ist aber angenehm; doch ohne auffallende Starke.Im Wurf seiner Falten bemerkt man viele Schön-heiten in der Form; allein es fehlt ihnen an derHarmonie mit dem übrigen Ganzen, und an demCharakter der Substanz, woraus sie bestehen. Ueber-Haupt hat seine Drappirung die Fehler der Römi-schen Schule. Unbegreiflich, scheint es ferner, daßer mit der tiefsten Kenntniß der Luftperspektive sowenige Einsichten in die Linearperspektive verband,und daher die Regeln derselben zum öftern verletzte.Wahrscheinlich hatte er die erste durch Uebung er-lernt, die andre aber, welche nur durch das Studiumder strengsten theoretischen Vorschriften erreichtwerden kann, vernachläßigt. — Mengs behauptetfälschlich, der Styl des Guido sey leicht. Wohlscheint er es beym ersten Anblicke zu seyn; aberseine Schwierigkeiten offenbaren sich dann erst,wenn man mit großer Bemühung und anhaltendemFleiß seine Gemälde stndirt oder zu kopiren sucht.Auch seine Führung des Pinsels ist schwer zu er-reichen, ja fast einzig, indem er mit demselbenalles zeichnete und schraffirte. Eben so wenig istdie Meynung eines neuern Schriftstellers (H. e^of-starrers) gegründet, welcher Guido den Verfallder Carraccischen Schule zuschreibt. Wie wiroben gesehen, erhielt er sie im Gegentheil gegeneinen Amerighi, und den ganzen Haufen der An-hänger des Arpino ". Von Hannibals Eifersuchtauf ihn, glaubt F-orillo, nicht sowohl dessen Ta-lente, als vielmehr das Glück, das ihn stets an-lächelte, habe solche erweckt: »Guido verloröfters in Einer Nacht beym Spiel mehr, als jenerdurch die Arbeit von Jahren zusammenbringenkonnte." Was Hannibal ungefähr von dem Um-fange seiner Kunst dachte, erhellt wohl am Beßrenaus dem Urtheil über ihn in einem Brief an seinenBruder Ludovic, somit anGuido's Meister: »Ichläugne nicht, daß er ein geschickter Mann sey, vor-nemlich wegen einer gewissen Lieblichkeit und Würde(vagkerra e maerta), welche er von der Naturals eigenthümliche und unerreichbare Gabe besitzt;aber Albani und Zampieri sind nicht minder schätz-bare Künstler; und tvenn sie auch nicht mit jenerhingeworfenen Zierlichkeit (8pre22o e leßkisüri»)arbeiten, so zeigen sie dagegen tiefere Einsicht (»ltraintt-llizen-:»)" Noch ein andermal sprach Hanni-bal (etwas bitterer), bey Vergleichung der beydenGeschichten St. Andreas in einer Kapelle von St.Gregor zu Rom (die eine von Guido, die andre vonDomenichino gemalt): »Die erste ist von demMeister; die zweyte von dem Schüler, der abermehr weißt als jener". Mehrere Schriftstellerhaben wiederholt die Meynung behauptet, Guidohabe drey verschiedene Manieren gehabt. Dieerste soll in einer Nachahmung der Carracci , diezweyte, als die vollkommenste, in feiner eignen, dieletzte endlich in einer blassen und schwachen bestehen.»Bey genauer Untersuchung" (glaubt hingegenFiorillo behaupten zu dürfen) »zeige es sich, daßGuido's Manier im Grund stets dieselbe war"(oder sich, denken wir, wenigstens sein angebornerCharakter in allen seinen Werken kund that). Inder Art der Merigi hatte er freylich ein (aber auchnur Eines) merkwürdiges Bild ausgeführt: DieMarter des H. Petrus ; diese malte er allerdingsnicht nach seiner gewöhnlichen Weife, sondern (aufAnsuchen des Cesari) in der Methode von jenem,mit großen Massen von Schatten. Seine angeblichdritte und späteste Manier dann, welche man amBeßren aus seiner letzten Arbeit (der großen Fahnemit den Schutzheiligen von Bologna ) wahrnehmenkann, war keine andre, als seine allmälig immermehr vernachläßigte, woran sein bekannter sittlicherFehler die Schuld trug, als er sich jetzt nicht mehrentblödete, seinen Freunden (die sich entsetzten, wennsein Verlust in Einer Nacht sich auf 400,,. Pistolenbelief) zu erwiedern: »Ein jeder Schaden könneersetzt werden, wenn man nur nicht die — Fmgerverlöre". — Und nun hören wir auch unsern Füßlian. „Ein neues Beyspiel" (heißt es bey ihmII. 198-202.) »von dem gewaltigen Einfluß desNaturells und der Erziehung auf das Kunsttalent,
Reni.
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giebt uns Guido Reni . Derselbe, ganz im Ge-gensatze mit Caravaggio , ward mit einem sanften,frohmüthigen Temperamente geboren; und diesenatürliche Eigenschaft ward durch eine sorgfältigeund liebreiche Erziehung genährt und vervoll-kommnet. Kein Maler vor und nach ihm hatte einso sehr feines Gefühl, und eine so fruchtbare Em-pfänglichkeit für alles, was in der menschlichenForm Anmuthiges, Holdes, Leichtes und Zartes zufinden ist. In beo Carraccischen Schule hatte erGelegenheit, diese glückliche Anlage zu entwickeln,und solche nach ächten und soliden Grundsätzenanzuwenden. Ein Geist, wie der seinige, machtesich bald alle Regeln 6er Kunst eigen, und wußtesolchen eine seinem natürlichen Hang eigene Rich-tung zu geben, wodurch er zu /euer hohen geistigenOriginalität gelangte, die seither von alle» Kennernbewundert wird, und gewisserinaaßen unnachahm-lich genannt werden kann. Was diesen sonderbarenMann vorzüglich vor andern auszeichnet, ist eigent-lich nicht sowohl dasjenige, was man das Gelehrtein der Kunst zu nennen pflegt (denn in der bedeu-tenden Erfindung und Anordnung, in der Schön-heit und Richtigkeit der Zeichnung, in der Wahrheitder Färbung, in der Bestimmtheit des Ausdruckes,und in der harmoniösen Gradation des Lichtes undHelldunkels, haben ihn Rafael, Tizian und Cor-reggio, und zum Theil auch die Carracci über-treffen); sondern die außerordentliche ^Grazie undGeistigkeit seiner Formen, und hauptsächlich seinerKöpfe und ihrer Wendungen. Seine weiblichenKopse haben mehr Holdes und Reizendes als selbstjene des Rafacls, und sind meistens zarter undfeiner gebildet; und so auch vergleichungsweise dieGesichter seiner Engel, die man sich nicht leichter,nicht geistiger denken kann, da hingegen dergleichenKöpfe von Rafael mehr Festigkeit und Bestimmtheitim Charakter zeigen. Und eben diese ungemeineAnmuth seiner Kopfe, verbünden mit einer ihmganz eigenen glücklichen Leichtigkeit in der Drappie-rung seiner jugendlichen und leichten Formen, nebstder höchst angenehmen, fließenden und ungekünstel-ten Behandlung seines Pmsels, haben ihm haupt-sächlich die hohe Achtung aller Kenner erworben.Guido erfand mit dichterischem Geiste; er wußteseine Vorstellungen zierlich und angenehm anzu,ordnen; doch gefällt seine Anordnung mehr bey ein-geschränkten, als bey großen Compositionen. Eezeichnete in einem großen Geschmack, opferte aberbisweilen einer flüchtigen aber reizenden Grazie aufUnkosten der Richtigkeit in der Zeichnung; jedochzeigte er in manchen seiner beßten Werke, daß eSnur von ihm abgehangen habe, eben so korrekt alSelegant zu zeichnen. Sein Ausdruck der Charaktereund Leidenschaften dann ist im Allgemeinen mehrscheinbar wahr, als fest und bestimmt, besondersbey sehr ernsthaften, und bey solchen Gegenständen,wo starke und heftige Gemüthsbewegungen ausge-drückt werden sollten; doch machen einige seinerWerke eine Ausnahme hievon, bey denen man aberimmer bemerken kann, daß sie ihn noch viel Stu-dium, Mühe und Selbstüberwindung gekoster habenmüssen, weil man die ihm sonst ganz eigene Leich-tigkeit darin in merklich mindern- Grade findet, dieman in seinen Vorstellnngen anmuthiger und freu-diger Gegenstände bewundert. Seine Färbung hater bekannkermaaßen dreymal verändert, und erstlicheinen kräftigen aber ins Grünliche spielenden, danneinen warmern, der Wahrheit näher kommenden,und endlich einen matten und m das Graue fallendenFarbenton angenommen. Alle diese drey Manierenaber sind mit einer ihm so ganz eigenen geistvollenLeichtigkeit des Pinsels ausgeführt, daß man sichgar keinen Begriff von einer fließenden-, behender»und zugleich reinern Behandlungsart machen kann."— Auch in der Schrift Winkelmann u. s. Jahr-hundert finden sich zerstreut (S. 170. 2 >5 —ab.)trefliche Bemerkungen über unsern Künstler Soz. B. wo er, neben den Carracci , Dominichino undGuercino , an der Spitze derjenigen genannt wird,welche die Kunstehre ihrer Ze>t aus dem Strom derManier gerettet hatten, heißt es namentlich vor»Uuuuuuu
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