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XXXV. Die französische Revolution. 1789—1799.
Ein Bundesgericht übt die oberste richterliche Gewalt aus. — e) Washington wurdezum ersten Präsidenten gewählt und blieb es auch für die zweite Legislatur-periode, also im ganzen von 1789—1797. Das neue Staatswesen war äußerst schwerzu lenken; denn es fehlte ihm ein rechtes Nationalgefühl; jeder Staat sorgte nurfür sich. Washington wußte das Staatsschiff durch alle Stürme trefflich zu leiten.Nach seiner zweiten Präsidentschaft zog er sich auf sein geliebtes Landgut Mount-Vernon in Virginien zurück. Doch konnte er des ländlichen Stilllebens nicht mehrlange genießen; denn er starb schon 1799.
XXXV. Die französische Revolution.
1789—1799.
1. Ursachen der srnnröstschen Revolution. —
«>) Die Ursachen der französischen Revolution, des größten Ereignissesder neuern Geschichte, liegen hauptsächlich in der Verschwendungssucht undSittenlosigkeit der höhern Stände, in der grenzenlosen Not der untern,d. i. der Bauern und Arbeiter und in der Aufklärung des Bürger- undMittelstandes. — i>) Der Hof verschlang ungeheure Summen; dennder König besaß ein ganzes Heer faulenzender Diener. Grobe Unfittlich-keit herrschte daselbst. Ludwig XV., der die Regierung schlechten Weibernüberließ, gab selbst ein schlimmes Beispiel; umsonst kämpfte sein Nach-folger, der schwache Ludwig XVI., gegen die Sittenverderbnis des Hofes.—o) Nicht besser stand es um Adel und Geistlichkeit; die Zahl derAdeligen war zwar nicht sehr groß; es gab etwa 140,000 Adelige undfast ebenso viel Geistliche. Frankreich, das damals 26 Millionen Ein-wohner hatte, zählte mithin auf 1000 Einwohner eine adelige Familiezu 4—5 Köpfen gerechnet. Adel und Geistlichkeit waren sehr reich; dennsie besaßen ^ des „Bodens von ganz Frankreich; zudem bekleideten siealle einträglichen Ämter; der dritte Stand war davon ausgeschlossen.Da die Adeligen, wie übrigens auch die hohen Geistlichen, nur dem Ver-gnügen nachgingen, so waren sie schlechte Offiziere und noch schlechtereBeamte. Es ist deshalb begreiflich, daß die französischen Waffen imsiebenjährigen Kriege mehr Schande als Ruhm ernteten. Die Ädeligenverpraßten ihre fetten Einkommen meist in Paris oder Versailles, wo sieungestraft ihren Lüsten stöhnen konnten. Auf ihre Schlösser in derProvinz kamen sie gewöhnlich nur znr Jagd. — <i) Die Lage derBauern war höchst traurig; denn alle Lasten ruhten aus ihnen, daAdel und Geistlichkeit sozusagen steuerfrei waren. Der Bauer hatte demStaat, d. i. dem König, einen großen Teil des ganzen Jahresertragesals Steuer zu bezahlen; nicht selten gelangte davon bloß ein Drittel indie königliche Kasse; denn der Landesfürst hatte die Steuern verpachtet,und die Steuerpächter erpreßten oft das Doppelte oder Dreifache. Abernicht bloß der Bauer, sondern überhaupt jeder Arbeiter hatte sozusagendie Hälfte seines Verdienstes an die königlichen Steuerpächter abzugeben.