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Versuche ihn zu stürzen.
5. Buch.
Die beiden Rechtsgelehrten betrachteten einander während man aufihre Antwort wartete. Nach einigen Augenblicken des Schweigens sagteWhitelocke: „Da Niemand das Wort nimmt, will ich versuchen, um Sr.Excellenz meine Ehrfurcht zu beweisen, bescheiden und freimüthig meineAnsicht über die Fragen, welche uns der Lordkanzler so klar vorgelegthat, auszusprechen. Das Wort Inoeinlisrx hat bei uns dieselbe Be-deutung wie im schottischen Reiche, ob aber der Generallieutenant Crom-well diesen Namen verdient, kann man nur durch den Beweis erfahren,daß er wirklich etwas gethan und gesagt hat, um Zwietracht zwischen denbeiden Reichen oder Verwirrung unter uns zu erregen. Sicherlich wer-det weder Ihr, Mylord General, noch Ihr, Mylords schottische Kom-missäre, bei Eurer erhabenen Würde und Macht, irgend eine Angelegen-heit oder eine Anklage unternehmen ohne des Erfolges sicher zu sein.Nun ist aber der Generallieutenant Cromwell ein Mann von kühnem,talentvollem Geiste und an Auskunftsmitteln fruchtbar; er hat beson-ders in der letzten Zeit im Unterhause großen Einfluß erlangt; es wirdihm im Oberhause weder an Freunden noch an Geschicklichkeit man-geln, um ihn zu unterstützen. Ich habe weder Se. Excellenz, noch denMylord Kanzler, noch irgend eine andere Person eine Thatsache bezeich.nen hören, die dem Hause beweisen könnte, daß der Generallieutenantwirklich ein Inveneliary sei, noch ist mir selbst eine solche bekannt. Ichzweifle also sehr, ob es klug sein wird, ihn als solchen anzuklagen; manmüßte zuerst, wie es mir scheint, alle Nachweisungen über ihn sammeln,die man sich nur verschaffen könnte, und dann können uns Ew.Herrlichkeiten,wenn sie es für gut erachten, von Neuem berufen, wir werden ihnen unsereAnsicht sagen und sie sich entscheiden, wie sie es für zweckmäßig errachten."
Maynard sprach wie Whitelocke und fügte sogar hinzu, daß dasWort Inoenilinr^ in den englischen Gesetzen wenig gebräuchlich sei undzu vielen Zweifeln Anlaß geben würde. Holles, Stapleton und Mer-rick beharrten mit Lebhaftigkeit auf ihrem Vorhaben, indem sie sagten,daß der Einfluß Cromwcll's im Hause nicht so bedeutend sei, daß sie esübernehmen wollten ihn anzuklagen und Umstände und Worte anzufüh-ren, die, wie sie sagten, seine Absichten klar an den Tag legen würde»,aber die schottischen Commissäre weigerten sich auf einen solchen Kampfeinzugehen. Gegen zwei Uhr Morgens entfernten sich Maynard undWhitelocke und die Conferenz hatte kein anderes Resultat als Cromwellzu bewegen, seine Streiche schneller zu führen, denn „ ein falscher Bru-der" sagt Whitelocke, wahrscheinlich Whitelocke selbst, „benachrichtigte ihnvon dem was vorgegangen war".
Effex und seine Freunde suchten ein anderes Hilfsmittel für ihrUebel; alle ihre Gedanken wendeten sich dem Frieden zu. DaS Parla-