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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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5. Buch.

Unterhandlungsversuche.

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ment hatte nie gänzlich aufgehört, sich damit zu beschäftigen; bald führteein förmlicher Antrag Berathungen herbei, worin nur wenige Stimmen,mitunter blos die Stimmen des Sprechers allein, über das Leos desLandes entschieden, bald boten die Gesandten von Frankreich und Hol-land die unablässig zwischen Oxford und London hin und her reisten, ihreselten aufrichtig gemeinte und stets, wenn auch nicht ohne Verlegenheit abge-wiesene, Vermittelung an. Der Friede wurde von so Vielen gewünscht,daß Keiner sich ihm offen feindlich zu beweisen wagte und seit mehr alssechs Monaten arbeitete ein Ausschuß von Mitgliedern der beiden Häu-ser und schottischen Kommissären daran, Vorschläge dazu auszuarbeiten.Plötzlich begann die presbyterianische Partei auf Beschleunigung dieserArbeit zu dringen; in wenigen Tagen wurden die Vorschläge den beidenHäusern überreicht, berathen und angenommen und am 20, Nov. reistenneue Kommissäre ab, um dieselben dem König zu überbringen. Sie glaub-ten, daß er sich in Wallingford befinde und begaben sich dorthin. Nach-dem sie aber zwei Stunden laug unter Chikanen über ihre Sendung,ihren Geleitsbrief und ihr Gefolge vor den Thoren aufgehalten wordenwaren, sagte ihnen der Kommandant, Oberst Blake, als er sie eingelassenhatte, daß der König abgereist sei, und daß sie ihn wahrscheinlich in Ox-ford finden würden. Sie wollten in Wallingford übernachten, aber dieUnterredung zwischen Blake und dem Präsidenten des Comite's, LordDenbigh, wurde so heftig. Blake's Worte so rauh und die Haltung derGarnison so drohend, daß sie es für gerathen hielten, sich ohne Säumenzu entfernen. Als sie am folgenden Tage bei Oxford ankamen, dieltensie aus einen kleinen Hügel, etwa fünfhundert Schritt von der Stadt,an und ließen sich dem Gouverneur durch einen Trompeter melden. Meh-rere Stunden vergingen, ohne daß ihnen eine Antwort zugekommen wäre.Der König bemerkte während eines Spazierganges in seinem Gartendie Gruppe der Kommissäre und ihres Gefolges aus dem Hügel, fragte,wer diese Leute seien und sendete, sobald er es erfuhr, sogleich Mr. Kil-ligrew mit dem Befehle ab, sie in die Stadt zu führen, ihnen eine Woh-nung anzuweisen und sein Bedauern, daß man sie so lange habe wartenlassen, auszudrücken. Als sie, von einigen Kavalieren begleitet, durch dieStraßen von Oxford ritten, sammelte sich der Pöbel um sie her, über-häufte sie mit Schmähungen und warf sie sogar mit Steinen und Koth.Sie gelangten in ein schlechtes Wirthshaus und waren kaum dort ab-gestiegen, als sich in der Nähe ihres Zimmers ein heftiger Lärm erhob.Holles und Whitelocke gingen augenblicklich hinaus, mehrere königlicheOfficiere waren in das Schenkzimmer gekommen, zankten sich mit denLeuten der Kommissäre, nannten sie und ihre HerrenElende, Verrätherund Rebellen!" und wollten sie nicht an das Kamin lassen. Holles er«