896 Mviige;.
55 . für gut fand, die Künstlerin dagegen in Schutzzu nehmen, daß sie z. B. Andromache nicht —auf Unkosten der Schönheit — grimmig bös darrstellte (aus dem Abrisse zu urtheilen, that sie ander Sache noch eher ;u viel), sondern sie, alsWittwe eines Helden, noch immer die Würde einersiechen beybehalten ließ. Dort rühmt dann auch ernoch besonders die wahrhaft historische Comvosttiondieses Werkes; und beschränkt nun gar seine Critikdarauf: Daß die Drapperie, auf Unkosten derFestigkeit, allzuzan ausgemalt sey; dann daßüber den kleinen Astyanax ein frischeres Licht aus-gegossen, und die Fernen duftiger seyn sollten; undrühmt endlich noch (wohl auch keine Neben-sache) die liebenswürdige Bescheidenheit der Ur-heberin, bey so viel Talenten, die sie an diesemihrem ersten Hauptwerke erwiesen hatte. Von ihremzweyten Hauptbilde: Alexander, weinend bey derLeiche des Darius, welches im Salon des I. Xlll.aufgestellt wurde, liest man dann ebenfalls beyFlorlHo l. c. das Ganze sey in einem großen Stylausgeführt, und nur das Colorit etwas hart; undbey Landon Ann. VI. 122—54. »Wenn diesemGemälde gleich manche Fehler vorzuwerfen sind,und der strenge Kunstrichter den Ausdruck kalt, dieStellungen oft theatralisch, die Farbengebung et-was roh, und im Ganzen (heißt es auch hier) einezu sclavische Nachahmung ihres großen Lehrersfindet, so ist doch die Wahl des Gegenstandes glück-lich, der Styl und der Geschmack der Zeichnunggut, und man kann mit Recht fragen: Welche an-dere Schule hat solche Werke, von weiblicher Handgeschaffen, auszuweisen " ? Noch gründlicher aus-geführt ist seine Critik darüber in den iVönv. chrIII. 276—77. wo, neben Andern«, gerügtwird, daß Darius (noch so kleiner) Sohn, wahrenddem seine Mutter mit dem Tode ringt, mit desVaters Diadem spielt. Dort wird übrigens,wenigstens der Ausdruck der in Ohnmacht versin-kenden Königin gut gefunden. Jetzt schien unsreKünstlerin ausgeruhet zu haben, als man auf demSalon von 1806. von ihr eine dritte Arbeit: Theseus und Pirithous, welche zwey Frauenspersonen ausden Handen von Straßenräubern befrcycn, erblickte.Ueber dasselbe fallt der pausamas .sran^ais, mitaller Achtung für das Geschlecht, und eben so fürdie wirkliche Kunst der Madame Mongez, seinUrtheil wesentlich wie folgt: „Ueberhauvt bemerkeman, daß sich die Künstlerin nie recht gehörig aufdie Kunst der Composnion vorbereitet habe «.wasdann naher ausgeführt wird) Daher mangle esdiesem Bilde vörderst an Einheit der Handlung.Dann seyen die Charaktere zu einförmig. Einer oerRäuber lächle — vermuthlich über die ungeschickteArt, wie Pirithous ihm seine Beute entreißen will.Hiernächst seyen die Figuren wie nach dem Rundengezeichnet, und kleben dann doch zu sehr an demGrund. Aus übertriebenem Anstandsgefühl fernerseyen die Personen so gestellt, daß man dieiCharaktereihres Geschlechts nicht erkennen könne (woraus derarge Schluß gezogen wird, entweder sollten Künst-lerinnen dergleichen Gegenstände den Männern über-lassen , oder u s. f. Auch an der Landschaft undden Drappcrien wird allerlen gerügt; endlich aberdem Ganzen doch das Zeugniß gegeben, eö sey ingroßem Styl gezeichnet und eben so fest als sorg-fältig ausgeführt; die Frauenköpfe darin seyen fast— schön, der Haupkton harmoniens; der Kopfdes Räubers zur Rechten habe wirklich einen kreflichkernhaften Ausdruck" u s. f. Fast noch ärger machtes ein Kunstrichter in Meusels Archiv II. 5 .92. 9Z wo es z. B. heißt: „Theseus zu Fuß ver,folgt einen der Räuber der zu Pferd in gestrecktemGalopp entflieht, und — bedroht ihn mit einemKeulenschlag. Das Mädchen wirft sich in die Armeihres Befteyers, und placirt sich darin so malerischals möglich. Der andre Räuber drappirt sich zumTheil mit dem Shwal feiner Schönen, u. s. f.Der Ausdruck von Alle diesem ist kalt und dasColorit noch kälter; doch sind einzelne Theile indiesem Bilde stark und schön gezeichnet, und manerkennt das Studium der Antik« darin." In rüos.
Mongin.
befand sich unsre Künstlerin unter der Zahl der-jenigen ihrer Kunstgenoffen, welche gegenwärtigwaren, als der Kaiser den Salon besuchte. Indiesen gab sie abermals ein. mit 12. lebensgroßenFiguren angefülltes Bild von i 5 " in die Länge undi2" in die Höhe: Orpheus , der durch sein Spielvon den Richtern der Unterwelt seine Euridice zu-rückfedert. Amor rührt mit ihm die Saiten; Pro-scrpiua, an des ernsten Pluto s Seite, stützt ihrenschönen Kopf auf ihre Linke, und scheint in süßeErinnerungen der Vergangenheit und melancholi-sches Nachdenken über solche Starke der Liebe ver-tieft. Auch Orpheus Gestalt ist lieblich „DieKünstlerin " (heißt es im Tüb. Morgenbl. 1808.S. ii 5 i.) »verräth viele Phantasie, wenn gleichan Composition und Colorit manches zu tadeln ist.Schade ist es, daß sie, gegen die Mythologie,nur Eine Parze schön malte, und der Atropos eingrinzendes Fratzengesichr gab, um ihren Aerger überden Stillstand ihrer Arbeit zu versinnlichen." Nochausführlicher spricht darüber Landon in seinerBeschreibung des neuesten Salons S. 91—92.Vörderst stellt er überhaupt seine Betrachtungenüber diesiets zunehmende Zahl von weiblichen Künst-lern an, welche seit einigen Jahren sich mit denmännlichen auf den Kampfplatz wagen, und giebtdiesen Kunstamazvnen leise (und der unsrigen zumalsehr höflich: „Da sie den Ruf habe, Lob mit Be-scheidenheit zu empfangen") zu verstehen, baß siesich somit auch der Critik zu unterwerfen hätten.Alsdann läßt er der Dame Monge; (die unterallen jenen Künstlerinnen schon mehr als einmal diekühnste Rolle übernommen hätte) alles gebührendeRecht widerfahren. Ihr diesmaliger Gegenstanderheische nichts Geringeres als den ganzen Reich-thum einer poetischen Ader, ein Gefühl des ideali-schen Schönen um die Wahl ihrer Formen zu leiten,das gehörige Ebenmaaß im Ausdruck, und gestatteüberhaupt eben so wenig etwas Schwaches, alsetwas Alftuschrcyendes. Die meisten dieser Be-dinge habe sie erfüllt; und »och mit weit Wenigen»hätte ihr Werk Aufmerksamkeit erregt. Wohl ge-wahre man einige Ungleichheit in der Ausführung;aber man erkenne darin einen gebildeten Geist, einengereinigten Styl, und besonders in den Contourendes Nackten jene Meisterhaftigkeit, die von einervortrefiichen Schule zeugt. Die Figuren des Amors,der einen Parze, des Pluto und der Proscrpina,durfte jeder geschickte Maler für die seinigen er-kennen. Die Carnalion dann zieht ein wenig aussGraue oder Violette, und vielleicht ist der Farben-ton überhaupt etwas kalt; aber im Ganzen sowohlals in den Theilen findet man ein Relief von seltenerKraft. Zu bedauern ist endlich , daß die Hauptfigurdes Orpheus eben nicht die gelungenste ist. Auchdieses Bild befahl der Kaiser, zu kaufen".
Mongin ( ). So heißt ein uns sonst
unbekannter Kupferstecher, von dem man zweyBlätter kennt, welche das in 1690. an der Küstevon Dezeoiers gelieferte Seetreffen darstellen.
— — ( ), ein geschickter französischer
Gattungsmaler, neuester Zeit. Von ihm besaß dieGesellschaft der Kunstfreunde zu Paris einen Ro-binson auf seiner Insel. In 1L01. fiel dieses Bilddurchs Loos an den Maler van der Burk. iVorm.
1 . Z69 Dann sah man von ihm auf derAusstellung von 1802. den Duell von zwey Offi-zieren, mir der Alles erklärenden Unterschrift: „Sietödten sich mit dem Schwerdt, das ihnen zumSchutze des Vaterlands verliehen ward." Wergern stark gerührt seyn wollte, konnte sich kaum vondemselben entfernen, und man pries daran nebe»der Hauptsache «.dem Gedanken- eben so sehr dieschöne Ausführung: Ausdruck, Colorit, und einharmonisches Licht- und Schattenspiel. -Vor«-, äsll. 55 . Auf den Salon von i8ub. gab erwieder zwey Gegenstände auö Robinson: Einmaldessen Schreck, als er am Ufer Spuren von einemMenschenfuß entdeckte; dann seinen Sieg über dieMenschenfresser, von denen er den Unglücklichenbefteyt, den er sodann Freytag taust; beyde werden