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Band III. Die Schweizer Alpen. Zweite Hälfte.
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Mineralquellen Ost-Graubündens .

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Val Sinestra schneidet tief in den inneren liasischen Bündnerschiefer desEngadinerfensters ein. In den Steilgehängen erscheinen an mehreren Orten kleineEisensäuerlinge. Der bedeutendste ist Aua forta, eine Quellgruppe bei 1470 mim Grunde des Talweges dicht am Flusse.

A. v. Planta-Reichenau hatte durch Analyse 1853 zuerst ihren hohen Wert entdeckt. Diefrüher ca. 19 Quellen, die durch ihre Tuffe ausflossen, wurden 1898—1900 durch A. Scherrer imSchieferfels in vier Strängen gefaßt, deren Wasser verschiedenen Chemismus hat. Der Ertrag steigtzusammen auf 200 Ml., während die einzelnen Tarasp -Schulserquellen nur 5—20 Ml. stark sind. DasGestein enthält in Val Sinestra außer Pyrit auch Auripigment und Realgar.

Auch bei der Quelle von Val Sinestra ist der Eisengehalt nicht sehr groß; Natriumchlorid undSulfat, Kalk und Gips sind vorherrschend; Borsäure ist reichlich vorhanden und das Wichtigste:relativ reichlich Arsen, wie folgender Auszug aus den Analysen von Nußberger 1899 zeigt(stets Minimum bis Maximum innerhalb der drei Quellen zusammengestellt). In 10000 gr Wassersind enthalten in den vier verschiedenen Qucllsträngen in Gramm: Na 2,7 —9,2, Ca 3,4— $, 2 , Fe0,09—o,i, CI 2,0—7,1, S 0 4 1,05 — 3,03, B 0 3 0,56—1,2, As 0 3 0.01 — 0,05, C 0 2 7,4—14,0.

Therapeutisch ist wohl die Quelle von Val Sinestra eine der wertvollsten der Schweiz durchihren hohen Arsengehalt, kombiniert mit Eisen, Kohlensäure und alkalischen Salzen. Sie hat sichauch schon reichlich bewährt (Kurhaus an der Quelle).

Das Oberengadin ist zuerst durch die Eisensäuerlinge von St. Moritz be-rühmt geworden.

Bei der 1908 ausgeführten Neufassung der „alten“ oder „Mauriziusquelle“ fanden sich ineinem längst verschlammten großen Fassungskasten aus Lärchenholz ein Bronzeschwert und eineBronzefibula (Opfergaben von Pilgern), das Schwert ist zweischneidig, beidseitig - gleich blatt-förmig, der Griff in einem Stück mit dem Schwert gegossen und für unsere Hand zu eng. Dasist der echte Typus der alten Bronzekultur! Die älteste Fassung ist also schon vorhistorisch(1200—1000 v. Chr.). Die Quellen waren sodann lange Zeit ein von den Päpsten begünstigterWallfahrtsort, 1519 erhielten die Wallfahrer durch Leo X. befreienden Ablaß. 1525 rühmt Para-celsus die Quelle, 1553 beschreibt sie Geßner. 1853 wurde die Mauriziusquelle verbessertund die nahe Paracelsusquelle neu gefaßt. 1886 wurde nach Anleitung von Alb. Heim durchPrsd. Gartmann etwa 400 m talauswärts der alten Quelle eine noch stärkere Quelle, die „Fun-tauna surpunt“ entdeckt und unter H eim’s Leitung für das „Neue Stahlbad St. Moritz “ gefaßt.Diese drei Quellen sind erdig-alkalisch-salinische Eisensäuerlinge, indessen unter sich verschieden.Die Funtauna surpunt hat den höchsten Eisengehalt und den geringsten Kalkgehalt.

Es gelang nicht, irgendeine der drei Quellen von St. Moritz im anstehenden Fels zu fassen.Sie liegen dem südlichen Talrand nahe, aber noch im Alluvium des Talbodens oberhalb des Sees.Unter oberflächlicher Aufschüttung von Kies und Limonit (Quellabsatz) folgt eine 1—5 m mächtigeundurchlässige Lehmmasse, darunter liegen in Lehm gebettete Bergsturzblöcke (syenitische und diori-tisclie Gesteine des P. Rosatsch). Dazwischen fließen die Mineralquellen in einzelnen im Lehm aus-gespülten Röhren. Wo diese Quellen direkt aus dem anstehenden Fels treten, ist nicht bekannt.

Weitere Mineralquellen finden sich in Chasellas ob Campfer, Surlej bei Silvaplana . AlleMineralquellen des Oberengadin liegen im Gebiet der altkristallinen Gesteine der unterostalpinenDn., zwischen denen nur dünne Pakete von Trias und Bündnerschiefer sich hinziefcen.

Alle Mineralquellen des ostalpinen Graubünden haben keine wesentlich höhere,meistens die gleichen Temperaturen, wie die gewöhnlichen Quellen der betreffendenGegend, d. i. je nach der Lage 4—12°. Es sind keine Thermen. Sie kommenalso nicht aus großer Tiefe. Da, wo sie gruppenweise nahe beisammen demFels entspringen, erweisen sie sich durch ihre chemische Zusammensetzung als auf-fallend individualisiert. Selbst nahe beisammen zeigen sie große Unterschiede, undalle sind voneinander verschieden. Für juvenile Einflüsse (Ausscheidung aus demErdmagma) fehlen nicht nur Anhaltspunkte, sondern auch die Möglichkeiten. Die