Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
705
JPEG-Download
 

Ligozio.

ungeheuern handschriftlichen Werke von 3 oHo.Bänden, welche anfänglich von der LurinerrBiblio-thek um 18,000. Scudi erhandelt wurden, wovonaber Nachworts ein Theil an das Haus Farnese kam,und gegenwärtig zu Neapel in Capo di Monte auftbewahrt wird. Masse,, Murarori und Span »heim führen diese Handschrift zum öfter» an; derletztre jedoch mit dem Urtheil, daß man sich aufdie Erklärung, welche L. von den griechischenDenkmälern gegeben, nicht verlassen dürfe, weil«s ihm an genauer Kenntniß der griechischenSprache gemangelt habe. Einzelne Abhandlungenvon ihm erschienen zu verschiedenen Zeiten; soz. B> Deskriptiv Villso l'iburtinss, tol. Uomse55i. c. k. 6e Lirci, l'estri et ^mbteatri etc.8". Venet. 558 . von Murr dann iklbl. ä. Point.I. 162.) behauptet nach Ueysler (I. ig 5 .), daßsich eine Nistoria plcturse et 8enlpturss von ihmunter seinen Handschriften zu Turin wirklich befinde.Fl0riUo ll. 19092. Auch Lanzi l. H 3 H. heißtden Ligorio einen unsichren Alterthumskundigen,aber guten Architekt, und Freekanten von einigemVerdienst; einen frechen Mann, der den Ricciarellihaßte, weil derselbe den Duonaroti hochachtete,und Salviati, weil dieser ihn selber geringschätzte ;daß er wirklich beyde von der ihnen vom Papst auf-getragenen Arbeit zu entfernen wußte, und beydedarüber, so gut als vor Kummer starben. Dannführt er von Oyrrhus etliche zu Rom gemalteHäuserfa^aden an, und im Oratorium von St.Johann dem Täufer den Tanz der TochterHerodis,dürftig gezeichnet und matt colorirk, aber mit guterPerspektiv und jenem Kleiderprunk ausgestattet,der sonst der venetiauischen Schule eigen ist. BeyMi'lizia I. c. heißt es: Man finde zu Rom vonihm allerley gelb in Helldunkel Gemaltes, dasMetall, oder gar Gold vorstellen soll- Gestochennach ihm haben Drambilla das ^viariumVarronis;Ungenannte: Die Stadt Rom (i 55 s.) und denPallast Lancelotti (i 56 o.) und endlich Ducchetti(i58i82.) verlegt: Lircus klannnius u. liiern,»Diocletian ».

* L1 g 0 ;, 0 (Hermann oder Johann Hermann),von der Familie des nachfolgenden Jacobs, und»nach den Lloßi 6ei pittori , vollends desselbenVater, obgleich Pozzo, der Mitbürger und Lebens-beschreiber von beyden, nichts davon weißt. AnVerdienst stand er Jacob wenig nach, wie ausseiner schon im Lex. angeführten Arbeit erhellet.

* (Jacob). Unter seiner Aufsicht (heißtes bey Fiorillo l. H57- conf. mit der Verbesserungim Reg. zu diesem Werke) wurde, in dem Zeit-raume von i 63 Zsg. die schönste aller sogenanntenFlorentinischen Musiv Arbeiten gemacht, welchenoch jetzt in der sogenannten Tribune zu Floren;bewundert wird. Allein sei» schon 1O27. erfolglerTod widerspricht dieser Notiz; offenbar; obgleichfreylich auch Baldinucci IX. 20. (wo er alleKünstler nennt, die an diesem schönen Werk Antheilnahmen) ausdrücklich sagt, daß die Friese darannach Ligozio's Zeichnung sey verfertigt worden;was sich denn mit der übrigen Geschichte der mehrgedachten Arbeit ganz gut vertragt; nur daß dieAufsicht über das Ganze sehr wahrscheinlich demJac. Aurell, gebühret, wie es bey Liorillo an-Anglich wohl richtig hieß. Als Maler war er dochwahrscheinlicher (wie Baldlnucci sagt) P. Vero-nese's, als hingegen (wie Masse, jenen verbessernwollte) Carotti's Schüler, da bey dem Tod diesesletztem Ligozio kaum drey Jahre zählte. DerVorzug, den ihm der Großherzog Ferdinand in derGalerie-Aufsicht vor allen Eingeborne» gab, machteihm (wie Lanzi 1 .2Z0. meynt, und solches seynaber auch nicht seyn kann) große Ehre. Schon inseiner ursprünglichen (Veronesischen) Schule hattedieser Künstler verschiedene Arbeiten geliefert, undbrachte nach Florenz eine Freyheit des Pinsels,ein machinoses Compomren einen Geschmack inVerzierungen und etwas Graziöses und Muntres,das dort sonst ungewöhnlich war. Seine Zeichnungwar schon richtig, und in Loscana ward sie es

Liliö. 70-

immer mehr; und seinem Colorit, ob es gleich nichtPaolo's seines w^r, mangelte es nicht an Wahrheitund Leben. Zu Alorenz sieht man mit Wohlgefallenseine 17. Lunetten im Kloster Allerheiligen , undbesonders jene Unterredung der beyden Stifter,St. Franzisc und Gt. Dominic. worunter er:Zur Beschämung seiner Freunde! d. h seiner Neider schrieb. Dies war seine beßte Arbeit inFresco. Weit mehr aber malte er in Oel für ver-schiedene Kirchen: So z. B. sein machinoses Ge-mäld in St. Maria Novells (St- Raimond, derein Kind von Todten erweckt), und im nämlichenGeschmacke die HH. vier Gekrönten, alle Scalzkzu Jmola, ei» so schönes Bild, baß man darinnganz seinen Lehrer Paolo erkennt, eben so wie inseinem Martyrkhnm von St. Dorothea bey denKonventualen zu Pescia; Alles ist darinn lebendigzum Täuschen, die Heilige selbst zumal, die aufihren Knieen in lieblicher Ruhe ihr Leben dahingiebt, und von den umstehnden Engeln die blut-besprizte Palme erwartet. Andremal ist er einfacher(wie j. B i» seinem St. Diego bey Allerheiligen,oder in den Engeln bey den Vatern Scopoli ), immeraber ein Künstler der gefällt, und zeigt, daß erfühle was er malt. Dann arbeitete er auch Vielesfür Privaten. In solchen kleinen Sraffcleygemäldenist er ganz vollendet, und ausgepinselt, wie wennes Miniaturen wären, worinn er ebenfalls eingroßer Meister war. DamL/i l. c. 2Z0Zi. Inverschiedenen Manieren gearbeitet nach ihm habenA. Andreani: Eine Madonna mit Ek. Franziscund einer Nonne (ein schöncrHolzschnikt, hellbraunabgedruckt und mit Weiß erhöht ; dann der Traumdes Lebens (eine von den Leidenschaften angegriffeneFrauensperson, ein ebenfalls in Holz geschnittenesbald grau, bald roth en Camajeux abgedrucktes,und, besonders ohne Namen der Künstler, seltenesBlatt); P. Custos einen todten Christ von einemEngel gehalten; Aug. Carracci eine Madonna imhalben Monde (die unbefleckte Empfängniß); P.Jode eine Maria Magdalena , I. Müller einentodten Christ auf dem Leintuch (ein schönes Blakt);Pomarede des Künstlers, Bildniß in der Florent.Galerie; I. T- Prestcl den Sieg der Tugend überdas Laster in Zeichnungsmanier mit Gold erhöht;I. Sadeler eine Madonna in den Wolken (einartiges Blatt); R. Sadeler eine Madonna in derGlorie, und ein Ecce Homo. Andres, uns Unbe-kanntes, D. Falcine, Th. Galle, und Ph. Lho-massin. In neuern Tagen Joseph Bürde zu Prag :Einen Kreuztragenden Heiland, u. s. f. Die ge-nauere Litteratur über mehrere der obgenannten s.in den Katalogen von LVmkler und Brandes.Bey dem erster» finden sich ein Paar Blatter , Sievon ihm selbst herrühren könnten; wie z. B. eineH. Familie, die Mutter an einer Säule sitzend, mitSt. Anna u. s. f. in Holz geschnitten, und in gelb-lichtem Helldunkel abgedruckt. Zuverlaßiges abervon leinen eignen Gravurarbciken, in mehrernManieren, deren die Geschichte bloß überhauptErwähnung thut, ist uns nichts bekannt.

* Liliö (Andreas). Die einen hielten ihn füreinen Schüler, die andern bloß für einen Nach-ahmer von Barozi; lctztres war er mehr im Coloritals in allem klebrigen. Er arbeitete meistens inFresco, bisweilen in Gesellschaft von Urbino , undstarb unter der Regierung Pauls V. 55 Jahie alt.Häuslicher Verdruß machten, daß se.ne Kunst all-mälig in Abnahme gerieth. Ancona besitzt ver-schiedene seiner Frescogemälde von ungleichemWerthe. Auch in Oel siebt man von seinen Bilderna Paolotti, bey St Augustin, und in der dortigenSakristei) einige Geschichten von St. Niclaus,welche sehr gerühmt werden. Eines seiner größtenWerke sind feine Alle Heiligen im Dome zu Fano ,ein Bild von sehr zahlreiche» Figuren, wohl ge-ordnet, und im guten Bacoccischeu Gochrnactewenn nicht gezeichnet (? , doch colonrt. Laux» I.H80. Don den nacv ihm gestochenen Blätternwissen wir keines namentlich anzugeben, ausser einim Winklerschen Katalog angeführtes großesXxxx