Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1143
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Porta.

findet man im Geschmack von allen jene (leidi-ge!) Ähnlichkeit, welche den Kunstcharakter die-ses Zeitalters ausmachte. In allen vermißt manmehrere Stärke in Farbe und Schatten; manglaubt »och an ihnen die Lineamente frühererJahre zu entdecken; aber alles ist an ihnenmatter und blöder geworden. — Nach Venedig kam er bekanntlich zuerst mit seinem erwähntenLehrer, verheyrathete sich dort, und blieb danndaselbst (seinen oberwähnten zweyten kurzen Auf-enthalt zu Rom ausgenommen) bis an seinenTod, weil man viel Geschmack an seinen Arbei-ten fand. Hier war Sansovino sein besondrerGönner. Selbst ein Titian sah seine Arbeitenmit Vergnügen; und in der Bibliothek von St.Marcus wurde er neben Caliari und den übri-gen damaligen ersten Venetianern angestellt; ebenso in Kirchen und Pallästen. Ein etwas leben-digeres Kolorit ausgenommen, blieb er indeß demGeschmack seiner ursprünglichen (Florentinischen)Schule auf immer getreu. Zu seinem Bcßten ge-hört: Eine sehr schöne Himmelfahrt bey den Ser-vilen zu Venedig , und eine Abnehmung vomKreuze zu Murano , diese in einem ganz origi-nellen Style voll Ausdrucks und einer Größe,die den Venetianern ungewohnt vorkommen muß-te. Den letztem Gegenstand wiederholte er nochmehrmals; z. B- für den herzoglichen Pallast zuMvdena i» einem Bilde, welches späkherhin nachDresden kam. — Fiorillo (II. 10.) rühmt nochbesonders von ihm eine Reinigung Mariä alliFrari zu Venedig , die sich ebenfalls durch Cha-rakter, Kraft und Kolorit empfehle, und alseine der glücklichsten Verbindungen der Denetia-nischen und Florentinischen Schule zu betrachtensey. Auch wird noch bemerkt, daß er eine Ab-handlung über die Windung an dem IonischenSäulenknauf geschrieben habe, die zuerst (Fol.ih/s.) zu Venedig erschienen sey, und nachwarlsauch, von dem Marchese Polem ins Lateinischeübersetzt, desselben Lxercitationibus Vttruvls-nis beygerückt worden; was somit nicht wohldas Buch mit mathematischen Figuren seyn kann,welches er (dem Lex. zufolge) noch vor seinemTod ins Feuer geworfen. Dieses mochte weiteher ein alchymistisches seyn- Denn bekanntlichfiel der wackre Mann in die damals besondersauch in Italien übliche Thorheit, das Dunkel derZukunft durch den Kalkül zu ergründen. AlsMaler (bemerkt wareler) konnten dergleichenVersuche immer von einigem Nutzen für ihn seyn.Bey diesem letzter» heißt es dann weiter von ihm(dem Lex. gemäß): Daß er von seinem MeisterSalviati die Gewohnheit beybehalten, die Mus-keln allzuhart auszudrücken. Für seine Arbeit im Va-tikan soll er die damals mächtige Summe von 1000.Floreni d'Oro erhalten haben. »In seiner ComrPosition" (fährt hierauf Wareler fort) «fandman jenen malerischen Enthusiasmus, den dieWelsche» k°uria nennen; den Plafond verstand ersehr gut, und gab seinen Figuren einen großenCharakter. Seine Köpfe sind schön, seine Ma-nier fett, sein Kolorit oft gut und und kräftig,doch bisweilen etwas düster; die Zeichnung, selbstin seinen schwächsten Arbeiten, doch corrckt. ImDrappiren war er nicht glücklich, und gab sei-nen Falten gerne zu viel Rundung". Von die-sem Künstler fand man in dem ehmaligcn PalaisRoyal einen Sabinerinncn-Raub in lebensgroßen Fi-guren , und das jetzige Französ. Kaiserl. Museumbesitzt von ihm einen ungläubigen Thomas, derin Landon's Annalen XlV. 89. beschrieben,und im Umrisse abgebildet ist. Die Galerie zuDresden hat von ihm eine Grablegung vonmittlerm Maaßstabe. Die Galerie zu Schleis-heim eine Judith, die das Haupt des Holofer-nes ihrer Magd übergiebt, ein Kniestück, undbann einen (ebenfalls von ihm vermutheten) H.Hieronymus vor seinem Pulte; vor ihm aufeinem Buche ein Todtenkopf, neben ihm sein

->) Lkire,. Der benühmte tlebersetzer von watelet s

Porta. naz

Löwe. Bey Gelegenheit der Anzeige dieser letz-ten Bilder erfährt porta von Kktannlich einstrenges, doch, wie wir denken, ganz gerechtesUrtheil, so wie solches gewöhnlich erst die spä-there Nachwelt auszusprechen pflegt: „Porrasuchte den römischen Geschmack mit dem Vene-tianischen zu vereinigen, welches er oft in derbloßen Nachahmung der größten Meister dieserSchulen suchte. Statt sich durch Ueberlegen,Forschen und Uebung den Grad ihrer Vollkom-menheit selbst zu erwerben, und als edler freyerKünstler sich ihrem Ziele zu nahen, begnügte ersich, von einem dies, vom andern jenes zu ent-lehnen, und stückweise sich zuzueignen". Als-dann wird dieses Urtheil durch Vergleichung deserwähnten Bildes mit einer in der Galerie zuMünchen sich befindlichen ähnlichen Darstellungdes nämlichen Gegenstands von Raphacl aus-führlich gerechtfertigt. Salzthalum endlich be-sitzt von ihm einen St. Sebastian, dem ein Engelden Pfeil aus der Brust zieht, in Lebensgröße.Gestochen nach ihm kennen wir: Den Tod derClorinda, aus Taßo, nach einer Zeichnung desKünstlers, in grünlicher Tuschmanier, von St.Mulinari; die Grablegung aus der Dresdner-Galerie, von P. Tanje; den eingeschlummertenElias, den vom Engeln entrückten Habacuc, dasManna in der Wüste (Plafond von St. Man«della Salute zu Venedig ), und die Madonna mitdem Kinde, St. Bernard und St. Anton denAbt (aus der Kirche St. FranceSc della Vigna,ebendaselbst), alle viere von A. Zucchi (dieses letz-tre auch in der Sammlung von Louisa), waSBrandes wenigstens bald alles schöne Blätternennt. Endlich kennt man, nach seiner Zeichnung,die Bildnisse zu einer Venetianischen Ausgabedes Diogenes Lacnius von 1611. Daß porraauch sowohl treflicher Stecher als Formschneidecwar, ist bekannt Von ihm kennt der wmkler-sche Katalog: Die Akademie der Wissenschaftenund Künste, ein sehr schönes Blatt mit demGrabstichel und seinem (dort angeführten) Mo-nogramm ; ebendasselbe von der Gegenseite inHolz geschnitten, mit: )os. kort» Lraka^uinusbezeichnet; und einen Christ am Kreuze mit St.Johann und den HH. Frauen. Dieses letzkreBlatt besaß auch Papillon, und kann es fürZeichnung, Ausdruck und Ausführung nicht ge-nug rühmen. Dann sah ebenderselbe von ihmbey einem H. Villayer zu Paris über 12. Bl.Propheten, Sybillen, Psyche die den schlafendenCupid entdeckt, und den Chymist in der Arbeits-stube; endlich (das seltenste) ein sb" breites undrö" hohes Stück: Das Bad der Bathseba ,flüchtig mit einfachen Schraffirungen in Hol; ge-schnitten, und zwar lediglich mit: b'rsncesco 8al-vistl bezeichnet, was aber nicht unwahrscheinlichdie Arbeit unsers Josephs, nach diesem seinemMeister seyn dürfte. Endlich nennt noch einVerzeichniß meines sel. Vaters zwey Blatter :Den GedankenHarten, und ein Frauensbild, daSeine Sphäre tragt, beyde ohne einen andern Na-men als den seinigen, und das erstre noch darüberMit 4 -a-eo/r-r« etc. stgnirt.

* porra (Wilhelmdella). In Genua *) hieltsich derselbe sechs Jahre auf. Dorr sah manvon ihm in der Kapelle St. Johann (desDoms?) die sechszehn Propheten in halberhobe,ner Arbeit; einen Christus, dem St. Thomas dieSeiten berührt, auf der Pforte dieses Namens;eine St Barbara und St. Catharina. In rSZ?.(wohl weit späther, da sein Oheim und LehrerJacob damals bloß 22. Jahre zählte) ging ernach Rom, wohin letztrer ihn an Sebastian delPiombo empfohlen hatte. Dieses brachte ihn mitMichel Angelo in Bekanntschaft, der den Jüng-ling ungemein lieb gewann An dem GrabmalPaul III. sind eigentlich nur die beyden Figurender Klugheit und der Gerechtigkeit Wilhelms Ar-

>t: iu — Genf.