XXXV. Die französische Revolution. 1789—1799. 141
Am 21. Januar 1793 fiel er unter der Gnillotine (Fallbeil). SeinTod hat der Monarchie und seiner Partei unendlich mehr genützt, alssein Leben. Ihm folgte bald auch die Königin im Tode nach. Denzehnjährigen Dauphin, jetzt nach des Vaters Tode von allen europäischenHöfen als Ludwig XVII. anerkannt, ließ man elendiglich in einem wüstenKerkerloch verkommen. — 1>) Der Konvent verteilte nun die vollziehendeGewalt an einzelne Ausschüsse, von denen der aus 12 Mitgliedern be-stehende Wohlfahrtsausschuß seit dem April 1793 mit diktatorischerGewalt auftrat. Dieser Wohlfahrtsausschuß, in dem Robespierre dasÄußere und die Polizei besorgte, ist es, der bis in den Sommer 1794Frankreich terrorisierte, d. i. mit Schrecken regierte. — v) Der Krieggegen Österreich und Preußen, der bereits im Sommer l792 be-gonnen, hatte für Frankreich einen günstigen Anfang genommen; jenehatten gemeint, es handle sich bloß um einen militärischen Spaziergang.Der Obergeneral Ferdinand von Vraunschweig hatte zum Beginn desFeldzuges ein Manifest voll dummstolzer Drohungen erlassen. Paris,meinte er unter anderm, müsse dem Erdboden gleich gemacht werden.Die französischen Generale Tumouriez und Kellermann warfen ihn zurück,ja der erstere eroberte sogar Belgien, wo die Franzosen als Befreier mitJubel empfangen wurden.— <1) Allein im Frühling 1793 änderte sickidie Lage. Die Hinrichtung Ludwigs XVI. beschwor einen ganzen Sturmder Entrüstung in allen Ländern Europas herauf. Allen Regierendengraute vor den neuen Ideen; es war, als ob die Monarchen die Guillo-tine schon am Halse spürten. Großbritannien, Preußen, Österreich, dasdeutsche Reich, die Niederlande, Spanien und Italien thaten sich zu einergroßen Koalition, d. i. Bund, zusammen, um Thron und Altar in Frank-reich wiederherzustellen, in Wirklichkeit aber, um sich der Revolution imeigenen Lande zu erwehren. Frankreich wurde zu Wasser und zu Landehart angegriffen. Dumouriez wurde im Frühling 1793 bei Neerwinden,unweit Lüttich, geschlagen und ging nachher mit etwa 1500 Mann zuden Feinden über, die sich auch mehrerer französischer Festungen bemäch-tigten. — 6> Aber noch mehr. Das Innere Frankreichs wurde voneinem furchtbaren Bürgerkrieg heimgesucht. Die Girondisten wurdendes Einverständnisses mit dem Verräter Dumouriez beschuldigt. Der auf-gehetzte Pariser Pöbel hielt 12 Stunden lang den Konvent umstellt undjagte diesen zurück, als er das Sitzungshaus verlassen wollte. Mehr als20 Girondisten wurden guillotiniert; andere endeten durch Selbstmordund 73 Mitglieder des Konvents, die gegen die Verfolgung der Giron-disten gestimmt, wurden ausgestoßen. Auf die Kunde von all diesen Vor-gängen erhoben sich 60 Departemente gegen den Konvent. Die Vendee,Nantes, Bordeaux, Toulouse, Lyon, Marseille u. a. kündigten ihm denGehorsam auf. Ein Dritteil Frankreichs nahm den Kampf mit denbeiden andern Dritteilen und mit ganz Europa auf. Nie hat sich eineRegierung in gefahrvollerer Lage befunden, als der Konvent im Sommer1793. —