nötigen Nahrungsmittel für ihre Familie. Dabei nahm man keine Rücksicht aufdie geleistete Feldarbeit; der Faule bekam gleichviel wie der Fleißige. Dies schadetedem Gedeihen der Kolonie Virginia. Deshalb wurde jedem ein bestimmter Teil desLandes zur Bebauung angewiesen. Alan trieb nicht bloß Viehzucht, sondern legtegroße Getreide- und Tabakpflanzungen an. Durch Kolonistennachschub entwickeltesich Virginia rasch. Allerdings waren unter den Neuangekommenen Ansiedlern auchviele Galgenstricke, ausgewiesene oder entsprungene Verbrecher, verarmte Edelleute,unglückliche Streber, arbeitsscheue Glücksritter und gewissenlose Abenteurer. — 6) Leiderbefleckten sich die Ansiedler mit Sklavenhandel. 1620 verkaufte ihnen ein hollän-disches Schiff, das von Afrika kam, 20 Neger, den Mann zu durchschnittlich 500 Fr.Der stumm gehorchende, rechtlose Schwarze, dem keine Arbeit zu gering war, derdas Klima leicht ertrug, der für Kleidung fast nichts und für den Unterhalt sehrwenig gebrauchte, ließ sich als Arbeitstier vortrefflich verwenden. Die Zahl derSchwarzen stieg deshalb rasch. — cl) Im Jahre 1620 segelten, ihres Glaubens wegenvertrieben, 41 puritanische Familienväter mit ihren Angehörigen von England nachAmerika. Bevor sie ihr Schiff verließen, schloffen sie einen Bund und gelobten dabei,ein staatliches Gemeinwesen zu bilden. Ihre Kolonien wurden bald mit dem gemein-samen Namen Neu eng land belegt, und umfaßten Massachusetts (spr. Mässätschusctzisamt den benachbarten Staaten. Sie waren viel unabhängiger vom Mutterland alsdas königlich gesinnte Virginia. Sie wollten nicht, daß das Parlament ihnen etwasgebiete oder verbiete. Sie hielten Versammlungen, wählten ihre Abgeordneten, grün-deten Schulen und leiteten das Kirchenwescn selbst. Neucngland, insbesondere Massa-chusetts, mit seinen sittenstrengen, furchtlosen und unermüdlichen Puritanern ist dieWiege der amerikanischen Freiheit. — s) Auch Deutsche, Franzosen, Spanier, Hollän-der, Schweden u. a. ließen sich als Ansiedler daselbst nieder. Aber alle die verschie-denen Einwanderer verschmolzen sich allmählich zu einer Nation; sie wurden Ameri-kaner. Im Jahre 1770 umfaßten sie 13 Staaten mit zusammen circa 2 >7, MillionenEinwohnern.
1. Kenfamin Fvanklirr. 1706—1790. — a) BenjaminFranklin ist einer der größten Amerikaner; er hat den nachhaltigstenEinfluß auf seine Zeitgenossen ausgeübt. Er war von 17 Geschwisterndas zweitjüngste. Sein Vater, ein Seifensieder in Boston, bestimmteden begabten Knaben dem Studium der Gottesgelehrsamkeit und schickteihn in die Lateinschule; schon nach zwei Jahren sah er sich aber wegenMittellosigkeit genötigt, den zehnjährigen Knaben aus der Schule zunehmen, um ihn in seinem Geschäfte zu verwenden. Doch Benjamin hattekeine Lust zu dem „schmierigen" Handwerk. — I») Im Alter von zwölfJahren trat er als Buchdruckerlehrling bei seinem ältern Bruder Jakobein. Schon nach einem Jahre ersetzte er diesem einen Gesellen; daneben