Perrault.
Ein glücklicher Zufall entwickelt« sein Genie fürdie Baukunst, als er nämlich von dem MinisterColbert den Auftrag zu einer Uebersetzung des Vi-truvs erhielt. Seine erste öffentliche Arbeit war(1667.) das Observatorium zu Paris , welche-indessen Bailly (Astronomie moserne) vielmehrein Denkmal der Größe als ein nützliches Werknennt. Die Wahrheit der Anekdote: Daß, alsBernini von Rom berufen wurde, und man ihmdie Risse vorlegte, welche perrault von der Fa-<;ade des Louvre entworfen hatte, die Vollkom-menheit derselben ihm das Geständniß soll abge«nöthigt haben: „Daß man ihn nicht brauche, woman man solche Männer besitze", wird von Fio-rrllo III. 24Z. nach historischen Quellen, welchedes Römers stolzes und alles Andere verachtendeBenehmen in Frankreich ins hellste Licht setzen,billig bezweifelt. Wie dem aber immer seyn mag,so wurde am Ende perrault« Entwurf von demMinister wirklich angenommen (und nicht bloßBernim's, sondern auch Rainald»'« und p. von«torrona ihren vorgezogen); und so entstand deredelste unter allen Pallästen in Europa . Daß hiernächst Carl perrault zu diesem Vorzug, den seinBruder erhielt, wie Fiorillo vermuthet, ebenfallsdas Seinige beytrug, ist wieder ein Anderes, waSwir lieber bezweifeln Die Ausführung wurde L.le Veau und F. o'Orbay aufgetragen. Merkwür-dig dann ist, wie selbst noch in unsern neuestenTagen das Louvre wesentlich nach keinen andernals perraulr's ehemaligen Rissen vollendet wurde;und ein guter Aufsatz im Tüb. Morgenbl. 1808S. 747. bemerkt: Daß man — sehr wohl daranthat. Wie mit der Fa^ade deS Louvre, geschah<6 auch (1670.) mit einem Triumphbogen, denman, nach der Eroberung von Flandern und Franschecomtö, zu Ehren des Königs errichten wollte.Abermals erhielt nämlich p. Entwurf den Vor-zug vor denjenigen von le Brun und le Veau,wurde aber in Stein nur bis an die Piedestaleder Säulen, das übrige bloß in Gyps ausge-führt; vollendet (glaubt d'Argensville) hätte eralle ähnlichen Denkmäler des Alterthums über-troffen, und das Steinwerk daran (welches Per-raulr einer Vorrichtung der Alten abgelernt hatte)war von solcher Stärke, das, als man es unterdem Herzog Regenten abbrechen wollte, man eszerschlagen mußte. Das ganze indessen kennt manglücklicher Weise noch aus dem Stiche von le Clerc.Bon seinem außerordentlichen Talente dann, Architeklur zu zeichnen, zeugen die Blatter zu seinem über-setzten Mtruv , ver zuerst in 1678. und eine zweyteAuflage in iV8j. erschien. Neben dieser gelehrt nArbeit kennt man noch von ihm einen kurzen Abrißdes nämlichen Schriftstellers und ein drittes Werk:Oräonnsnce «les cinq especes «le colonnos selonl» metkoäs «les Hamens. Gerügt wird an diesenSchriften sein Vorschlag zu einigen Aenderungenan den Säulenordnungen der Alten, welche auchseither von Niemand angenommen wurden; undvor Allem aus das unbegreifliche Paradoxon inder Vorrede zu dem größer» Vicruv, daß dieWahl der Materie und die geschickte Ausführung,keineswegs aber die Ebenmaaße die Schönheiteines Gebäudes ausmachen. d'Argensville be-hauptet, daß perrault diese Kunstketzerey ledig-lich aus Widerspruchsgeist gegen Blondei, derin seinem Cours cl'Hrtchitocture die Grundsatz«des erstem eben über die — Ebenmaaße angegrif-fen , auf die Bahn gebracht habe. Allein auchin der Schrift: Orlionnanco «los cing espvc-eserscheint solche neuerdings. Ebenfalls d'Argens-ville , in seiner Biographie unsers Künstlers(Viv «le, f-uneux 8culpteurs et HrclntecterI. Z82—96.) beurtheilt dann gegen dem Schlußderselben noch ausführlicher seine namhaftestenBauten, und verhehlt auch ihre wenigen Gebre,chen (wie z. D- das allzukleine Maaß dertzauptporte des Louvre) nicht Daß ein Mann,wie perrault, Feinde und Neider hatte, verstehtsich von selbst. Der ärgste war sein Kunstgenossed'Orbay, welcher dem Dichter Boileau Schwarz
Perret. ro6l
auf Weiß beweisen wollte, daß die Fa«;abe von p.vbgenanntem Hauptwerke eine Erfindung seine-Lehrers le Veau, und nicht des Claudius sey,was aber Despreaux, so wenig er sonst dem letz-tem hold war, nur nicht hören mochte. Unge-fähr eben so, wie d'Argensville, spricht auchMilizia (L8. tem. n. 2^9—53.) von unsermKünstler; läßt ihm alle die hohe Ehre, welchesolchen Verdiensten gebührt, aber findet es des-wegen nicht minder lächerlich, daß er das korin-thische Capital mit — Straußenfedern verziert habe.Noch wird dort die Sage bemerkt, daß man per-rault die ersten Plane für Errichtung der Akade-mie der Malerey, Bildhauer - und Baukunst zuverdanken habe. Daß sein Tod der Zergliederungeines an ansteckender Krankheit gefallenen Kamecls,welcher er beygewohnt, zugeschrieben wird, ist be-kannt Eine artige Anekdote, was unser Künst-ler eines Tages Colbert erwiederte, der es bedau-erte , daß er in seiner Jugend nicht zeichnen ge-lernt, um ihm jetzt seine bloß dunkeln Ideen nichtklar machen zu können, erzählt der Verfasser bestllialoAue entre I'ombre üe Colbert, le louvreet lr Viile «le ?sr,s (p. 126.). „Sie stehen"(sagte ihm perrault) „in großem Irrthum. Füreinen Minister, und für einen Souverain nochmehr, ist es ein wahres Glück, wenn er sich un-fähig findet, die für ihn so kostbare Zeit mitKritteln von Entwürfen zu verlieren, die nicht-nutzen können, da es ihm doch immerhin an Kennt-niß d?r großen Hauptgrundsätze der Kunst, undvollends an aller Praktik gebrechen muß" u. s. f.Don ihm ist auch die Erklärung des sogenannten:Csbinet «les lleaux Hrts per. in ?ol. ?aris 690,
perre (Johann de, oder Johann von der),ein Maler zu Leipzig , der dort ungefähr in denI. ibo 4 —18. blühete- Um ibo 4 - heißt es von ihmin I L. von Dreybaupr's Beschreib desSaalkreises (2. Thle. Halle 775. Fol) l. 1084.daß er zu Halle im Saalkreise die von v. S"-bermann verfertigte neue Decke der St Moritz-kirche auf Alabasterart weiß gemalt, mit Glanz-gold vergoldet, und dafür 210. Thlr. erhalten habe.Zu Leipzig dann befinden sich von ihm in dem dor-tigen großen Fürstencollegium mehrere Gemäldeauf Leinwand; wie z. B. Luther, Melanchthon,der Kurfürst Moritz u. a. m. (zum Tbeil mit ). «le?. f. bezeichnet) ; in der Johanniskirche Evitarphiengemälde der Meyerichen Familie rc. I. C-Böcklin hat, neben andern, den berühmten säch-sischen Oberhofpredigsr Matthias Hve ab Hokeneggnach ihm in 8° gestochen; die Zeichnung diesesBildnisses zeigt keinen schlechten Vertrag, ä'tkjv-nee tuserip. Cips. p. 194 Zu. u. is Auch vonThoenerl kennt man nach ihm auf einem nichtgroßen Blättchen das Bildniß des I- O vonMünsterberg , ersten Rektors der Leipziger -Uni-versität gestochen, wovon sich das Original wahr-scheinlich ebenfalls auf der Universitätsbibliothekzu Leipzig befindet.
perrenot (Johann) und perber vathierkommen 17^2 als Maler zu Lyon vor. Zu dieserZeit waren ferner folgende Künstler in dieser Stadt:Jacquemin, Graveur bey der Münze; WilhelmGuinand und Franz L^licoud, Gießer(kon«leurs);Ludwig Dumas und Gabriel perricaud, Tapezie-rer; de Lamonce und Souffler. Mitglieder derdasigen Akademie der schönen Künste, in der Ar-chitektur. ste /a ville cte (.«/un 1742. 8°.
perret (F.). Nach einem uns sonst unbe-kannten Künstler dieses Namens hat G. A- Wolf-gang Thesen gestochen.
— — (Paul und Stephan oder Peter). Wirhaben nicht genug Anzeigen, die Ardeiten be-eilten und des andern dieser beyden Brüder ge-hörig zu unterscheiden, da, noch zum Ueberfluß,Gandellini und Basan einen derselben — wirvermuthen den Stephan - perer nennt. Basansetzt vollends seine Geburt kecklich zu Oudenaetde1549. an. Wie dem immer seyn mag, so werden