31
*
zu können, die Säulen mit Halbzirkelgewölbcn verbindet, und den Endpunkten dieser Gewölbreihewieder hinreichende Festigkeit, sowohl in der Wirklichkeit als auch scheinbar giebt, kann der Sinnfür Verhältniss und Schönheit diese Anordnung allerdings jedem Tadel entziehen, und sie zum Rangeder klassischen Antike erheben. Wohl aber ist hier zu bemerken, dass der in unserem Entwürfe an-gebrachte Portikus der Art, mit einer flachen Decke versehen und nicht gewölbt ist, wie man es ver-mittelst eiserner, noch aus dem Mittelalter üblicher Anker in Italien , allen Gesetzen gesunder Gon-struction zuwider, so oft sicht. Hier ist die Gränze des Klassischen, welches die architektonischeSchönheit und Wirkung gewährt, und des Manirirten, welches sie sucht; und diese gefährliche Gränzezu übertreten, haben wir uns stets gehütet.
Alles Uebrige mag für sich selbst sprechen, und wir bemerken nur noch, dass, wenn wir auchglauben, die Einbildung der verschiedenen Räume im Grundplane als normal bezeichnen zu können,dieses doch rücksichtlich ihrer gegenseitigen Grösse und Verhältnisse, welche sich nach dem jedes-maligen Bedürfnisse richten müssen, keineswegs der Fall ist.
PI. IV.
#
So wie wir schon oben bemerkten, scheint es uns, dass die aus späterer Zeit stammende Ge-wohnheit, in katholischen Kirchen mehr als die verordneten Altäre, und viele Kapellen anzubringen,keineswegs der architektonischen Anordnung günstig ist. Ueberfüllung und Verwirrung, sowie oft so-gar Störung im Gottesdienste, sind die unausbleiblichen Folgen davon, und man muss gestehen, dassden protestantischen und griechischen Kirchen hierin ein Vorzug gebührt. Bei dem Baue neuer ka-tholischer Kirchen aber schiene es uns weit vortheilhaftcr, diese Altäre und Kapellen, obschon in un-mittelbarem Zusammenhänge damit, doch aus dem Inneren der Hauptkirche zu entfernen, und wirhaben auf PI. IV. versucht, von dieser Anordnung einen Entwurf zu geben, dessen Hauptgedanke hun-dertfach verändert und modificirt, und so der Schönheit liturgischer Gebäude eine neue Bereicherunggewonnen werden kann.
In diesem Entwürfe haben wir uns vier Kapellen in unmittelbarem Zusammenhänge mit demHauptbaue gedacht. Der Styl ist der einer Dorfkirche, und alles Einzelne derselben werden die Kupferdeutlich machen. Die an der Vorderseite angebrachten Zierden und Bildwerke sind Fresco-Malereien,wie wir sie in Italien , ja selbst im südlichen Teutschland, oft von so glücklicher Wirkung am Aeus-seren der Kirchen und anderer Gebäude angewendet sehen,
PI. V. VI. und VII.
Auf diesen drei Platten haben wir Gedanken zu Dorfkirchen dargestellt, welche mit Thürmenund Giebeldächern versehen sind, die nur das steigende Hauptgesimse zeigen: eine architektonischeAnordung, welche bei Gebäuden der Art, wie uns häufige Beispiele in Italien und auch Südteutsch-land beweisen, nicht ohne Reiz und Grossartigkeit ist. Am Aeusseren dieser Kirchen sind wieder Fresco-Malereien angebracht; das Innere derselben ist grösstentheils mit flacher, theils mit gewölbter Deckeangeordnet. In diesem Inneren finden sich wieder die schon in der Erklärung der ersten Entwürfeangegebenen Räume, deren eine Dorfkirche bedarf, und es scheint uns überflüssig, noch etwas