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fliegendem, bald in nachlaßig gebundenem, baldim künstlich geflochtenen Haar, bald mit leichtemSchleyer, bald mit einem schlichten Tuch, bald miteinem Turban, nur immer auf neue lustige Weisegedeckt; und eben so Hie Alten mit ihren tausendsnatürlichen, doch niemals widrigen, und immermannigfaltigen Runzeln, mit ihren schönen Barken,die er auf die verschiedenste Weise fallen zu lassen,zu locken, zu kämmen, und ihnen mit kühnen Pinsel-hieben und wenigen Lichtern ein wunderbares Lebenzu geben wußte; wie man dergleichen im PallasiPitti zu Florenz , und in den Gallerten Barberini undAlbani zu -Rom deren so viele sieht. Auch die Car-nation war bey ihm nichts minder als einerley; beyjungen Körpern äusserst weiß, mit etwas Schwarz-blauein in den Mittellinten gemischt, was Einige(wohl auch nicht ohne Grund) Manier an ihm hießen.Daß aber überhaupt nicht Alles von ihm gleichen-Werth hatte, ist eben so bekannt, als auch die Ur-sache davon: Jenes Laster, welches seine übrigen,auch sittlich schönen Eigenschaften so traurig ver-dunkelte, und ihm Eile gebot, um Schatze zusammeln, aus welchen er seine oft ungeheuern Spiel-schulden bezahlen konnte. Daher rührte dann bis-weilen eine dürftige Erfindung, ein Fehler in derPerspektiv u. dgl. wohl auch eine unrichtig gezeich-nete oder in demselben Gemälde nicht so vollendeteFigur, wie die übrigen; was Alles dann der unver-söhnliche Albani in der öffentlichen Meynung immernoch zu vergrößern wußte. So hat z. B. die Gallertezu Turin von ihm einen äusserst vollendeten Marsyas,und der nebenstehnde Apoll ist wenig mehr alsskizzirt. Zu seinem Trefflichsten hinwieder, und inseiner stärksten Manier gemalt, gehört wohl: DieKreuzigung St. Peters zu Rom , das Manna zuRavenna, die unbefleckte Empfängniß zu Forli ,Her unschuldigen Kinder Mord zu Bologna , undebendaselbst im Hause Zampieri seine (weltberühm-ten) St. Peter und Paul ''). In der angenehmenManier hingegen sein Erzengel Michael bey denKapuzinern zu Rom, seine Reinigung zu Modena ,sein Job z» Bologna, St. Thomas zu Pesaro , und(eines seiner vollendetsten Bilder) seine Himmelfahrtder Madonna zu Genua , die einem St. Jgnaz vonRubens gegenüber gestellt ist Zu Rom hielt er eineSchule, und vollends eine solche zu Bologna , woer über 20«. Schüler zog. Die Zahl wollen wir ihmnicht zum Ruhm rechnen, wohl aber daß er über-haupt in seiner Kunst eine angenehmere und mildereManier einführte, welche man zu Malvasia's Zeitendie moderne nannte; und daß selbst seine Neben-buhler, Domenichino, Albano und Lanfranco, nebstihren bessern Schülern von ihm eine Zartheit lernten,mit welcher sie den Carracci überlegen wurden. Diesenseinen Schülern gab er anfangs nicht seine eigenenWerke zu copieren, sondern diejenigen von Ludwig,u. a. guten altern Meistern. Auch vermuthet ssrespi,daß er seinen jungen Leuten eine gründliche Theoriedes Wesentlichen der Kunst beybrachte, ohne sie mitKleinlichkeiten aufzuhalten, die man schon durchPraktik lernt." — FiorlHo dann (II. 65 Z— 68 .691—94. «. s. f. und I. 190.) führt vörderst vielGeschichtliches von unserm Künstler an. So z. B.sein Vater habe ihn Anfangs der Tonkunst gewid-met. — Db er, in seiner frühern Zeit, aus eigenemAntrieb, oder, wie Passer, sagt, durch Calvartgeleitet, die Werke von A. Dürer (so. dessen Blatter)so fleißig studirt habe, lasse sich nicht wohl bestimmen.In Rom war es die Kreuzigung St. Peters, alletre Fontäne, welche ihm dort zuerst seinen Ruhmerwarb; dann seine Aurora, nebst den beyden Ka-pellen auf Monte Cavallo (in der einen der Lebens-lauf der H. Jungfrau), und in St. Maria Mag;giore. Auch, wie wir denn doch hoffen, sein edlesWort soll ihm Ehre gebracht haben, als der be-rühmte Pfuscher Arpina (welchem vom Pabste dieVertheilung der Arbeit an letztgedachter Stelle auf-getragen war) demjenigen eine goldne Kette ver-hieß, der die seinige am Geschwindesten vollende:
Lochin nennt es, wegen Vereinigung aller Theile derin Italien ; und Lignaroli bemerkte darin vorzüglich,so wunderbarer Wahrheit sey ausgedrückt worden, wi,
N e n i.
»Was"? rief Guido, »Ind wir denn Pferde,wo das am Höchsten geschätzt wird, welches zuerstaus Ziel keucht" ? Zweymal verließ er Rom , einzig,weil man ihn dort zu langsam, und seine Arbeit zutheuer fand.— Obiges waren bekanntlich alles Werkein Fresco. Mittlerweile hatte er in seiner Vaterstadtbereits seinen St. Peter und Paul, und der unschul-digen Kinder Mord in Del gemalt. Währendseinem Aufenthalte zu Rom wurde er einmal nachNeapel berufen, aber von den dortigen Neidernseines Ruhms so heftig verfolgt, daß sie einst beyNachtzeit einen Handlanger von ihm mißhandelten,und durch diesen ihm melden ließen, wenn er nichtsogleich Neapel verlasse, so sey er des Todes!Nach seiner Rückkehr gen Bologna , beendigte erdort die Kapelle von St. Dominicas, und maltedie beyden bewundernswürdigen Bilder für dieKirche dei Mendicanti. Aber auch hier verfolgteihn die Eifersucht seiner Kunstgenossen, die besondersbey Gelegenheit seiner von Genua aus bestelltenHimmelfahrt der Madonna angefacht wurde, welcheAndere für 5 oo. Scudi, Er nur für rooo. malenwollte, und denn doch den Vorzug erhielt. In-zwischen konnten selbst diese seine Neider nicht um-hin, das Werk höchlich zu beloben. Sein ersterLehrer, Calvart, den er verlassen, und sein zweyter,Ludwig Carracci, urtheilten beyde gleich, daß Guidohierin sich selbst übertreffen; nur Tiarini wollt' es 'ihm nicht vergeben, daß die Figur von St. Peterdarin mit dem einen Knie auf einer Stufe ruhe,mittlerweil' er mit dem andern Fuß die Erde berühre.Man würde kein Ende finden, wenn man alle Ar-beiten aufzählen wollte, welche Guido theils fürsein Vaterland, theils für das Ausland ausführte.Freylich wurden unzählige Werke bloß nach denseinigen copirt, einige von ihm ausgebessert; undso viele mußten, gegen seinen Willen, für Guido'sgelten ". Dann spricht Florillo von Einigem, daser zu seinem Vorzüglichsten zählt: Von dem aus-nehmend schönen Erzengel Michael , unter dessenFüßen sich Satan krümmt, von dem es hieß, daßer einen gewissen Kardinal vorstellen sollte, wasGuido aber gegen Malvasia immer beharrlichlaugncte. Von dem Erzengel dann bemerkte erselber in einem Brief an Monsignor Massani:»Daß er sich vergebens bemüht, dafür auf derErde eine himmlische Gestalt zu finden, und dahereine der vollendeten Formen gewählt habe, welcheihm seine Phantasie erschaffen". Uns schien siedenn doch immer allzu theatralisch zu seyn. ImKloster Et. Michele in Bosco bey Bologna hier-nächst steht man von ihm jenes wunderschöne Bildaus der Geschichte des H. Benedikts (wegen einerreizenden Frau, die auf dem Kopf einen Turbanträgt, la Nurügna genannt), das, ungeachtet eres selbst in 1682. neuerdings ritoccirte, durch dieZeit sehr gelitten hat. Minder bekannt ist seinreizender Helenen-Raub, den er für den König vonSpanien malte, obgleich solcher, zumal in älternTagen, von einer Menge Dichtern und Prosaisten,nach Verdienen gelobt wurde. Seine Kunstcharak-teristik dann betreffend, sagt Fiorillo, der solchebesonders zu ergründen sich mühete: »Unstreitigbesteht Guido's größtes Talent in der außerordent-lichen idealischen Schönheit, womit er die Gesichterseiner (jugendlichen) Figuren belebte. Die Antlitzeseiner Alten und Apostel hingegen wählte er (bloß)aus der schönen Natur, weil sich unter den antikenMustern keine von religiöser Begeisterung erhaltenhaben. Um die übrigen Theile des Körpers abzu-bilden, wählte er ebenfalls bloß die Natur, wassich bisweilen mit der (idealischen) SchönheitseinerKöpfe nicht zusammen reimt. Dieses Urtheil fälleich nach der Betrachtung seines Simsons im Zimmerder Gonfalouiere zu Bologna , und mehrerer seinerSt. Sebastiane: Die Körper zeigen gute nackteFormen der Natur, aber auch weiter nichts; dieKöpfe hingegen blendende Schönheiten. SeineFärbung hienächsi fällt zwar etwas in das Gelbliche,
Kunst in solch hohem Grade: Das vollkommenste Gemälddaß der anfangende Schmerz und die Rene noch nie mitin der Figur von St. Perer.