2. Buch,
Zweiter schottischer Krieg.
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i Kräfte und Gefahren verblendet. Er hatte einen Rückhalt, der ihn dem
a Tode nahe brachte, aber seine körperliche Kraftlosigkeit ließ die Strenge
) seiner Rathschäge nur noch wachsen, und sobald er sich aufrecht erhalten
konnte, reiste er mit demKönige zu dem schon an derGrenze von Schott-land versammelten Heere, dessen Oberbefehl er übernehmen sollte, ab.
Unterwegs erfuhr er, daß die Schotten die Offensive ergriffen, in' England eingedrungen seien (21. Aug. 1640), und bei seiner Ankunftin Dort, daß sie bei Newbnrne das erste englische Armeecorps, welches! sie auf ihrem Wege getroffen, geschlagen hätten. Beide Ereignisse wa-
f reu nicht blos das Werk der Schotten. Während des Waffenstillstan-
! des waren ihre Commissäre in London mit den Häuptern der Unzufrie-
^ denen in eine enge Verbindung getreten, und diese halten sie ermähnt,
! wenn der Krieg wieder anfinge, Plötzlich in England einzufallen, wo sie
ihnen die Unterstützung einer zahlreichen Partei versprachen. Es wurdesogar ein Bote nach Schottland geschickt, der, um den Schotten mehrMuth einzuflößen, in einem hohlen Stocke ein von sechs der vornehmstenEdelleute Englands unterzeichnetes Hilfsversprechen überbrachte, dessenUnterschriften aber von Lord Saville, dem einzigen anerkannten Führerdes Komplottes, gefälscht waren. Lord Saville, ein Mann, der allge-mein verachtet war, hatte sich nur von dem leidenschaftlichen Hasse ge-gen Strafford zu dieser frechen Intrigue hinreißen lasse»; alle Umständesprechen aber dafür, daß auch einflußreichere und aufrichtigere Vater-landsfreunde daran Theil hatten. Sie täuschten sich nicht über dieStimmung des Volkes. Kaum war das Parlament aufgelöst, als auchder Widerwille gegen den Krieg von allen Seiten ausbrach. In Lon-don forderten Plakate die Lehrlinge aus, aufzustehen, und Laud, denUrheber so vieles Bösen in Stücke zu reißen. Sein Palast wurde voneiner wüthenden Volksmenge gestürmt und er selbst gezwungen, inWhitehall Zuflucht zu suchen. Die St. Paulskirche, wo der geistliche Ge-richtshof war, wurde von einer andern Bande unter dem Geschrei: „KeineBischöfe! keine geistlichen Gerichtshöfe mehr!" erbrochen. In den Graf-schaften war die Rekrutirnng nur mit Gewalt durchzuführen. Um ihrzu entgehen, verstümmelten sich Viele. Einige hingen sich sogar. Dieje-nigen, welche ohne Widerstand gehorchten, wurden auf den Straßeninsultirt und von ihren Familien und Freunden als Feiglinge behandelt.In ihren "Corps fanden sie die gleichen Gefühle, welche sie dorthinbrachten. Mehrere Offiziere, die im Verdacht des Papismus standen,wurden von ihren Soldaten getödtet. Sobald das Heer den Schottengegenüberstand, verdoppelte sich die Insubordination und das Murren.Es sah den Covenant auf seine Fahnen geschrieben in der Luft flattern,es hörte die Trommel zur Predigt rufen und sein Lager bei Sonnenaus-
Guizot, 10