Band 
Zweyter Theil [2].
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662
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662 Lairesse.

»Wenn ihm" (sagt Watelct) »etwas aus seinemLande anhieng, so waren es bloß die Farbe undder Pinsel; übrigens suchte er in seiner Vorstel-tungs- und Anordnungsweise die Italiener nach-zuahmen, ohne Italien, noch selbst Frankreich ,jemals gesehen zu haben. Man bemerkt sogar,daß er sich vorzüglich Pousfln zum Muster nahm(den er doch bloß aus Stichen kannte), undkönnte ihn vielleicht den durch schlechte Studienverbildeten Poussln nennen. Denn wohl ahmteer denselben in der Wahl und Ordonnanz seinerGegenstände, aber nicht in der Tiefe seiner Be-trachtung, in seinen vortreflichen Gedanken, inder verständigen Ausführung, in der Kenntniß derAntiken, und in der Reinheit der Zeichnung nach.Dennoch hatte er von dieser letztem und einergewissen Eleganz den Schein, oder, möchte mansagen die Charletanerie?" Einfacher, abereben darum desto wahrer heißt es von ihm beyFüßÜ I V. 255 56 .Lairesse genoß eine wis-senschaftliche Erziehung, die hernach in allen seinenWerken eineg sehr merkbaren Einfluß hatte. SeineIdeen sind dichterisch und immer mit feiner undrichtiger Beurtheilungskraft verbunden. SeineAnordnungen sind sowohl in historischer als inmalerischer Hinsicht verständig, und von eben soangenehmer als starker Wirkung. Bey seinenVorstellungen wußte er den interessantesten Zeit-punkt zu wählen; und, wo er sich allegorischerBilder bedienen mußte, war er sowohl sinnreichals deutlich. Seine Zeichnung zeigt mehr dasStudium der Natur als der Antiken, und istganz im niederländischen Geschmacke. Dennochsind seine männlichen und weiblichen Formen we-niger schwerfällig als jene der Rubensischen Schule.Im Ausdrucke der Gemüthsbewegungen war erstark ohne Uebertreibung, und bediente sich mitungemeinem Scharfsinn aller Nebensachen, diezur mehrern Verstandlichmachung des Haupkge-genstandes einer Vorstellung beywirken konnten,ohne jedoch dadurch die Composiiion zu überladen.Seine Drapperien sind mit großem Geschmackbehandelt. Licht und Schatten wußte er auf dievortheilhafteste Art zu vertheilen, und sein Coloritwar wahr, stark und harmoniös." An seinen Fi-guren tadelt man, neben dem Mangel an Schön-heit, das kurze Verhältniß, was indessen (heißtes bey Rost II. 10 ) z. B. an seinen Bildern inder Galerie zu Kassel nicht der Fall ist. Erarbeitete mit wunderbarer Schnelligkeit und solleinst au Einem Tag: Den Apoll mit allen neunMusen (die mögen es ihm vergeben!) gefertigthaben Uebrigens waren ihm Fabel und Geschichtewohl bekannt; und beobachtete er daher das Co-stüme, so wie überhaupt alles Schickliche beyseinen Vorstellungen sehr gut. OonL seine Cha-rakteristik in Landons Ann. Xl. 2122. Daßer, wie es heißt, um sich vor der Rache einervon ihm verlassenen Weibsperson sicher zu stellen,nun gar eine Frau genommen, ist bekannt; undleider! eben so, daß er in der Schwelgerey (mansehe nur die häßliche Maske seines Gesichts anund doch schrecklich zu hören! sahen ihn dieWeiber gern!) und daher in der Armuth gelebt, undfrühzeitig blind geworden sey. Der Vortreflichsteir wegen in Allem, was in der Kunst bloßmechanisch heißt, standen übrigens die Werke die-ses Künstlers immer in hohem Ruf. Noch in1/77, wurde eine Anbetung der Weisen von ihmauf einer Auction zu Paris für i 3 ,ooo. Livr. er-standen. In gleicher (praktischer) Rücksicht hatsein zu wenig bekanntes (ins Deutsche freylichelend genug übersetztes) Buch von der Malerey(welches er seinen Kindern und Sbülern wahrendseiner Blindheit dictirt hatte) großes Verdienst;weit minder sein Zeichenbuch. Als Kupferstecherdann gebührte ihm in einigen Rücksichten dasselbeLob, und noch gewisser derselbe Tadel, welcherihm als Maler von ächten Kennern zu Theil ward.Dießfalls mochte er sich Pictro Testa zum Mustergewählt haben; und freylich haben auch seineBlatter nicht einerley Verdienst; dessen ungeachtet

Lala.

wird sein Werk im Ganzen noch immer hochge-schätzt, und ist für junge studireude Künstler aus-serordentlich lehrreich. Neben ihm, der das Meisteselbst gestochen, haben noch van der Berge, Glau-bcr, Pool u. a. mit mehr und mindern« Geschickedaran gearbeitet. Zu den reichsten Eompositionenseiner eigenen Blatter gehören: Joseph von seinenBrudern erkannt; Salomo zum Könige gesalbet;Antonius und Cleopatra; der Amazonenmarsch;das große Bacchanal, und die drey Allegorien aufden Prinzen von Oranien. Neben vieren der schongenannte» (Joseph, Salomo, Anton und Cleopatra und dein Bacchanal) schätzt Füßli (I c. 206265.)ain meisten, und beschreibt umständlich: Die Ge-schichte der ersten Menschen in 6. Blättern, dieAufopferung der Jphigenia, und die Träume.Unter dem nach ihm Gestochenen, wovon sich eineziemlich reiche Litteratur in dem Gantkatalog vonBrandes bey der niederländischen Schule (Rostzahlt ihn zu der deutschen) findet, wird dort haupt-sächlich bemerkt: Der triumphirende Einzug Ale-xanders zu Babylon (12. Blätter) von Faucci,Pazzi, Polanzaui und Rossl (1755.), nach denLambris im Schlosse zu Mannheim gestochen,und deßwegen höchst selten, weil der Kurfürst diePlatten vergolden ließ; dann das güldene Alter,und Herkules vor dem Tempel des Janus, vonDlootcling in Schwarzkunst geschabt; der Herbstund Winter von Mumstchhuystn (diese viere alsschöne Blätter), u. s. f. Lons auch den Gant-katalog von wrnkier (ebenfalls bey der holländi-schen Schule), und ein Verzeichniß meines sei. Va-ters, wo nicht minder nach unserm Künstler Meh-reres, theils von den schon benannten Stechern,theils von andern, wie z. B. von I. Baptist,I. F. Baust, A. de Blois, Duflos, C. Gregori,P. A. Kilian, I. H. Mortimer (Landschaften),I. C Philips, B-Picart, C. G. Schulze, Tanjö,A. Tischler, G. Valk, W. Vaillaut, N. Verkokst,und L Zucchi erscheint. Endlich zählt man nochunter Lastesse's Kupferwerke die Sammlung vonantiken Statuen aus dem Kabinet Reynst, welcheauf no Bl (wir denken wohl bloß unter seinerAufsicht) gestochen wurden, und die von Kennernsehr geschätzten io 5 . Blätter zu Godfr. BidloosAnatomie (Fol. Amsterd. i 685 .).

* Lairesse (Register), Gerards Vater,dessen im Lex. im Art. seines Sohnes bloß bey-läufig gedacht wird Nach ihn, nennt der Kata-log von Brandes den Tod des Sencca, einschönes Blatt von M- Pool.

La«rre ( de), sollte vielleicht eher Dekairrebeißen; ein französischer Bildhauer, siudirst zuRom ; nach seiner Zurückkunfr verfertigte er dasBildniß des Pfarrers von S. Andre des Ares znParis . Er blühest um 1780.

Lairre oder Lairrie (Carl Maria oderCarl Renstgius) so abscheulich verstümmeln dieFranzosen ihre eigenen Laudsleust (Lairre ist wohlder richtigere Name), ein um 1802. ig.jährigerBildhauer aus Paris , Schüler von Dejoux, er-hielt damals den zweyten Preis der Sculptur desdortigen Nationalinstituts durch ein Basrelief fürdie Aufgabe: Der von seiner Amme Euryclea er-kannte Ulysses; und dann 1804. vollends den er-sten Preis, ebenfalls durch ein Basrelief: Me-leager, der sich weigert, die Waffen fur's Va-terland zu ergreifen, nach dem IX. Buch derIlias. S- Landon Anna!. XII. 5 g. wo steh eineAbbildung davon im Umrisse findet. Gegenwärtig(1807.) befindet sich dieser junge Künstler zu Rom ,und es werden von seinen wettern Fortschrittengroße Hoffnungen geschöpft. Bereits sah manauf der dortigen Ausstellung desselben Jahrs vonihm das Brustbild des kurz vorher verstorbenenDirektors der Akademie, Suvee's. Oeffenrl.Nachr.

* Lala. In der letzten Zeile dieses Art. imLex. l. anstatt: Sopylon, Sopylus-