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glücklichen Johannisnacht war das feste Lager bei Glatz von den Barernüberfallen und die letzte Truppenmacht im schlesischen Vaterlande vernich-tet worden. Dort hatten sie mitgefochten. Einige von ihnen waren leichtverwundet; Alle hülflos. Ich theilte meine kleine Baarschaft mit, undwir bejammerten und beweinten im kindlichen Unmuthe und Wehgefühledas traurige Geschick unsers Königs und Preußens scheinbaren Unter-gang. — Jene Zeit gab wenig Stoff zu Heldenepopöen. —
Beinahe zwei Jahre vergingen nun, ohne daß ich regelmäßigen Lehr-unterricht empfing, oder irgend eine geordnete Beschäftigung, für Knabenmeines Alters so höchst wichtig, führte. Ohne den natürlichen Hang zumpassiven Verweilen, vul^o Trägheit genannt, und eine, bereits genom-mene, bestimmte Richtung für den Soldatenftand, welche mir ein dreijäh-riger Aufenthalt in Kalisch gegeben hatte, würde ich gewiß ausgeartetund von der Bahn, welche das Geschick mir angewiesen, abgekommen sein.An meinen Pflegevater wollte ich nicht schreiben; ich schämte mich.
Im März 1809 wurde ich endlich in Glatz bei der Artillerie alsBombardier angestellt; mein älterer Bruder, schon seit dem Jahre 1804in derselben Waffe dienend, erhielt fast am Tage meines Eintritts sei-nen nachgesuchten Abschied, so daß ich, figürlich gesprochen, unmittelbarin seine Stelle einrückte.
Der unglückliche Frieden hatte, wie bekannt, die Effektivstärke der preu-ßischen Armee nur auf 40,000 Mann festgestellt, welche geringe Zahldennoch die Formation von 3 Artillerie-Brigaden L 12 Fuß - und 3 rei-tenden Compagnien, zuließ. Diese Brigaden wurden nach den Provin-zen genannt, und so stand ich denn bei der schlesischen Artillerie-Bri-gade, die der durch seine wissenschaftlichen Experimente in dieser Waffemehr noch, als durch seine spätern Kriegsthaten bekannt gewordene Ge-neral von B. als Major interimistisch befehligte. Er war zugleich
Commandant von Glatz, und der Hauptmann von H..., ein zu seinerZeit tüchtig und ausgezeichnet bewährter Offizier der reitenden Artillerie,mein Compagnie-Chef. — Ich bin in spätern Jahren oft und unterden verschiedenartigsten Verhältnissen nach dem lieben Glatz gekommen,