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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Verlegenheit der Jndependenten.

8. Buch.

Asfisen und auf den Marktplätzen, kurz an allen Orten, wo die Kava-liere sich besprechen, oder unter das Volk begeben konnten, bereitete manroyalisiifche Petitionen, Complote und Aufstände vor und verkündetesie ohne Rückhalt. Als am Weihnachtstage der Mayor von Canterburydie Verordnung aufrechterhalten wollte, welche die Feier dieses Tagesverbot, entstand ein heftiger Tumult unter dem Rufe:Gott, der Kö-nig Karl und das Land Kent!" Man erbrach das Zeughaus der Stadt,beschädigte mehrere den Parlamentisten gehörige Gebäude, mißhandeltedie Municixalbeamten aussRoheste, und ohne das schleunige Erscheinenvon Truppen würden die Bauer» der Umgegend sich erhoben und denAusstand unterstützt haben. Zu London kegelten an einem Sonntagezur Zeit des Gottesdienstes einige Lehrlinge in Moorsields; ein Miliz-posten wollte sie forttreiben, aber sie leisteten Widerstand, jagten dieMilizen davon und nachdem sie selbst von einem Reitertrupp auseinan-dergesprengt worden waren, verstreuten sie sich in der City und forder-ten ihre Kameraden und die Themseschiffer zum Beistand auf. In al-len Vierteln der Stadt rotteten sich zahlreiche Haufen zusammen; in derNacht vereinigten sie sich, warfen sich auf zwei der Stadtthore, spanntendie Ketten in den Straßen aus und stürmten unter Trommelschlag unddem Rufe:Gott und König Karl!" nach dem Hause des Lord-Mayors,bemächtigten sich einer Kanone und eines Waffenladens, und schienenbei Anbruch des Tages sie Herren der City zu sein. Während derganzen Nacht war ei» Kriegsrath beisammen. Man zögerte sie anzu-greifen, indem man zweifelte, ob die zwei in London liegenden Regi-menter hinreichend sein würden und ob man nicht Verstärkung abwartenmüsse. Fairsax und Cromwell stimmten für einen raschen Angriff. DerErfolg war nicht lange zweifelhaft, und nach zwei Stunden hörte manin den Straßen nur noch den taktmäßlgen Schritt der in ihre Quartierezurückkehrenden Soldaten. Das Volk war zwar geflohen, aber deßhalbnoch nicht besiegt; kein Tag verging ohne ein neues unvermuthetes Er-cigniß, das seinen Grimm steigerte und seinen Muth kräftigte. Diepresbyterianischen Mitglieder und die Aldermen der City, von denGemeinen vor dem Oberhause angeklagt, verweigerten entschlossendie Anerkennung seiner Gerichtsbarkeit, daS Niederknieen vor seinenSchranken, ja sogar das Abnehmen des Hutes und das Zuhören beimVorlesen der Anklagepunkte. So oft sie aus Westminster kamen, be-grüßte sie die Menge mit lautem Jubel. Man untersagte die Zusam-menrottungen, man erkannte den Verwaltungsausschüffen jeder Graf-schaft das Recht zu, jeden Schlechtgesinnten, jeden Verdächtigen zu ver-haften. Die Gährung wuchs indeß rascher als die Tyrannei. Zu Nor-wich, zu Bury-Saint-Edmunds, zu Thetsord, zu Stowmarket, wie an