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Der Winterschlaf nach seinen Erscheinungen im Thierreich / dargestellt von Dr. H.C.L. Barkow
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Aclitrehutes Capitet.

Der Winterschlaf ist seinem Wese« nach keine Asphyxie,auch kein geringerer Grad derselben. Auch ahgesehi» von denbereits angeführten Gegcngriindcn anderer Schriftsteller, bietenbei Thieren aus versehiednen Klassen die Ersehciniingen bei ih-rem Eintreten und Aufhürcn wesentliche Verschiedenheiten dar.Längere Zeit unter Wasser gehaltnc, im Winterschlaf sich be-findende Igel werden asphyctisch. IhrSpbincter cuciiUi erschlafftalsdann, die Einplindliehkeit ihrer Haut hört auf. Das Thiergeht aber aus dem Winterschlaf nicht unmittelbar in Asphy-xie, sondern erwacht, obgleich unvollkommen, und sucht sichder drohenden Gefahr zu entziehen. Das asphyxirtc Thiergeht, wenn cs zuin Leben wieder erwacht, nicht durch dieErscheinungen des Winterschlafs in den wachenden Zustand,sondern gradezu in diesen über, mul kehrt durch das Wachenerst in den Winterschlaf zurück. Bei den Bienen, derenSchenkel während des Winterschlafs in einander geschlungensind, ist bei ihrer grossem Einplindliehkeit gegen die Kälte,dies auch leicht zu beobachten, die Muskeln erschlaffen heidem Eintritt der Asphyxie, und die Tliicre fallen auf den Bo?den des Stockes.

Der Winterschlaf ist kein Analogon des Embryonen - Zu-standes. Dieser ist die Periode der mannigfaltigsten Entwick-lungen, des schnellsten Fijrtsehreitens im Lehen. Der Win-terschlaf kann sich zu ihm gesellen (bei den unentwickeltenlnsccten), hebt aber alsdann jene Eigenthiimlichheit auf.

Der Winterschlaf weicht, ganz abgeschu voii der Dauer, we-sentlich vo n täglichen Schlafe ab. Die w esentlichsten Versehie-denheite i zwischen beiden beziehen sich auf die Verdauung,das Wachsthum, die Ernährung, Reproduclion und Feltbil-dung, fast alle Sccretioiicn, die Circulation, Respiration unddie Wärmebcreitung. Im Schlaf geht die Chymification un-