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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

durch die Erinnerung an die Uebel und die Abneigung gegen die Wir-ren, welche den Sturz der anglikanischen Kirche nach sich gezogen hatten,derselben anhänglich oder wieder zugeführt wurden, theils zu den Dis-sidentensektcn gehörten, welche die Kirche heftig genug, um ihren Reli-gionseifer zu erhöhen, aber nicht genug, um diesem einen Todesstreichzuzufügen, wieder zu verfolgen begann. Mitten unter ihren Kämpfenund ihrem gegenseitigen Haß übten die Kirche und die Sekten einen heil-samen Einfluß aus einander aus, erhielten sich gegenseitig in der FurchtGottes und seiner Gesetze, in der steten Beschäftigung mit den ewigenInteressen des Menschen und derJnbrnnst und Thätigkeit des Glaubens.

So fehlte es der wiedererrichteten Monarchie in der Masse desVolkes nicht an moralischen Grundlagen und sie fand um den Thronher unter den Klassen, welche durch die Gewohnheiten ihres Lebens derMacht genähert werden, die politische» Stützen, deren sie bedurfte.

Zwei gefährliche Feinde, der Geist der Revolution und der derReaktion waren die einzigen, welche so viele günstige Umstände zunichtemachen und die Monarchie von Neuem auf das Spiel setzen konnten.

Der Revolutionsgeist überlebte seine Niederlage und selbst seineerwiesene Ohnmacht sehr lange. Von den beiden revolutionäre» Parteien,die England beherrscht hatten, der Republik und Cromwell, verschwanddie letztere vollständig, so vollständig, daß die Söhne des Protectorsin Frieden und vergessen in ihrem Vaterlande sterben konnten. Dierepublikanische Partei fuhr fort zu exiftiren, ohne für ihre eigne Sacheetwas zu versuchen, fast ohne etwas zu hoffen, nahm aber glühend anjedem Haß, an allen Komplotten gegen die bestehende Regierung Theil,und suchte und fand unablässig unter den verfolgten Sekten, besondersin Schottland, Insurgenten und Märtyrer. Selbst unter den, jedemrepublikanischen Bedauern und Wunsche fremden, legalen Oppositions-parteien blieben die revolutionären Ideen und Gewohnheiten mächtig.Mit den geduldigen Kämpfen und unerläßlichen Mühen der konstitutio-nellen Monarchie unverträgliche Theorien und Leidenschaften erfülltendie Geister und Herzen selbst der Aufgeklärtesten; selbst die Gemäßigstcnsahen auf die Möglichkeit neuer Revolutionen und glitten ihnen mit ei-ner Leichtigkeit zu, welche jede beständige und gesetzliche Ordnung aus-schließt. Das ertödtete, aber nicht ausgestoßene revolutionäre Gift liesnoch in den Adern eines großen Theiles der englischen Nation um, underhielt sie in einem, von Hindernissen und Gefahren für die Macht er-füllten Zustande politischer Trunkenheit.

Der Reaktionsgeist, die Krankheit der siegenden Parteien, nährte'den der Revolution unablässig. Man darf freilich nicht alle Vorwürfeglauben, mit denen die Geschichte aus diesem Grunde die Cavaliere und