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Stand und Namcn verrathen, und so wurde ich denn durch einen Par-lamentair in das belagerte Breslau zu meiner Mutter geschickt, von wel-cher ich länger als sieben Jahre getrennt gewesen.
Als ich nach einer langen Niederlage am hitzigen Nervenfiebcr meineGedanken wieder zu ordnen und an einander zu reihen vermochte, sah ichmich in preußischer Kadetten-Uniform unter den feindlichen Truppen freiherumlaufen, und ich erinnere mich noch sehr wohl, daß ich, trotz der^angeborenen Timidität, meinen Haß gegen die Franzosen nicht immer-verbergen konnte. Einmal wagte ich es sogar, dem Verbote zuwider,den vernietet gewesenen Säbel hervorzusuchcn. Preußische Truppen hat-ten nämlich nach einem hartnäckigen Kampfe bei Kanth sich in der Nähevon Breslau gezeigt; ich begab mich also bewaffnet, doch vorsichtigerWeise, auf's Glacis, um mich, so hoffte ich im kindischen Wahne, densiegreich Einrückenden sogleich anschließen und am Feinde mein Müth-chen kühlen zu können. Plötzlich ruft eine würtembergische Schildwache:„Halt! Wo wilscht Du hin, preußische Canaille?" ihr Gewehr aufmich anschlagend. Athcmlos und voller Schrecken stürze ich nach Hause,werfe meine Uniform und meinen Säbel für immer in den verborgen-sten Winkel, und so hatte denn die erste ernsthafte Offensive meinerseitsabermals nicht sehr glorreich für mich geendet. —
Im Frühjahre 1807 ward ganz Schlesien von feindlichen Truppenüberschwemmt; die Festungen Glogau, Schweidnitz, Brieg hatten ihreThore sogleich, Breslau und Neiße erst nach ernsterem Widerstände ge-öffnet. Nur Silberberg, Cosel und Glatz behielten preußische Garniso-nen. Silberberg war strategisch unbedeutend und fast unangreifbar, alsBergfeftung; Cosel wurde durch des Generals von Neumann helden-mütige Vertheidigung dem Könige erhalten, und bei Glatz mußten erstdie Bedeckungstruppen besiegt werden, welche in einem wohl verschanztenLager sich vor der Festung aufgestellt hatten.
Ende Juni, kurz vor der Bekanntmachung des Tilsiter Friedens, wurdeeine Menge preußischer Gefangener durch Breslau transportirt. Ich fandunter ihnen meine fünf Kadetten-Kameraden, welche mit mir Kalisch beiNacht und Nebel verlassen und mit dem Fürsten Pleß ihren ersten Kampffür Preußens Ehre bestanden hatten. Aber in der eben verlebten un-