Einleitung.
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Umstände oder seiner eigenen Lage stark bewegt wurde. Es kostet übri-gens wenig Ueberwindung, demüthig zu sprechen und sich das WerkzeugGottes zu nennen, wenn Gott sein Werkzeug zum Herrn von Nationengemacht hat. Weder die Macht noch der Stolz Cromwells brauchtenunter seiner Demuth zu leiden.
Je größer seine Stellung wurde, desto mehr wuchs auch sein Ehr-geiz und trug ihn über seine Stellung hinaus. Bei aller Demuth seinerRedeweise ließ er zuweilen in seinen Handlungen doch Blitze der Sou-veränität hindurchschimmern. Er hatte auf dem Schlachtfelds von Wor-cester den Wunsch gehabt, zwei seiner tapfersten Generale, Lambert undFleetwood mit eigner Hand zu Rittern zu schlagen und gab dies nuraus die Bemerkung, daß es ein königliches Recht sei, mit Unmuth auf.An dem Tage, wo er im Triumph in London einzog, trug sein Gesichtauf der Straße bei dem Beifallsrufe des Volkes einen solchen Ausdruck,daß ein Mann, der ihn gut kannte, der Jndcpendentenprediger HughPeters, als er ihn vorüberreiten sah, sagte: „Cromwell wird sich zuunserm Könige machen." Er hatte die Republik gerettet und ihr zweiKönigreiche unterworfen; es war ihm jetzt in der Ferne und durch dieWaffen nichts mehr zu thun übrig, er blieb, mächtig und unthätig inLondon, wo er unablässig von seinen Offizieren und Soldaten besuchtund zum Mittelpunkte aller Unzufriedenheiten und Hoffnungen wurde;gegenüber dem republikanischen Parlamente, einer der größten Theilsihrer Glieder beraubten Versammlung, in der täglich kaum sechzig bisachtzig Mitglieder zugegen waren, von denen sich Einige ernstlich mitden öffentlichen Angelegenheiten, der Seemacht, dem Kriege gegen Hol-land, den in den Gesetzen beabsichtigten Reformen beschäftigten, dieMeisten aber in ihrer Größe klein geblieben, erbärmlichen Leidenschaften,schmählichem Eigennutze ergeben waren, alle Aemter für sich oder ihreVerwandten an sich rissen, ihre Macht zur Beförderung ihrer Glücks-umstände, im Dienste ihres Hasses und untergeordneter Zänkereien be-dienten, einer täglich egoistischer, isolirter, verhaßter werdenden Coterie,die dem Lande weder Ruhe, noch Freiheit, noch Aussichten für die Zu-kunft gewährte, sich dessenungeachtet aber entschlossen zeigte, die souveraineMacht zu behaupten, als ob das Heil Englands, die ewige Dauer einerso erbärmlichen Regierung hätte erfordern können.
Cromwell zauderte und wartete lange. Er hatte im Augenblickeseines Triumphes, bei der Wiedereinnähme seines Sitzes im Parlamente,den Kampf begonnen. Seine Waffen waren zwei große volksthümlicheFragen: eine allgemeine Amnestie, welche verkündete, daß der Bürger-krieg zu Ende sei, und ein Wahlgesetz, um die Art und Zeit der Ein-berufung eines neuen Parlaments zu bestimmen. Diese beiden Maß-