Buch 
Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
Entstehung
Seite
7
JPEG-Download
 

Einleitung.

7

gesetzlichkeit und Bedrückung ist eine der edelsten und heilsamsten Nei-gungen in der Geschichte des englischen Volks. Gegen die eingesetzte Ge-walt, wenn sie den Gesetzen gemäß handelt, sügfam und ihr selbst geneigt,behauptet es gegen dieselbe kühn das, was es für das Gesetz des Landesund sein eigenes Recht hält. Beide Theile waren bei allen ihren Mei-nungsverschiedenheiten von diesem Gefühle beseelt. Die revolutionärePartei kämpfte gegen die Ungesetzlichkeiten und Bedrückungen, die Eng-land von Seiten des Königs in der Vergangenheit erlitten hatte und diees von ihm in der Zukunft fürchtete. Die monarchische stritt gegen dieUngesetzlichkeiten und Bedrückungen, die das Parlament in der Gegen-wart dem Lande auferlegte.

Ueberall herrschte im Grunde der Gemüther die Achtung vor dem,wenn auch täglich verkannten und verletzten, Rechte und Gesetz, und ver-hüllte ihnen die Leiden und Uebel, welche der Bürgerkrieg in seinem Ge-folge haben sollte.

Weder in der einen noch in der andern Partei stand der Bürger-krieg in starkem Widersprüche mit den Sitten. Die Cavaliere warenaufbrausend und rauh und noch den die Zeiten des LehnsstaateS charak-terisirenden Gewohnheiten des Kampfes, der stürmischen Neigung ihreZuflucht zur Gewalt zu nehmen, ergeben. Die Puritaner waren herb undzäh und mit den Leidenschaften und Erinnerungen des jüdischen Volkes,welches, indem es seine Feinde schlug, seinen Gott vertheidigte und rächte,genährt. Beide waren mit dem Tode vertraut und das Vergießen mensch-lichen Blutes flößte ihnen keinen Abscheu ein.

Die Explosion wurde noch durch einen andern verborgener liegen-den Grund hervorgerufen und verstärkt. Die politischen und religiösenParteien standen einander nicht allein im Streite gegenüber. Ihr Kampf> verhüllte eine sociale Frage, den Kampf der verschiedenen Klaffen umEinfluß und Macht.

Allerdings waren diese Klaffen in England nicht wie anderwärtstief von einander gespalten und gegen einander feindlich gesinnt; die gro-ßen Barone hatten die Freiheiten des Volkes zugleich mit ihren eigenenbehauptet, und das Volk vergaß ihnen das nicht. Der Provinzialadel unddie Bürger der Städte tagten im Namen der Gemeinen von Englandgemeinschaftlich seit drei Jahrhunderten im Parlament. Seit einemJahr-Hunderte hatten aber im Schoße der Gesellschaft große Veränderungenin der relativen Kraft der verschiedenen Klassen stattgefunden, ohne daßauch in der Regierung analoge Veränderungen eingetreten wären. Diecommercielle Thätigkeit und der religiöse Enthusiasmus hatten in derMittelklasse dem Reichthums und den Ideen einen wunderbaren Schwung