Der Tempelbau. 5
§. 7 * Wir glaubten solche Bemerkungen Voranschicken zu müssen,um die bauliche Einrichtung der Tempel und die Verschiedenheiten ihrerAnlagen desto besser zu fassen, und um zu zeigen, warum dieselben viel-mehr so, als anders gestaltet wurden. Alles richtete sich in solcher Hin-sicht nach dem Dienst, nach der Weise der Verehrung, nach der Zeit unddem Vermögen.
Wir haben in der Geschichte der Baukunst gezeigt, dafs die Tempelbei den griechischen Völkern nur spät eine bauliche Form erhielten, nichtaus Unkenntnifs des Baues überhaupt, sondern weil der einfache religiöseDienst solche noch nicht gefordert zu haben scheint. Man begnügte sichdie Opferherde auf Anhöhen, in Waldungen, unter einzelnen Bäumen, inHöhlen und Hofräunien zu errichten. Bilder der Götter kannte man nochnicht; ein Pfahl, ein unförmlicher Stein erhielt die Verehrung. Die Grie-chen hatten Festungswerke, kunstreiche Schatzhäuser, und wohleingerichtete"Wohnungen, ehe sie den Gattern Tempel errichteten; und diese waren an-fänglich nur sehr gering und dürftig. Der Hüttenbau , worin Neptun beiMantinea verehrt wurde, bestand aus eichenen Balken (Paus. 8, io.), undder ursprüngliche Rundbau der Vesta zu Rom durch Numa hatte seineWände von Bohrwerk und die Eindeckung aus Stroh (O vid. fast. VI. aöi.).
Zu den ältesten Tempeln gehört ohne Zweifel derjenige der Juno zuOlympia in Elis, der, ursprünglich von Holz, bei seinem Wiederbau inStein errichtet ward. Zum Andenken hatte man von dem früheren Holz-bau eine der eichenen Säulen im Hinterhause stehen lassen (Paus. 5, 16.).Dieser Tempel, obwohl noch von geringen Dimensionen, ist um so merk-würdiger, da er sich bereits als ein Peripteros darstellt, und obgleich erzu der Fronte von sechs Säulen an den Seiten nur sieben zählte; (Taf.XVIII.Fig. 1. a.); so gewahrt man doch mit Vergnügen,, wie aus dem Vorgängedieses Musters die gröf-ern Tempelgattungen sich entwickelten. Die Zellefür die Gruppe des Jupiter und der Juno , und für die Aufstellung andererWeihgeschenke war nur gering, und die Vergröfserung erhielt der Bau erstdurch seine Umgebungen, die Vor- und Nachzelle, und die Säulengängeumher, wo die bei den Opferungen Anwesenden sich aufhielten.
Nicht minder bemerkenswert!! ist die Anlage dieses Tempels durchdie Äehnlichkeit der Verhältnisse in der Totallänge und Breite mit demToskanischen Tempelbau, wie wir denselben durch Vitruv (vergl, Taf.XVII. Fig, 4 - und 5,.) und, durch das Heiligthum der drei Capitolinische»