Architektur: den wahren Zweck ihrer Formen zu verstecken gemäss, wie Filigran durchlöcherte. Ohnezu solcher Manier seine Zuflucht zu nehmen, bieten sich hei dem oben bezeichneten Verfahren derEinbildungskraft reichhaltige Motive für den Thurmbau dar, und man hat dazu nicht nöthig falschen,und in dem Zwecke dieser Bauwerke als hoher Glockenhäuser nicht begründeter Formsystemenzu huldigen.
PI. XII.
Diese Kupfertafel enthält wieder einen Entwurf zu einer grösseren Kirche, welche mit siebeneinzelnen Kapellen in architektonische Verbindung gesetzt ist. Diese Art von Kirchenschema scheintuns besonders reich an vielseitiger Bildsamkeit zu seyn, und bietet der Einbildungskraft eine Reiheder reizendsten architektonischen Gruppirungen dar. Hier sind die Kapellen mit der Ilauptkirchedurch einen Säulengang in Verbindung gesetzt, welcher so zweckmässig und sachgerecht ist, dass erdie Schönheit und Wirkung des Ganzen zu vermehren nicht ermangeln kann. Wer würde nicht einesolche Anlage den in katholischen Kirchen oft so sehr angehäuften Altären vorziehen, welche gewöhn-lich durch die verschiedenartigste Anordnung und Verzierung, das jedem Kunstwerke so nöthige Ge-setz der Einheit beleidigen 1 ? Hier könnte eine jede Kapelle eine verschiedene Anordnung und Aus-schmückung des Inneren haben, ohne dadurch diese Einheit des Ganzen aulzuheben. Für die reicheVerzierung des Inneren der Hauptkirche aber, welche allerdings sehr wünschenswert!! und die wirk-samste Triebfeder aller Kunstbildungen bleibt, bieten die Künste auch wieder Hilfsmittel und Gele-genheit genug dar.
PI. XIII.
Auf dieser Platte ist eine grössere Dorfkircke mit zwei Thürmen dargestellt. Die Anordnungist einfach. Im Grunde einer grossen Arkade, welche den Vorplatz bildet, liegt der Haupteingang.Im Innern sind Emporkirchen angeordnet, welche auf Säulen ruhen; die Beleuchtung ist durch zweyReihen Fenster gewonnen, wovon die unteren als Parallelogramme die oberen als Halbzirkel gestaltetsind; die Decke ist flach, mit anlaufender grossen Hohlkehle, in welche übereinstimmend mit denFenstern Lünetten angebracht sind. Alles übrige machen die Zeichnungen deutlich.
PI. XIV.
Eine grosse Dorf- oder kleine Stadtkirche mit einem Thurme, deren Eingang im Grunde ei-ner grossen Nische liegt, welche zwischen den korinthischen Pilastern der Vorderseite angebracht ist.Der Thurm ist von einem kolossalen Standbilde des Heilands gekrönt. Wenn aber die Ausführungeines so grossen Bildwerkes an einem Gebäude dieser Art vielleicht zu kostbar erscheinen sollte, sobemerken wir hier, dass dieses grösstentlieils nur von der Ausführungsart und von der Wahl desStoffes abhängt. Unsere Zeit ist hierin, man kann nicht sagen verwöhnt, aber vielleicht verbildet.Wenn man von Bildwerken der Art redet, so verlangt man fast die ausschliessliche Anwendung vonErz und Marmor, wodurch dann die Schwierigkeit der Ausführung sehr vermehrt, und leider oft un-möglich gemacht wird. Auch wir nun wissen zwar den Werth eines kostbaren, und des höchstenGrades der Vollendung fähigen Stoffes, an Bildwerken sehr wohl zu schätzen, glauben aber, dassman der Begründung einer möglichst ausgebreiteten Kunstbildung zu Gunsten, nach Umständen auchdarauf Verzicht leisten soll, wie es in den schönsten Zeiten des Alterthums geschah, wo jeder Stoff
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