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Einleitung.
regeln waren seit langer Zeit im Vorschlag, aber in den Ausschüssenvergraben geblieben, um nur zweilen an kritischen Tagen wieder als Ködervorgenommen zu werden. Cromwell wußte durch seinen Einfluß zubewirken, daß sie ernstlich ausgenommen und berathen wurden. DieAmnestie wurde nach fünf Monaten und einer Menge von Versuchen zubesonders pekuniären Beschränkungen, die von Cromwell, der zu verständigwar, um fich einer nutzlosen Feindseligkeit hinzugeben, und sich in allenParteien Anhänger und persönliche Freunde zu verschaffen bemühte, stetsund mit Erfolg zurückgewiesen wurden, erlassen. Aber die entscheidendeMaßregel, das Wahlgesetz, blieb immer noch unentschieden. Cromwelldrang auf sie, jedoch ohne zu großen Eifer, und eher um den hartnäcki-gen Egoismus der Parteiführer des Parlaments an den Tag treten zulassen, als um zu einem schnellen Ausgange zu gelangen. Er selbst befandsich in großer Verlegenheit. Durch welche plausible Mittel war es mög-lich, das Parlament selbst zur Auflösung zu nöthigen? Welches Resul-tat konnten die neuen Wahlen haben? Und würden selbst neue Wahlenhinreichend sein, um der Regierung wieder aufzuhelfen und sie fest zubegründen? War der Versuch einer Republik ein glücklicher? War nichtdie Monarchie den Gesetzen, Gewohnheiten, Gefühlen und permanentenInteressen des Landes immer noch angemessener? Wenn es dieselbewollte, wenn es derselben bedurfte, wie war sie ihm dann zu geben?und in welchem Maße? und welche Monarchie? — Cromwell stelltediese Fragen nicht nur in vertrauten Gesprächen mit einigen bedeutendenMännern auf, sondern auch in Besprechungen worin er Offiziere derArmee mit Mitgliedern des Parlaments zusammenbrachte. Er wurdedurch deren Antworten nicht zufriedengestellt. Die Offiziere beharrtendarauf, Republikaner zu bleiben, die zur Monarchie geneigten Volks-vertreter wollten von keiner andern als der alten etwas wissen undriechen Cromwell, Unterhandlungen zu ihrer Wiederherstellung mit der-selben anzuküpfen. Er pflegte dann das Gespräch abzubrechen, um späterwieder darauf zurückzukommen, wobei er dem Anscheine nach gefügig,im Grunde aber von zügellosem Ehrgeize, bald offen bis zur Dreistigkeit,um Andere in seine Pläne mit fortzureißen, bald falsch bis zur Unver-schämtheit war, um sie ihnen zu verbergen. Diese Intriguen brachtenihm wenigstens immer den Vortheil, das Heer immer stärker in seinenKamps mit dem Parlamente zu verwickeln. Der Sektengeist war in derArmee immer noch mächtig und der militärische hatte sich in ihr kräftigentwickelt. Die Leidenschaften des Fanatikers und die Interessen desSoldaten vereinigten sich und hielten sich gegenseitig darin aufrecht.Cromwell beutete diese aus und regte sie unablässig gegen das Parlamentan. Welche Sünde, daß der Sold der Sieger so schlecht gezahlt wurde