Buch 
Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
Entstehung
Seite
79
JPEG-Download
 

1. Buch.

Zustände und Gesinnungen in England,

79

gierung Elisabeths. Heinrich vollendete, nachdem er zum Haupt der Kircheund Besitzer ungeheurer Güter geworden war, die er mit freigebigerHand an diejenigen Familien vertheilte, deren neue Größe er gründete,oder deren verfallene er wieder erhob, die Verwandlung der Barone inHöflinge. Diese Verwandlung wurde unter Elisabeth vollkommen. AlsWeib und Königin sagte ein glänzender Hof ihrem Geschmacke zu undunterstützte ihr Ansehen. Der Adel drängte sich enthusiastisch, und ohnedie Unzufriedenheit des Volkes zu sehr zu erregen, herbei. Es war eineseltene Lockung, sich einem volksbeliebten Souverain hingeben und durchIntriguen und unter Festlichkeiten um die Gunst einer Königin,welche die Liebe des Landes besaß, bewerben zu können. Die Grundsätze,die Formen, die Redeweise, und oft selbst das Verfahren der reinen Mo-narchie wurden einer für die Nation nützlichen und ruhmvollen Regierungverziehen; unter der Zuneigung des Volkes verschwand die Servilitätder Höflinge, und bei einem Weibe, dessen Gefahren alle zugleich Ge-fahren des Staates waren, schien eine unbegrenzte Hingebung dem AdelGesetz, dem Protestanten und Bürger Pflicht.

Die Stuarts konnten nicht verfehlen, weiter auf dem Wege fort-zuschreiten , welchen seit der Regierung der Tudors das englische König-thum eingeschlagen hatte. Jakob I. hing als Schotte und Sprößlingder Guisen, sowohl durch die Erinnerungen seiner Familie, wie dieSitten seines Vaterlandes, an Frankreich, und war gewohnt, seineVerbündeten und Vorbilder dort zu suchen, wo sonst die englischen Für-sten nur Feinde zu sehen pflegten. Er zeigte also bald, daß er, selbstnoch tiefer als Elisabeth und Heinrich VIII. , von den Grundsätzendurchdrungen war, welche damals in Europa die reine Monarchie be-gründeten ; er bekannte sich mit dem Stolze eines Theologen und derSelbstgefälligkeit eines Königs zu ihnen und widersprach bei jeder Ge-legenheit durch den Prunk seiner Erklärungen der Furchtsamkeit seinerHandlungsweise und den Grenzen seiner Macht. Wenn Jakob zuweilengenöthigt wurde, durch direktere und einfachere Gründe die Maßregelnseiner Regierung, seine willkürlichen Einkerkerungen oder ungesetzlichenSteuererhebungen zu vertheidigen, so berief er sich aus das Beispiel desKönigs von Frankreich oder Spanien.Der König von England," sag-ten seine Minister im Hause der Gemeinen,darf nicht niedriger stehen,als Seinesgleichen." Und der Einfluß, der in dem Königthum desKontinents vorgegangenen Revolution war selbst in England so groß,daß die Gegner des Hofes von dieser Sprache verblüfft, beinahe über-zeugt wurden, daß die Würde der Fürsten verlangte, daß sie gleicheRechte besäßen und nicht wußten, wie sie diese nöthige Gleichheit derKronen mit den Freiheiten ihres Vaterlandes in Einklang bringen sollten.