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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Zweiter schottischer Krieg.

2. Buch,

gang von Psalmen und Gebeten wiederhallen. Bei diesem Schauspiele,bei den Berichten, die ihnen von dem frommen Eifer und der freund-schaftlichen Gesinnung Schottlands für das englische Volk zukamen,wurden die Soldaten abwechselnd gerührt und entrüstet, verwünschtendiesen gottlosen Krieg und waren schon besiegt, denn sie glaubten gegenihre Brüder und ihren Gott zu kämpfen. Am Ufer des Tyne ange-kommen, verlangten die Schotten, ohne feindselige Demonstration, dieErlaubniß zum Uebergange; eine englische Schildwache gab Feuer, ei-nige Kanonenschüsse antworteten ihr; die Heere kamen kaum zum Zu-sammentreffen , das englische zerstreute sich und Strafford übernahmden Befehl; nur um sich bis Uork zurückzuziehen und die Schottenohne Hinderniß im Besitz des Landes und der Städte bis an die Gren-zen zu lassen.

Von diesem Augenblicke an war Strafford selbst besiegt. Umsonstsuchte er den Truppen bald durch Schmeicheleien, bald durch Drohun-gen andere Gefühle einzuflößen; seine Annäherungen bei den Offizierenwaren gezwungen und verhehlten kaum seine Verachtung oder seinenZorn; seine Strenge reizte die Soldaten auf, ohne sie zu erschrecken.Bald liefen aus mehreren Grafschaften Petitionen ein, um den Königanzuflehen, Frieden zu schließen. Die Lords Wharton und Howardwagten eine zu überreichen, und Strafford ließ sie verhaften, rief einenKriegsrath zusammen und verlangte, sie als Beförderer der Empörungvor der Fronte erschießen zu lassen. Das Kriegsgericht schwieg, end-lich unterbrach Hamilton die Stille.Mylord," sagte er zu Strafford,»seid Ihr auch der Soldaten sicher, wenn das Urtheil gefällt seinwird?" Strafford wendete, wie von einer Offenbarung getroffen,zitternd den Kopf ab und antwortete nicht. Sein unbeugsamer Stolzhielt jedoch seine Hoffnung noch ausrecht.Wenn der König nur einWort sagt," schrieb er an Laud, so werde ich die Schotten schnelleraus dem Lande jagen, als sie hereingekommen sind. Ich verbürge mei-nen Kopf dafür, aber der Rath müßte von einem Andern, als mir,kommen."

Karl fing nämlich schon an, ihn zu vermeiden, da er die Energieseiner Rathschläge fürchtete. Der König war in tiefe Mutlosigkeitversunken; jeder Tag brachte ihm neue Beweise seiner Ohnmacht. Esmangelte an Geld, und kein Erhebungsmittel hatte mehr Erfolg. DieSoldaten wurden meuterisch oder desertirten schaarenweise. Ueberallregte sich das Volk und wartete ungeduldig aus die geahnte Entwicke-lung. Der Verkehr mit den Schotten knüpfte sich um den König herin seinem Lager, ja selbst in seinem Hause wieder an. Diese, die inihren Handlungen stets klug, in ihrer Sprache stets bescheiden waren,