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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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47
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Einleitung.

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zwischen den großen öffentlichen Mächten, welche den Vorzug wie dieSchwierigkeit der konstitutionellen Regierung bildet, ausrecht erhaltenlernten. Aber bei allen Tastversuchen dieser Lehrzeit und trotz oft damitim Widersprüche stehender Erscheinungen oder Formen, war der über-wiegende Einfluß des Hauses der Gemeinen auf die öffentlichen Angele-genheiten von der Regierung Karls II. an, eine immer stärker zu Tagetretende und gesicherte Thatsache.

Neben, oder vielmehr über diesen beiden politischen Thatsachen stelltesich die ebenfalls von der Revolution durchgeführte religiöse, die vollstän-dige und entschiedene Herrschaft des Protestantismus in England, auf.Die englischen Protestanten waren allerdings noch nie in erbittertererUneinigkeit gewesen, und Bossuet konnte sich mit gutem Rechte die stolzeFreude machen, ihre Spaltungen und Kämpfe zu betrachten und zumalen. Aber diese nach allen Richtungen hin auseinander gehenden Sek-ten wurden durch gemeinsamen Glauben und gleiche Leidenschaften ver-bunden. Mitten unter ihren eigenen Kämpfen bekannten sie sich mit glei-cher Inbrunst zu dem Evangelium und bekämpften den Katholicismus,alle mit gleichem Eifer, und die unabläßig von ihnen und unter sich ver-kannte und unterdrückte Gewissensfreiheit war ihnen Allen gegen dierömische Kirche gleich theuer und unwiderruflich von ihnen wieder er-rungen.

Dies war Alles, was das englische Volk in seinen lauten odergeheimen Gedanken von dem alten Königthume forderte, dessen Rück-kehr es, entschlossen, lange die Fehler einer Regierung zu ertra-gen, welche es durch die Verbürgung dieser drei Resultate der von ihmbestandenen Revolution vor jeder neuen bewahren würde, mit Entzückenbetrachtete.

Aber gerade dies war es, was weder Karl II. noch Jakob II. er-füllen konnten oder wollten.

In Bezug auf die Politik war Karl II. zu verständig und zugleichgiltig. um die absolute Macht zu suchen oder zu üben. Er kümmertesich um nichts als sein Vergnügen, liebte die Macht nur um sein Lebenzu genießen und ließ sich gern auf Unterhandlungen und schonende Rück-sichtSnahmen ein, um die Gefahren aufs Aeußerste gehender Kämpfe vonsich fern zu halten oder deren Aergernisse zu ersparen. In seinem In-nern schätzte und liebte er aber nur die absolute Monarchie. Er hattedie Unannehmlichkeiten der Institutionen seines Vaterlandes erlitten undderen Verirrungen und Unzulänglichkeiten mit angesehen, und dagegenden Glanz des Hofes Ludwig XIV. und die Kraft seiner Regierung inder Nähe betrachtet. Aus diese war seine Bewunderung und sein Ver-trauen gerichtet; daher kam seine Neigung, gegen Ludwig XI V. in eine