326
II. Abschnitt. Die Organe des menschlichen Körpers.
wenigen Minuten aufgelöst. Eine gründliche Durchmischung des nun starkverdünnten und chemisch veränderten Speisebreies wird durch wurmförmigeund rotierende Zusammenziehungen der muskulösen Wände des Magensherbeigeführt. Neben den Magensaftdrüsen enthält die Magenwand noch diebecherförmigen Magen Schleimdrüsen; außerdem ist sie dicht mit feinstenBlutgefäßen durchsetzt, welche nicht nur den gewaltig arbeitenden Drüsendas nötige Material liefern, sondern auch einen Teil der im Magen befindlichenFlüssigkeiten (durch Diffusion) in sich aufnehmen. — Zu starke Zufuhr vonFlüssigkeiten bei den Mahlzeiten verdünnt natürlich den Verdauungssaft undbeeinträchtigt seine Wirkungsfähigkeit. Pepsin wird durch Alkohol gefällt,also für seine Aufgabe unbrauchbar gemacht, woraus sich zum Teil auch dieMagenleiden der Trinker ergeben.
Darm. Nach Verlassen des Magens durch den sich öffnenden Pförtner ge-langt der Speisebrei in den Darm, welcher, von sechs- bis achtfacher Länge desKörpers, in vielfachen Windungen einen großen Teil der Bauchhöhle ausfüllt(Fig. 515). Er ist scharf in die beiden Abschnittte Dünndarm (DD) und Dick-darm (DckD, mit dem Mastdarm) geschieden. Die Windungen sind durchHäute (Gekröse oder Mesenterium) untereinander und mit der Wirbelsäuleverbunden und werden dadurch in ihrer Lage erhalten.
Chemische Verarbeitung des Speisebreis. Auch in der Darm- •wand liegen schlauchförmige Drüsen, welche denen der Magenwand ent-sprechen und den Darmsaft liefern, der ähnlich dem Speichel wirkt. Dazumünden unmittelbar hinter dem Pförtner in den Dünndarm zwei mächtigeDrüsen, deren eine als Leber (L) bekannt ist, während die andere den NamenBauchspeicheldrüse führt. Die Leber dient einerseits zur Aufspeicherungvon Kohlenhydraten (Glykogen) und sorgt andererseits für die Gleichartigkeitder Zusammensetzung des Blutes. Daneben liefert sie als Sekret die Galle, diezum Gebrauch in einem besonderen Reservoir, der Gallenblase (Fig. 514 GB,Fig. 515 G), aufgespeichert wird. Die Ader, welche die einzelnen Drüsen-zellgruppen der Leber, die Leberläppchen, mit Blut versorgt und sie zurProduktion der Galle befähigt, ist die das venöse Blut des Darmkanals führendePfortader. Die Galle ist eine grünbraune, bittere Flüssigkeit, welche nament-lich die Fähigkeit besitzt, Fette zu zersetzen bzw. so fein zu zerteilen, daßsie dadurch in eine für die Aufnahme in das Blut geeignete Form gebrachtwerden. Ein einfacher Versuch lehrt, daß Öl und Wasser ein einheitlichesmilchiges Gemisch (eine Emulsion) geben, sobald man etwas Galle hinzugetanhat, während sonst beide Flüssigkeiten sich schnell wieder trennen, wenn mansie nach dem Schütteln ruhig stehen läßt. Eine weitere Aufgabe der Galleist es, die eigentümlichen Bewegungen des Darms anzuregen, durch welchederselbe ein allmähliches Vorwärtsschieben des Speisebreis bewirkt. Der fürdie Verdaulichkeit ungleich wichtigere Saft der Bauchspeicheldrüse, der Bauch-