Buch 
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
 

85(420 Sg..und zwahr ein Winkel/ da das Vieh pflegt herein zu gehen zu trinken/wann es durſtet/ welcher etwas naher iſt bey dem Dorff; und iſt ganzroth/ und das Geſtad auf der rechten Seiten des Sees iſt eben mit der-ſelben rothen Matteri/ gleich wie Blut allenthalben erfüllt/ und erſtrektſich in die Breite 4. Schuh in den See hinein. In dem anderen Ge-ſtad aber iſt dieſelbige Materi an dem Koht geklebt/ gleich wie ein rechterothe Farb. Winterthur den 24. Aprel 1623. 8

Ich kan nicht umgehen/ diß Ohrts einzuführen eine ganz gleiche

Geſchicht/ welche ſich begeben guf einem Teich zu Klein Liſa bey

elitz in Sachſen . A. 1700. worüber groſſe Streitigkeiten ſich er-hoben; der Pfarzer des Ohrts M. Georg Sigismund Sittig hatin einer ſonder baren Blutzeichen Pre igt/ welche zu BeltzA. 1703. gedrukt worden/ geſtanden/ das zwahr kein Wunder/ dochaber ein auſſerordentliches Goͤttliches Wahrnungszeichen ſeye/ deſſenUrſachen uns ganz unbekant/ und darbey Anlas genommen/ ſein Volk

zur Buß zuvermahnen/ und denen Saͤchſiſchen Landen ſchwere Kriegs-

ſtraffen vorzukunden: dieſem hat ſich entgegen geſetzet ein Anonymus ineines Chriſtlichen Phyſici Bedenken uber dieſe Blut zeichen

redigt. A. 1203. Worinnen er aus dem Wunder eine natürlicheBegebenheit machet/ und der Meinung iſt/ das in dieſem viel Jahr langnicht gereinigten Teich das viele enthaltene Nitrum ſeye von der Son-nenhitz alſo ausgekochet worden/ das eine rothe Farb herauskommen.

Es hat aber M. Sittig A. 1704. herausgegeben ein beſſeres und

recht Chriſtliches Gegenbedenken; den ganzen Streit aberhat/ meines bedunkens/ am beſten gufgeloͤßt J. C. Weltphalus in Nov.Eiter. German. 1705. p. 10g. welcher nach eingenommenem Augen-ſchein zeuget das er mit nichten angetroffen eine verwandlung des

Waſſers in Blut/ ſondern nur eine blutfoͤrmige oben quf dem Seeſchwimmende ſchaumichte Materi/ und ſeye alſobald in Gedanken ge-rathen aus dem eingenommenen faulen Geruch/ daß die in dieſem Teichenthaltene Fiſche und Froſchen in vergangenem Winter zu Grund ge-

gangen/ oder in hauffigem Schleim(weil der Teich lang nicht gerei-niget worden) erſtecket in dieſe ſchaumichte Materi ſich verwandlethaben; oder das der Frosch und Fiſchleich von anligender wartiali-ſcher Erde/ und enthaltenen irꝛdiſch vitrioliſchen Theilen beſchwangeret/

weine Gährung gerathen/ und von der Sonnenhitz alſo in eine rothe

Farb ausgekochet worden; faſt auf gleiche Weiſe/ wie aus denen ein-

genommenen Speiſen und milchweiſſen Chylo das rothe Blut for-

miret werde. Durch die Beſtillation hat er heraus gebracht einen flich-

tigen urinolen bitteren Salzgeiſt/ von ſtinkendem Geruch/ ſo auch ein

angebrann-

E rr