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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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140
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140 XXXV. Die französische Revolution. 17891799.

Bitten nach. So brach denn im Sommer 1792 der Krieg mit Österreichund Preußen aus. Die Jakobiner verfehlten nicht, die Schuld des Kriegesauf den König zu schieben. <1) Immer mißlicher gestaltete sich dessenLage, bis endlich am 10. August 1792 ein furchtbarer Sturm losbrach.Die Tuilerien waren von 800 Schweizern und mehreren BataillonenNationalgardisten, denen indes der König nicht traute, verteidigt. Schonvor Mitternacht ertönten die Sturmglocken. Der Gemeinderat von Pariswurde gestürzt und durch einen neuen, revolutionären ersetzt. Der An-führer der Schweizergarde, Mandat, ward auf das Stadthaus beschiedenund unterwegs von gedungenen Mördern erdolcht. Jetzt waren die Schweizerohne Leitung. Gegen 8 Uhr morgens wälzten sich unzählbare Scharennach den Tuilerien. Widerstandslos ergaben sich die Wachtposten derNationalgardisten, deren Kanoniere die Lunten löschten. Der König ließsich, statt jetzt für seine Krone das Äußerste zu wagen, beschwatzen, mitseiner Familie im Schoße der Nationalversammlung Schutz zu suchen.Unterdessen wurde blutig gekämpft, die Schweizer warfen die andringendenPöbelhaufen mehrmals zurück. Auf das Drängen der Nationalversammlunggab der König seinen treuen Schweizern, die sich für ihn auf Leben undTod wehrten, den Befehl, das Feuer einzustellen. Als gehorsame Sol-daten wagten viele nicht weiterzukämpfen; in einzelnen Gruppen suchtensie sich, wo sie konnten, Bahn zu brechen, sielen aber größtenteils derWut der Aufrührer zum Opfer; 760 Schweizer und etwa 5000 von denAngreifern waren gefallen. Der Löwe in Luzern, der sterbend das Lilien-banner schützt, erinnert an die Heldenthat der Schweizer in Paris. DerKönig mußte unterdessen in der Nationalversammlung zuhören, wie seineAbsetzung besprochen und beschlossen wurde. Nach drei Tagen wies manihm einen alten Turm,lo toinxle" geheißen, als Gefängnis an.e) Eine neue Versammlung sollte einberufen werden, um eine neue Ver-fassung zu entwerfen. Damit die Wahlen dazu recht revolutionär aus-fallen, wurden die Wähler durch die entsetzlichen Septembermorde ein-geschüchtert, wobei etwa 2000 den Schreckensmännern zum Opfer fielen.Am 21. September 1792 löste sich die Legislative auf. Mit dem22. September 1792 nahm die Republik ihren Anfang.

8. Hinrichtung des Königs 21. Innnar 1T93.Krieg. r>) Im Konvent, wie der neue Rat hieß, hatten die ge-mäßigten Girondisten anfangs gegenüber der Bergpartei die Mehrheit.Allein letztere wußte durch Einschüchterung sich bald das Übergewicht zuverschaffen. Zuerst machte der Konvent dem König, der jetzt mit seinemFamiliennamen nur Ludwig Capet genannt wurde, den Prozeß. Er klagteihn des Hochverrats an und machte sich selbst zum Tribunal, vor welchemsich der König verantworten mußte. Dieser bestritt zuerst dem Konventdie Vollmacht, ihn, den König des Landes, zn beurteilen. Ludwigbeivies in diesen schweren Tagen die Würde eines sittlich-reinen, unschul-digen Mannes. Allein er mußte büßen für die Sünden seiner Väter.