Der Tempelbau ♦ 4i
öffnen waren* Die Spuren einer solchen Einrichtung bemerkte man bisjetzt nur an dem Tempel der Nemesis zu Rhamnus ( Gesch . der Bauk, II, p. 29.).
§• 25- Befremdend bleibt es, dafs weder Yitruv, noch sonst irgendein Alter von der Beleuchtung und den Fenstern der Tempel spricht. Esbleibt also die Frage: wie in solchen Beziehungen die Einrichtung war?-—Dafs das Innere der Tempel, oder die Zelle, wo die Statue der Gott-heit sich befand, manchmal mit Gemälden theils auf den Wänden selbstgemalt, theils an denselben aufgehangen, und vielfältig mit andern reichenWeihgeschenken versehen, nicht dunkel seyn konnte, begreift sich von selbst.Von den Gemälden auf den Wänden der Zelle will ich von vielen nur ei-nige Beispiele anführen. Zu Athen sah man in dem Tempel des Theseusdrei Wände der Zelle von Micön gemalt, und auf ähnliehe Weise ziertenden Tempel des Castor und Pollux allda Polygnotus und derselbe Mi-con (Paus* i, 17. iß.). Auch das Erechtheum prangte mit Malereien aufden Wänden (Paus. 1, 26. cf. Plutarch . de decem orat. p. 843-)» nnd zuSyracus war das Innere des Minervatempels mit Gemälden behängen, wel-che Verres nachher wegnehmen liefs (Cicero inVerr. 4, 55.). Von denaltern Tempeln in Rom , die mit Kunstwerken und Gemälden auf der in-nern Mauer verziert waren, will ich, nebst dem Tempel der Ceres, nurden der Göttin Salus von Fabius Pictor und den des Hercules von Pa-cuvius gemalt, anführen (Plin. 35, 7. cf, Val. Max. 8, 14- §♦ 6.). Kunst-werke aber und besonders Gemälde, bedürfen des Tageslichtes, um gesehenzu werden.
Die Tagesbeleuchtung konnte zum Theil durch die Thüren, oderwenn dieselben auch verschlossen waren, durch die Fensteröffnung über denThürflügeln, so wie wir es bei dem Pantheon noch sehen, wo über denThürflügeln ein Gitterwerk von Erz angebracht ist. Kleinere Tempel konn-ten auf solche Weise hinreichend erleuchtet seyn, wie das Erechtheum zuAthen , dessen Mauern sonst keine Lichtöffnung zeigen. Noch giebt es an-dere kleine Tempel ohne Fensteröffnung in den Mauern,
Die zweite Art der Beleuchtung konnte oben in der Dachung ange-bracht seyn. Alle Tempel, die zur Gattung Hypaethros gehörten, empfin-gen auf solche Weise das Licht. Aber es gab auch eine grofse Menge an-derer Heiligthümer von nicht geringem Umfange, welche nicht von dieserGattung waren, und doch der Gemälde und anderer Kunstwerke wegen derTageserleuchtung bedurften} und an sich hat es nichts Widerstrebendes, das
Wirt, Gebäudev ß