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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

dem der Reaktion beherrscht. Dem englischen Volke ist seit seiner großenrevolutionären Krisis von 1640 bis 1660 das Glück und Verdienst zuTheil geworden, daß es die Erfahrung begriffen und sich nie den äußer-sten Parteien hingegeben hat. Inmitten der heftigsten politischen Kämpfeund selbst Gewaltthätigkeiten, in die es seinen Führern bald gefolgt ist,bald diese gedrängt hat, ist es selbst in den kritischsten und entscheidendstenLagen, nie von der festen Verständigkeit verlassen worden, welche darinbesteht, die wesentlichen Güter, welche man bewahren will, zu erkennen,und sich unabänderlich an dieselben zu heften, indem man die sie beglei-tenden Unbequemlichkeiten erträgt, oder den Wünschen, welche ihnenschaden könnten entsagt. Von der Regierung Karls Ik. an hat diesergesunde Menschenverstand, welcher die politische Intelligenz der freienVölker ist, die Geschicke Englands geleitet. Drei große, noch unklareund unvollständige, aber unwiderrufliche Resultate, die für die Wünschewie die allgemeinen Interessen des englischen Volkes die einzigen wesent-lichen waren, hatten die von demselben bestandene Revolution überlebt.

Das Königthum konnte sich nicht mehr von dem Parlamente tren-nen. Die Sache der Monarchie war gewonnen, die der absoluten Monar-chie verloren. Theologen und Philosophen, wie Filmerund Hobbes konn-ten die absolute Gewalt als Dogma aufstellen oder im Prinzipe aufrechterhalten, ihre Ideen konnten in Schriften und Gesprächen den Beifalloder Zorn der wissenschaftlichen oder Parteimänner erregen; der prak-tischen Denkweise der Nation nach, war die Frage ausgemacht; dieNoya-listen wie die Revolutionäre betrachteten die innige Verbindung und ge-genseitige Ueberwachung der Krone und des Parlaments als das Rechtund Bedürsniß des Landes.

Das Haus der Gemeinen hatte «le kuvto im Parlamente dieOberhand. Es handelte sich nicht mehr um die direkte Souveränetät; die-ser revolutionäre Grundsatz war verschrieen und verdammt. Die Kroneund das Haus der Lords hatten wieder von ihren Rechten und ihremRang Besitz genommen, sie waren aber zu gewaltig besiegt und zu Bo-den geworfen worden, um ihre alte Ueberlegenheit, selbst durch den Sturzihrer Feinde, wieder erlangen zu können und weder die Fehler noch dieNiederlagen des Hauses der Gemeinen vermochten seine furchtbarenSiege gänzlich ungeschehen zu machen. Die zur Oberhand gelangte roya-listische Partei erbte in ihren Beziehungen zur Krone und Staatsver-waltung die wesentlichen Errungenschaften des langen Parlaments. DieVerwirrung mußte lange anhalten und oft heftig werden, ehe die ver-schiedenen Parteien, die Torys wie die Whigs, die Regierung wie dieOpposition, diese Errungenschaften gut anzuwenden, Bedeutung und Um-fang derselbenrecht zu verstehen und die mühevoll herzustellende Harmonie