124
III, Abschnitt,
änderung erlitt, und wie die eine der Inschriften angiebt, in ein Amphi-theater umgeändert ward. So viel man aber aus der perspektivischen Zeich-nung in den Ionischen Alterthümern ersehen kann, bestand diese Umwand-lung hauptsächlich darin, dafs man die untere Seite, welche in dem Ephe-sischen Grundrifs geradlinig ist (Fig. I. A), gleich der obern Seite einehalbzirklige Form erhielt. Allein die grcifsere Arbeit bei dieser Umände-rung mochte darin bestehen, das Podium, oder den Fufs für die Sitze ganzjum die lange Bahn her, beträchtlich zu erhöhen, und mit eisernen Gelän-dern zu versehen. Dies war nöthig, um sich gegen die wilden Thiere zuschützen. Denn die Einführung der Jagden und Kämpfe der wilden Thierenach Römischer Art war wohl die Ursache, welche die Umwandlung desStadiums in ein so genanntes Amphitheater veranlafste. Verglichen mit denamphitheatralischen Bauen der Römer, ward aber der Bau zu Laodicea im-mer nur uneigentlich Amphitheater benannt, indem dadurch die länglicheBahn des Stadiums, und sein Gebrauch für die athletischen Spiele nichtaufgehoben ward.
Eine solche Umänderung mit dem Stadium zu Laodicea fiel unterdem 7. Consulat des Titus vor, und die neue Weihe geschah durch denProconsul Trajanus , den Vater des nachmaligen Kaisers dieses Namens,ßo Jahre nach Christo. Ein Eingeborner, der Priester Nicostratus,reichte hiezu die Unkosten.
Wahrscheinlich erlitt das Stadium zu Aphrodisias eine ähnliche Um-wandlung für den Zweck, Jagden und Hetzen der wilden Thiere darin zugeben; denn nach Pococke (Tom. III. p. 70.) zeigt der Ruin desselben anden beiden schmalen Seiten auch die halbzirklige Form für die Sitze gleichdem sogenannten Amphitheater zu Laodicea . Der Reisende giebt die Längedieses Stadiums nicht an. Wir wissen also zur Zeit noch nicht, ob seineLänge der olympischen oder der pythischen Bahn nachgebildet war.
§. 8- In der Wahl der Oertlichkeit für die Anlage der Stadien ver-fuhren die Griechen nach demselben Princip, was wir bereits bei dem Thea-terbau angegeben haben. Da wo die Oertlichkeit sich dazu anbot, wähl-ten sie einen ebenen Thalgrund zwischen zwei hügeligen Anhöhen, wie dasStadium von Laodicea zeigt. Wenn aber dies nicht anging, sah man sichnach Stellen um, wo wenigstens an einer der langen Seiten eine natürlicheAnhöhe sieh fand, und die andere wurde dann künstlich geführt, entwederin Mauerwerk mit Bogen und Wölbungen, wie in dem von Ephesus , oder