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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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139
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XXXV. Die französische Revolution. 17891799. 189

gehaltene, sechsspännige Karosse, die sie aus Paris fortführte. Als derLeibarzt des Prinzen am Morgen erschien und ihn nicht fand, wurde dieFlucht in der Stadt ruchbar. Überdies hatte der König ein Schriftstückan die Nationalversammlung zurückgelassen, worin er sich über dieSchmälerung seiner Rechte beklagte, und worin er auch alles für ungültigerklärte, was ihm in derGefangenschaft" abgepreßt worden sei. Er warunterdessen glücklich über CHLlons s.M. nach Sainte Menehould ge-kommen. Da er oft zum Wagenfenster hinaussah, erkannte ihn hier derSohn des revolutionssreundlichen Postmeisters Drouet, eilte voraus nachVarennes und schlug hier noch nachts 1l Uhr Lärm. Die königlicheKutsche wurde durch ein auf der Brücke umgeworfenes Fuhrwerk an-gehalten. Der König verleugnete zuerst seinen Stand, sah sich aber dochendlich gezwungen, sich als König zu erkennen zu geben. Trotz seinerund der Königin inständigen Bitten mußte er sich zur Rückkehr nachParis entschließen. Die Nationalversammlung schickte ihm drei Abgeordneteentgegen. Schweigend nnd ohne das Haupt zu entblößen empfing ihndie Menge in Paris; hier wurde er jetzt noch viel strenger bewacht, alsvorher. Im Herbst 179l trat die Nationalversammlung ab, nachdemsie noch in edler, aber unkluger Selbstentsagung den Beschluß gefaßt hatte,daß keiner der ihrigen in die neue Bersammluug gewählt werden dürfe.

7. Sturz des Körrigturus 10. August 1792.

ri) Die gesetzgebende Versammlung oder Legislative, die im Herbst 1791zusammentrat, zählte unter ihren 745 Mitgliedern nicht weniger als300 Advokaten, meist junge und heftige Männer. Sie schied sich in einegemäßigte Rechte und in eine radikale Linke; letztere trennte sich wiederumin Girondisten, die zu den gemäßigten Republikanern gehörten, und indie Bergpartei, unter der sich die heftigsten Revolutionsmänner befanden.Nach der Heimat vieler ihrer Mitglieder nannte sich die eine, nach ihrenerhöhten Bänken im Sitzungssaale die andere Partei. Allmählich gewannen Robespierre und Danton, Mitglieder des Pariser Gemeinderates, und Marat, der Redaktor des berüchtigtenVolksfrcundes," dengrößten Einfluß auf die Massen. d) Die Legislative wendete sichzuerst gegen die eidverweigernden Priester und die Ausgewandertenoder Emigranten und beschloß, daß alle Priester, welche sich weigerten,den Eid auf die neue Verfassung zu leisten, ihre Pensionen verlieren undbei Aufreizung zu Widerstand mit zweijähriger Haft bestraft werdensollten. Die Emigranten, die bis zum 1. Januar 1792 nicht zurückgekehrtsein würden, sollten als Hochverräter zum Tode verurteilt werden. DerKönig legte gegen beide Beschlüsse sein Veto ein, so daß sie nicht zumGesetz erhoben werden konnten; unter den Emigranten befanden sich nämlichauch seine Brüder Ludwig und Karl. Dieser Widerstand erbitterte dieMassen sehr. v) Die Emigranten suchten die auswärtigen Höfe zumKriege gegen Frankreich zu bewegen. Diese, fürchtend, die Revolutionmöchte ansteckend auf ihre eigenen Unterthanen wirken, gaben endlich ihren