Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1033
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P a r roce l.

* parrocel (Jgnatius), der altere, Lud-wigs Sohn, geb. (nach v hecheln) 1O88. Vonihm besitzt die Galerie zu Wien acht Bilder, wor-unter sechse die vornehmsten Feldschlachten desPrinzen Eugens vorstellen (der Entsatz von Turin besonders merkwürdig); zwey andere die Galeriezu München . Wahrscheinlich nach ihm sind zweySchlachtenstücke, welche um 180Z. von einem unsunbekannten Künstler colorirt und aufgehöht (n. st.)erschienen waren, deren in der AUg. Runstz. 8°.S. 288. rühmliche Erwähnung geschieht.

* — — — — — der jüngere, PetersSohn, dessen im Lex. unter dem Art. seines Va-ters Erwähnung geschieht, hieß, nach Einigen,Joseph Ignatz, geb. zu Avignon , und gest. zuParis 1781.76. 1 . alt. Gault de Saint-Germain(S. 270.) heißt ihn kurz einen sehr mittelmäßigenMaler, der im Salon von 17Hz. ein großes Bildder Dreyeinigkeit ausgestellt habe.

* — — (Joseph), Bartholome's jüngererSohn, verlor seinen Vater als ein zwölfjährigerKnabe, und gieng hierauf nach Languedoc , umdaselbst unter der Leitung seines altern Bruders,Ludwigs, zu studircn*). Als er, nach mehrcrnReisen, nach Rom kam, wirkte der Anblick vonBourguignon's Schlachten so stark auf ihn, daßer sich dessen Gattung widmete, und es auch inkurzer Zeit sehr weit brachte. In der Folge lebteer viele Jahre zu Venedig , studirte die dortigengroßen Coloristen, und würde sich daselbst auf im-mer niedergelassen haben, wenn ihn nicht die Eifer,sucht einiger Kunstgenossen von dort vertriebenhätte; denn einst rettete ihn nur seine Tapferkeitaus den Händen von Banditen, die ihm bey derBrücke von Rialto aufgelauert hatten. Nach sei-ner Rückkehr in sein Vaterland scheint er le Drun'sGunst nicht sehr, dafür aber nur desto mehr die-jenige des Ministers Louvois genossen zu haben,der ihm einen der vier großen Epeisesäle auxInvalides zu malen auftrug, wo er verschiedeneSiege Ludwig XlV. schilderte. Diese Arbeit fand»„gemeinen Beyfall, und verschaffte ihm bereitsmehrere Aufträge, als Louvois starb; wo dannMansard die Oberintenden; der Gebäude erhielt,und nun (aus Rache, daß ihn der sich unabhängigfühlende Künstler eines Tages, wegen verweigerterBezahlung vor Gericht lud, sich einen Verhäfts-befehl gegen ihn geben und seinen Wagen arretircnließ) Alles — doch vergebens versuchte, parro-cels Werke dem Könige aus den Augen zu rücken.Als der Monarch von seinen! Rhein -Ueberganghörte, und dieses Bild durchaus sehen wollte,fand er es so «ach seinem Geschmacke, daß erparrocel sofort befahl, nun auch den Speisesaalzu Versailles mit seinem Pinsel zu schmücken..Fro-rrllo IU. 274—75. Dort heißt es von ihm:„Seine Zeichnung ist zwar nicht verwerflich, dochkann sie eine strenge Prüfung wenig aushalten;dagegen wußte er Lichtstrahlen und Contravostemeisterhaft zu behandeln- Wie er auf die selt-same Idee gerieth, einige seiner Bilder nicht nurmit Gold zu verzieren, sondern auch Helme u. a.Waffen, die er darauf anbrachte, mit gefärbtenSteinen zu besehen, ist unbegreiflich." Von vander Meulen, den er zu kalt fand, war es, daßparrocel sagte : „Dieser Maler weiß seinenMann nicht todt zu machen. Er hingegen gab(wie wareler bemerkt, besser als kein andererMaler) seinen Figuren die Bewegung und denAusdruck des Muths, den er selbst, wie wir obenvernommen, persönlich erwiesen hatte. Er war(heißt es bey Dandre Bardon ) nie den Kriegs-heeren gefolgt; aber sein Genie und sein Charak-ter ersetzten ihm alles das, was er nicht gesehenhatte. Seinem Meister Bourguignon glich er injeder Rücksicht, und übertraf ihn noch durch seinefeurige Farbe. Von ihm, auch als Geschichts-maler, sieht man: Einen in der Wüste predigen-den Johannes, in Nvtre Dame zu Paris ; anderes

«) Das Ler. sagt: »bey einem seiner Brilber." Es

Parrocel. rozz

im Schlosse zu Versailles , bey den Invaliden,im Hotel de Toulouse u. s. f. Geistreich geätztvon ihm selbst kennt man, neben dem schon imLex. von ihm Bemerkten, unter dem Namen derTagszeiten: Das Lager, die Halte, die Schlachtund das Schlachtfeld; dann noch vier andereSchlachtenstücke. L 4 ach ihm dann, neben Andern»:David, mit Goliaths Haupt und Schwerst vonI. L. Roullet ; eine Kreuzigung von N. H. Tar-dieu; das Schlachtfeld von Senef und die Schlachtbey Cassel von uns unbekannten Meistern u. s. f.Da er die Wissenschaften liebte, versuchte er auch.Dichter zu seyn, was ihm aber nicht gelingenwollte. t?a«(t cle §t. t?rr-,/ar» X. 120.

* parrocel (Ludwig), Barrholoniö's älte-rer Sohn, ließ sich zu Avignon nieder. Das Lex.gedenkt seiner bloß beyläufig, als ersten Lehrersseines jünger» Bruders Josephs. Fiorillo III.276. Auch wareler scheint ihn zu den — we-nigstens rühmlosen Künstlern zu zählen.

* — — (Peter), geb. zu Avignon . Derselbewidmete sich der Geschichtsgattung Seine vor-züglichsten Arbeiten siehet man dort, in Languedoc und in der Provence. Zu Avignon in der Ka-pelle der Weißen Büßer drey große Bilder.- Denwunderbaren Fischfang, die Auferstehung und dieHimmelfahrt. Sein Kapitalwerk indessen soll sichin der Nonnenkirche St. Maria zu Marseille be-finden : Eine Krönung der H. Jungfrau durchdas Kind, wovon es bey de /onrenay heißt,daß solches eine graziöse Zeichnung und Colo-rit mit den Reizen des angenehmsten Effektesvereine. Eine Tygerjagd von ihm soll sich (nachM Oesterreich) zu Charlotkenburg befinden,welche aber wohl weit wahrscheinlicher Carl p.zugehört. Von L. Desplaces kennt Man ein Blatt:St. Clara auf den Wolken getragen und von En-geln umgeben; zu ihren Füßen der gestürzteDrache,welches Einige für ein Bild von diesem Künstler,Andere hingegen für die Arbeit von I. B. Gaulihalten. Heinecke (lciös ßenörnle p. 170.) sagt:Er sey der einzige parrocel, der nicht auch geatzthabe. Dagegen finden wir in einer unserer Hand-schriften, unter den Stechern des Museums Eapi-tolinums (fom. 1. liomse 74» ) einen pererparrocel ausdrücklich anzeigt, welcher aber kaumder unsrige in »729. verstorbene seyn kann 7

* — — (Stephan), pererparrocelszwey-ter Sohn, der im Lex. unter dem Namen seinesVaters erscheint, Maler und Kupferstecher, geb.zu Paris um 1720. lebte wahrscheinlich noch ge-gen dem Ende seines Jahrhunderts. Als Kupfer-stecher kennt man von ihm z. B. ein Bacchanalvon eigener Erfindung; dann den Triumph vonBacchus und Ariadne nach P. Subleyras, unddenjenigen von Mardochai nach I. F. de Troy.Nicht unwahrscheinlich ist es, daß dieser es sey,der in dem Pariser-Salon von 176b. zwey Bilder(Cephalus Aussöhnung mit Procris, und Cephä-lus tobtet die Procris) aufgestellt hakte, von wel-chem es aber bey Diderot (S 253 .) leider! heißt:„Haben Sie etwa schon in Easihöfen Copien nachgroßen Meistern gesehen? . . Nun, gerade dasist's. Aber, still davon! Er ist Hausvater dieserparrocel, der eine Frau und fünf bis sechs Kin-der zu nähren hat, und dabey mein Nachbar, undein guter Mann oben drein, der, wie es heißt,einiges Talent für die Dekoration besitzt. Er sahmich im Salon, und sagte: » Was denken Sievon meinen Bildern?" — „Je, je, Ihre pro-cris gefällt mir, sie hat schöne große Brüste." —„Nun ja, das verführt, nicht wahr?" ... Zieh'sich einer besser aus der Sache, wenn er kann."Gestochen nach ihm hat, neben Anderm Wille:Das Bildniß des Kardinal-Erzbischofcn von Lyon,Peter Tencin's töandeUini macht aus diesemStephan und seinem Vater perer Eine Person;nennt ihn nämlich: „Perer, oder, nach Andern

aber kein anderer solcher, als Luden >g bekannt,cr q q q g g