Einleitung.
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die Kirche von England verfolgt: die lange souverän gewesenen undendlich in ihrem Laufe angehaltenen Revolutionen machen den anmaßen-den Anspruch, daß die von ihnen begangenen Sünden unverletzt bleibensollen; man soll sich damit begnügen, von nun an deren schädliche Machtzu zügeln, und sie belegen jede Verbesserung der von ihnen bewirktenUebel mit dem Namen der Reaktion.
Von den unter der Regierung KarlsII. zur Abhülfe des von denRoyalisten, den Laien sowohl wie den Geistlichen, erlittenen Unrechts ge-troffenen Maßregeln, waren mehrere nur eine natürliche und nothwen-dige Rückkehr zu dem verletzten Rechte. Aber solche Reaktionen habenGrenzen, welche der gesunde Menschenverstand der Politik der Regierun-gen und dem Interesse der Parteien selbst verzeichnet. Man kann nichtein Unrecht durch das andere wieder gut machen. Man macht den Revo-lutionen nicht durch Aufreizungen Und Rache ein Ende. Jede Genug-thuung, welche einen solchen Charakter annimmt, verliert ihr Recht undwird zu einer schweren Gefahr für die Sache, welcher sie dienen will. Be-sonders die religiöse Reaktion versank unter Karl II indiesebeklagenswer-then Ausschweifungen, es war nicht blos ein Schadenersatz für die Be-schwerden und Uebel, welche die anglikanische Kirche erlitten hatte, son-dern auch eine rachsüchtige Verfolgung der anders denkenden Sekten, einWortbruch gegen die Gemäßigtsten dieser Sekten, denen der König beiseiner Rückkehr feierlich die Freiheit versprochen hatte. Karl suchte zuwiederholten Malen sein Wort zu halten und den Dissidenten Duldungzu sichern; die Religionsverfolgung widerstrebte seinem gesunden Ver-stände, der Milde seiner Sitten, seiner Gleichgiltigkeit in Regierungs-sachen, seiner geheimen Neigung für die Katholiken. Aber seine schwa-chen und kalten Anwandlungen von Gerechtigkeit gaben bald dem hart-näckigen Haße der Geistlichkeit und dem Drängen der Leidenschaften desVolkes nach. Die royalistische Partei schloß sich verblendet oder mit fort-gerissen , dieser Reaktion in und außer dem Parlamente fast ohne Aus-nahme an. Nach 1660 war die Reaktion der Laien beschränkt und vonkurzer Dauer; die auf einen Augenblick unterdrückte kirchliche brach baldaus das Heftigste aus, wurde, je länger sie anhielt, desto schlimmer, undhatte die meisten von den Gefahren und Fehlern, ja, ich möchte sagen,von den Verbrechen, in welche Karl II. und seine Regierung versanken,zur Folge.
Aber diese, wenn auch ernsten und traurigen Fehler und Gefahrenbesaßen im Grunde doch für die englische Monarchie und Gesellschaftnichts Drohendes, oder die Lebensbedingungen derselben Verletzendes.Wenn man die Ereignisse in ein Ganzes zusammenfaßt, so war Eng-land nicht mehr von dem Geiste der Revolution erfüllt, und nicht von