Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
810
JPEG-Download
 

8io M'azzoli.

von man die von vielen Fabeln gereinigte seltsameGeschickte eben vornehmlich bey Affo nachlesenmuß. Francesco starb bald hernach 3 ?. Jahr alt,gerade wie sei» Rap-ael. So weit Lanzt II.322 25 ., und, wir möchten sagen, auch unsreeignen Gesinnungen überMazzoka. Aus Ftorillodann I. c. folgende zerstreute Bemerkungen. Unterdiejenigen seiner ausgezeichneten Werke die er vorseiner Reise nach Rom gemalt, zahlt dieser Schrift-steller seine Madonna mit dem Kinde, und dieHH. Hieronymus und Bernardin von Fcltri in derKapelle des Klosters della Nunziata zu Parma (ohneZweifel das nämliche, welches Langt oben einenSt. Bernardin nennt); dann eine Beschneidung,die er mit sich nach Rom genommen, und welchenachwerts an Carl V. gekommen); an dieser be-wunderte vasart besonders die Beleuchtung durchdrey verschiedene Lichter); endlich sein eigenes Bild-nis', das sich in der Galerie zu Wien befinden soll.An seinen spätern Arbeiten wahrscheinlich gehörtseine Madonna della Rosa, jetzt in der Dresdner-Galerie. Ob wohl sein r 53 o. nach dem Lebengemalter Carl V. der hundert Jahre nachher beyder Plünderung von Mantua verloren gieng, nochirgendwo erhalten sey? Das eigentliche vonmchrern Galerien vindizirte Urbild des oben ange-führten Cupido dann will Ftortllo l. c. 28890.dem Correggio zueignen, und zu Wien finden; der-jenige zu Paris namentlich hingegen dürfte eineCopie unsers Francesco seyn. Aus seinem Privat-leben, so wie es F. aus den Quellen erzählt, nurnoch Folgendes. Bey dem Sacco di Roma blieber an seiner Staffeley sitzen, und kaufte sich vondem Anführer der ersten Soldaten, die auf seinZimmer drangen, mit etlichen Zeichnungen los;ein zweyter verlangte dann freylich die Börse. Daßihm, wievasart u. a. behaupten die Alchymie bey-nahe den Kopf verrückt, hat bekanntlich LarloDolce vornehmlich (QisloAo üella pitturu) kräftigwidersprochen, und vielmehr behauptet, daß esvielleicht Wenige gegeben, die mit so philosophi-schem Geiste den Reichthum verachtet hatten, wieder Unsrige. Ein Paar strengere Richter wie dieoben vernommenen über ihn, als Künstler, hörenwir nun ebenfalls an.Parmesans " (heißt esbey Füßlt II. 909,.) hatte eine sehr lebhafteEinbildungskraft, viel Gefühl für Anmuth undGrazie, aber einen flüchtigen Geist, der ihm nurselten gestattete, der Wahrheit nahe zu kommen.Er erfand und componirte mit ungemeiner Leichtig-keit, und hierin suchte er den Raphael nachzu-ahmen, in dessen Geschmack er seine Gruppen an-zuordnen , und die Wendungen seiner Figuren undKöpfe zu richten suchte. Er blieb aber hierin nurbey dem Oberflächlichen, und gelangte niemalsan die tiefe Gründlichkeit jenes großen Meisters.Letzterer zeichnete in einem großen Geschmack, aberselten mit genauer Richtigkeit, und pflegte seineFiguren gerne in das Lange und bisweilen in dasSpindelförmige zu ziehen; doch weit mehr in seinenHandzeichnungen, als in ausgearbeiteten Gemäl-den. In seiner Anwendung des Helldunkels bemerktman das Studium nach Correggio , aber auch nurmit der ihm eignen flüchtigen Ausübung. DieCharaktere seiner Figuren sind selten genug be-stimmt, und sein Ausdruck der Leidenschaften rstnicht immer mit der gehörigen Ueberlegung aus-geführt, und oft übertrieben; seine Gewänder habeneine ganz besondre Leichtigkeit, aber kein ange-nehmes, noch weniger ein wahres Faltenspiel;und seine Färbung hat einen grünlichen Ton. ImGanzen betrachtet hatte Parmesan ungemein vielEmpfänglichkeit für das Schöne in allen Theilender Kunst, aber «inen zu flüchtigen Charakter, umdurch tiefes Studium in einem derselben die Wahr-heit ganz zu erreichen. Inzwischen war er immer«in Maler von großem Geschmack, und wußtefeinen Werken eine ihm ganz eigene Grazie undgefällige Leichtigkeit zu geben," u. f.f. Ungefehreben so sprechen warelee und I'Evesque vonihm:Seine Zeichnung" (lesen wir da)hatteBiegsamkeit; aber sie ist manierirt; oft sündigt er

M a z; 0 l i.

gegen ein richtiges Ebenmaaß, und man fühlt,daß er die Natur wenig zu Rathe zog. SeineFiguren, anstatt naive Grazie zu haben, scheinensich Grazie geben zu wollen; er studirte diejenigedes Correggio , welche selbst noch nicht die wahreist. Er wiederholt oft die nämliche Gestalt undMiene der Köpfe, die nämlichen Proportionen.Bisweilen drappirt er gut, aber oft sind seineFalten zu pausbackigt (bou-lmös). Sein Coloritwar bald lebhaft, bald hart (?), bald schwach, seltenwahr. Er beschäftigte sich weniger mit den» Schick-lichen seines Gegenstands, als kurz damit, ange-nehme Figuren zu drechseln; minder, ihnen Aus-druck zu geben, als sie in schmeichelnde Stellungenzu setzen. Seine Gedanken waren gemein, und dieLeidenschaften hatte er wenig siudirt." Daß übri-gens all'dieser Tadel, nur unter etwas veränderterGestalt, mit dem obigen beschränkten Lobe nochziemlich übereinstimmt, sieht jeder Verständige ein.Etwas minder witzig, aber dafür desto wahrerendlich heißt es bey Landon (Annal. I. 171'2.):parmesano's Manier ist sehr lieblich. SeineErfindungen sind leicht und glücklich; doch opferteer manchmal den wahren Ausdruck der Anmuthund Lieblichkeit in der Zeichnung auf, und füllteoft seine Gemälde mit Gegenständen, die sich nichtwohl zum Ganzen reimten. Seine Gedanken sindnicht erhaben. Man könnte ihm überhaupt vor-werfen, daß viele seiner Werke mehr blendend alswirklich schön sind; doch haben alle einen gewissenReiz, der dem Auge ungemein schmeichelt. Erscheint die Natur nicht genugsam studirt zu haben,daher man auch so wenig Mannigfaltigkeit in seinenWerkes findet. Seine Zeichnung, obgleich kunst-reich , ist doch manierirt. Die Aussentheile pflegteer niedlich, klein, etwas zu schlank zu malen.Seine Stellungen sind edel, mannigfaltig; seineKopfwendungcn sehr angenehm, seine Gewänderleicht, oft fliegend, wodurch die Figuren ein vor-zügliches Leben und Bewegung erhalten; oft abersieht man keinen hinlänglichen Zweck zu dieser Be-handlung. Mit den Falten war er ungemein spar-sam. Deswegen haben auch die Theile, die dieGewänder bedecken, ein großes breites Ansehen;seine Mitteltinten sind breit gehalten; seine Farben-gebung aber hat etwas gemeines, und ist nichtimmer Vortheilhaft gewählt." Und nun noch unserFrancesco, als Etzer.Ungeachtet man ihm"(heißt es bey kvoft lll. 16062.)die Erfindungdes Radirens zuschreiben will, so ist diese Meynungdurch Dürers und Andrer Arbeiten längst wider-legt. So viel ist hingegen gewiß, daß er unterden Italienern einer der ersten war, der sich dieserManier bediente, um einige seiner Zeichnungen inUmlauf zu bringen. Aus seinen diesfälligen Ar-beiten sieht man, daß er sich auch hierin ganz seinereignen Vorstellung überlassen, und übrigens fremdmit der Behandlung dieser Kunst gewesen ist. Ohnealle Regeln und Ordnung suchte er daher seineSchraffirungen so lauge durch einander zu werfen,bis er die Wirkung seines Gegenstands heraus-brachte. Allein mit alle dem herrscht in seinenBlättern ein großer Künstlergeist, der solche jedemwahren Kenner schätzbar macht. Nur gelingt esselten, von denselben achte Abdrücke zu finden;und wenn die aufgearbeiteten Platten in der Be-handlung (bisweilen!) besser sind, so ist dagegenin denselben jener Geist verschwunden. Dafürfindet man einige Copien derselben, welche schwervon den Originalen zu unterscheiden sind. Vonden letztern hatte Marterte an die roo. gesammelt.Nach einigen hatte er auch in Holzplatten gear-beitet; allein, einen großen Theil dergleichen tref-licher Blätter hat er bloß unter seiner Aufsicht,nach seinen Zeichnungen, in Helldunkel, von daCarpi (und zwar besser, als dieser, ihr Erfinder,solche sonst herausgebracht), dann von Andreani, daTrento u. a. ausführen lassen. Da Jacob pal»»»einige seiner Arbeiten, gleich Parmesans, miteinem k. bezeichnete, werden sich Liebhaber nichtirre leiten lassen; die mechanische Behandlung deserster» ist zwar ebenfalls leicht und Süchtig, aber