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1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
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und jedesmal besuchte ich mit einer Art soldatischer Pietät den Ort amengen Thore, wo der Weg gleich rechts und jählings bergab nach demalten unansehnlichen Militair-Gebäude führt, in welchem ich meine erstenDienstjahre als Artillerist verlebte.

Nach einigen Monaten strenger Erercirzeit wurde mir gestattet, meineVerwandten in dem nahen Neiße zu besuchen. Mit Wonnegefühlen in derBrust, auf derselben die unnatürlich hohe Wattirung, Tribut der Mode je-ner Tage, den schwerbepackten Tornister übergehangen und den Pallaschklappernd und schlotternd zwischen den Beinen, denn dies gehörte eben-falls zum Bombardier-Comment, so passirte ich bei Sonnenaufgang dasgewölbte dunkle Thor. Ich befand mich jetzt zum ersten Male allein,bewaffnet und für die nächste Woche mein eigener Herr. Dieser Ge-danke gab meinem Schritte unwillkührlich eine militairisch stolze Haltungund Lgäeiroe; auch lächelten manche von den, zum Markte vorüber-eilenden, schmucken Bauerdirnen. Es mochte ihnen der kleine und, wieeben gesagt, übermäßig ausgepolsterte Soldat, mit seinem kecken Eingriffein ihre natürlichen Vorrechte und mit seiner Selbstgefälligkeitsmiene, ge-wiß eine gar drollige Erscheinung sein.

Es waren schon die Halbschatten hereingebrochen, ehe ich das Zielmeines Marsches erreicht hatte. Noch mußte vorher ein einsames Wäld-chen und ein Hohlweg passirt werden. Und dort am unheimlichen Kreuz-wege stand eine große weiße Gestalt mit beiden Händen drohend, mirgleichsam den Eingang verbietend. Ob Mensch oder Gespenst, konnteich in meinen, mit der Dunkelheit sich etwas verwirrenden Begriffennicht durch die Sinne unterscheiden, noch konnte ich mir im Geiste klardie Unmöglichkeit des Letztem denken. Hier galt's also die erste ernsteProbe abzulegen, ob ich der preußischen Waffe, bei dem durch nichtsgehinderten Gebrauche, mich werth zu machen verstände. Ich war un-belauscht, und Dunkel hätte meine That umhüllt; auch schwankte ichwirklich einige Augenblicke, ob vor- ob rückwärts. Da fuhr es,wie ein Blitz, in meine jugendliche Seele, und des Vaters letzte strengeWorte drangen in mein Gedächtniß; ich zog mechanisch den Pal-lasch und ziemlich festen Trittes nahte ich mich dem Unholde. Es wareine steinerne Figur, betend vor einem Christusbilde, wie man solche in