Band 
Zweyter Theil [2].
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684
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684 Lazarnn.

waren äußerst anmuthig; so z. B. in kleinenhübschen Geschichtgen in der Canlorie zu Vicenza .Flonilo dann (ll. 176.) scheint unsern Künstlerman weiß nicht recht ob rühmen oder schelten zuwollen, wenn er dort von ihm sagt: »Mit ihmendigre sich der Carravaggische Geschmack in dervenetianischen Schule," u. s. f. Gestochen nachihm haben I. Wagner: Die Kindheit des Bacchus,Bacchus und Venus, eine Familie von Satyrcn,Kinderspiele u. s. f. und Aug. a Via einen Triumphder Gaiathea. und

* Lazarini (Joh.Andreas), Canonicus , lebtenoch 86. I. alt um 1797. Derselbe war Maler,Baumeister und zugleich ein guter Dichter undProsaiste. Wenige Italiener haben so gut überdie Kunst geschrieben , wie er. So z. B. in seinemkurz aber trefflich raisonnirten Verzeichnisse derLirchengemalde zu pesaro ; so vornehmlich inseiner gedruckten ausführlichen Abhandlung überdie Malerkunst, weiche indessen bloß das ersteKapitel von der Erfindung behandelt. Die an-dern: Ueber ssolnposirion, Zeichnung, Eolorirund Eostüme finden sich noch in Handschrift. Eswaren Vorlesungen bey der Akademie z» Pesaro bis i7oZ. und sie wurden von dem Grafen Algarorriin dessen versuch von der Malerey (wie erirgendwo selbst gesteht) fleiffig benutzt. Für ebendiesen Dilettanten dann malte unser Canonicus:Den vom Pfluge zur Dictatur berufenen Einem-natus, und den während der Einnahme von Sy-rakus bey seinen Studien überraschten Archimed;beyde mit leichtem Pinsel ausgeführt, aber zugleichin allen Theilen wohl studirt, zierlich und edel,gelehrt ohne Prunk. Früher mochte er etwaskräftiger gemalt haben; so z. B. eine Pietä imSpithal zu Pesaro ; späterhin wurde er etwassü Dichter und Maratkischer, was seine Neider —matt nannten. Obgleich er all wurde, hinterließer Weniges, weil er den Verrichtungen »einesStandes zugleich sehr ämsig oblag. Bisweilenmalte er ein wunderschönes Staffeleybild, Ma-donnen besonders; so z. B- eine der Schmerzen,für die Galerie Verani zn Ferrara. Zu Pesaro selbst sieht man von ihm meistens kleine Altar-bläticr, drey in St. Magdalena, drey andre inSt. Katharina; größere, die noch besser von seinenTalenten zeugen, in den Hauptkirchen zu Osimo und Foligno; in St, Augustin zu Ancona , undzwey in St. Dominic zu Fano : Eines mit ver-schiedenen Ordensheiligen rings um die H Mutter,mit besondrer Grazie, und in den angenehmsten man-nigfaltigsten Stellungen componirt; das andre St.Vincenz, der die Kranken heilt, wo ebenfalls unterso vielen Köpfen und Figuren keine der anderngleich, keine überflüssig, und alle voll Ausdruckessind." „Wie überlegen ist doch" (ruft hier Lanzi,der den würdigen Mann noch persönlich kannte,aus), in der Composition zumal, ein gelehrterKünstler einem Unwissenden"! — Eine Ketzerey,welche auch wir von ganzer Seele unterschreiben.

— — s. auch Lazzarini.

* Lazzari (Donat Bramante). Einige hal-ten Fermigniano für seinen Geburtsort; er stammtevon einem armen, aber ehrbaren Hause. Bekannt-lich übte er Anfangs die Malerei. Das Dom zuMailand scheint zuerst seinen Geschmack an derBaukunst geweckt zu haben. Alsdann gieng er,auf den Rath der zwey Ingenieure und rreflichenKünstler Cäsar Cäsarini und Bern . de Trevi, feinervertrauten Freunde, nach Rom Hier und Nach-worts auch zu Neapel , war sein einziges Studium,die vornehmsten architektonischen Alterthümer zumessen. Der Kardinal Olivier Caraffa entdecktezuerst seine großen Talente in der Baukunst.Das Kloster der PP. della Pace war seine erste,freylich noch höchst unvollkommene, dürre ArbeitBesser schon einige folgende, wie z. D. am Pallasteder Canzelleric, an der Kirche St Loren; und Da-rnach, am jetzigen Pallaste der Grafen Giraud aufdem Platze St. Jakob Scosciaeavalli. Aber was

' Lazzari.

wäre (sagt Milizia) Bramante mit alle seinemGenie geblieben, ohne einen Julius II. der fürgroße Ideen so eingenommen war, die denn freylichauch nur ein Kops, wie der erstere, ausführenkonnte. Alsdann beschreibt dieser Kunstrichtcrdessen Bauten im Vatikan unter gedachtem Papsteund erzählt: Um die Eile desselben zu befriedigen,habe er nicht selten ganze Nächte durch arbeitenlassen, was der Dauerhaftigkeit des Werkes ebenwenig zuträglich war. Als Julius eines Tags,um seine Dienste zu lohnen, ihm das Amt eines— Kanzleysieglers päpstlicher Bullen auftrug, be-zeugte ihm Brainanre sofort seinen Dank durchErfindung einer künstlichen Presse. Bald hernach(ilwH.) gieng er mit dem tz. Vater nach Bologna ,und machte in dem Krieg von Mirandola den —Ingenieur. Eine seiner geschätztesten Arbeiten istder graziöse und wohlproportionirte kleine Tempelim Kloster von Pietro Montorio; derselbe sollte denMittelpunkt eines sehr einfachen schonen Ganzenausmachen; eine andre nicht ganz ausgeführte derPallast dell' Jmperiale. Beyde werden von Miliziacharakterisirt. Sein angelegentlichstes Geschäft warindessen die Kirche zu St. Peter. Nachdem nämlichJulius II. den Gedanken gefaßt, einen Tempel znerrichten , der au Größe und Pracht alle Gebäudeder Welt übertreffen sollte, so mußten ihm Planein Menge vorgelegt werden. Bramante trug diePalme über alle seine Mitbewerber davon. Ausmehrcrn der seinigen nahm der Papst denjenigenan, welcher das Schiff zwischen zwey Glocken-thürme stellte und derselbe wurde wirklich nochvor seinem und des Papstes Tode, bis an dieCornjsche — aber mit einer solchen Eile und einerso unbarmherzigen Zernichtung mancher schönenTheile der alten Kirche ausgeführt, welche esbeynahe verdienten, daß bekanntlich auch vonseinem Werke außer den vier Bogen unter derTribune, nichts weiter übrig geblieben ist. EineIdee davon geben indessen noch mehrere Schau-münzen von Corodaffo, welche, h-iuptsächlich zudes Baumeisters Ehren, geprägt wurden, und seinWerk auf ihren Reversen darstellen. Auch scheintMilizia der Baute unsers Künstlers (welcher denGedanken eines zweyten Pantheons stets im Aughatte) in mehrcrn Rücksichten einen wirklichenVorzug vor den nachherigen Arbeiten einzuräumen,und glaubt, daß Michael Angelo größtentheils nurden Ruhm zu erndten gewußt, den jener gesäethatte. Noch gehört unter seine zahlreichen Werkedie Kirche des Heiligthums zu Loretto, in welcherer den ganzen Reichthum der Corinthischen Ordnunganzubringen gewußt. Seine Verhältnisse mit Ra-phael sind bekannt. Seinem Leichenbegängnissebey St. Peter folgte, nebst der Schaar der da-maligen Künstler in Rom , der ganze PäpstlicheHof. Allgemein wird sein Personalcharakter, mitaller seiner Lebhaftigkeit als sanft und verbindlich,besonders gegen seine Kunstgenoffen beschrieben.Daneben lebte er auf einem ehrenvollen Fuße,und übte noch neben seiner Kunst mit ziemlichemErfolg die Poesie, und das Jmprovisiren zu derLeyer — dies (wie Milizia beyläufig sagt) min-der schwierige Talent als man denken möchte, unddas zu denen gehört, weiche Eicero nuüax ne-Aotium et — impuüens würde genannt haben.Sein schon bey Leibes Leben großer Ruf wuchs,bey der Unterbrechung der St Peters-Baute nachseinem Tode, eine geraume ^eit noch immer höher;und lange wollte es Niemand wagen, Hand andie Vollendung einer Arbeit zu legen, die manfür ein Wunderwerk hielt. Seinen Kunstcharakterim Allgemeinen bezeichnet erwähnter Schriftstellerso: Im Anfange war sein Styl ungemein trocken,dann wurde er zierlich, und endlich gar majestätisch.Fruchtbar an regen Ideen kümmerte er sich dagegenum Dauerhaftigkeit wenig Er war der Erfinderder Kunst, Gewölber in Einem Wurf zn bauen,und brachte die von den Alten so gut gekannteStucco -Arbeit wieder in Uebung. Seine erst um1766. in einer Bibliothek zu Mailand handschriftlichaufgefundenen Aufsätze in Versen und Prosa sind