Band 
Zweyter Theil [2].
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1248 Rein.

ihm: « Die heitere Weise in Guido'« Werken, diewunderbare Meisterschaft seiner Behandlung, dielieblichen Gehalten, nnd das Weichliche, Sanfte inseinen Gemälden, waren faßlich für die Menge.Diesen Vorzügen mehr, alshöherm Kunstverdienste,scheint er einen großen Theil des Ruhms sowohl alsdie reichlichere Belohnung danken zu müßen, welcheihm zu Theil wurden. Denn daß nicht die Schön-heit, der Werth der Gedanken und der Adel derDarstellung an ihm beachtet wurden, erweist sichaus dem Umstand, daß Caravaggio's gemeinerNaturalismus, dem Edelsten und Höchsten gegen-über, was die Carracci , und Dominichino, undGuido hervorgebracht hatten, zahlreiche Freundeund Gönner fand; und daß namentlich der unsrigeden damaligen Dilettanten so ziemlich nur als einebessere Art Gaukler dienen mußte, um Schauspielemit der Hurtigkeit seines Pinsels zu geben". Vonihm und Dominichino, in Vergleichung mit denCarraccr wird bemerkt: „Eine hohe Idee desGroßen, Edeln, Kraftvollen, Thatfertigen liegt derKunst der letzter» zum Grund; und eben so be-dienten sie sich der Natur weislich, um ihren Dar-stellungen das Wahrscheinliche, den Formen dieMannigfaltigkeit zu geben. Dominichino undGuido dann giengen auf eben diesem Wege fort.Haben gleich Formen und Charaktere bey ihnenweder mehr Großes noch mehr Mannigfaltigkeiterhalten, als die schon in den Werken jener, ihrerLehrer, überall sichtbar sind, so veredelten und ver-schönten sie doch dieselben merklich. Dominichinohatte überhaupt den höchsten Zweck der Kunst vorAugen; Guido strebte dem Schönen nach, und ist,wenige Ausnahmen abgerechnet, beständig edel undzierlich geblieben". In Absicht auf Erfindung undAnordnung wird bemerkt: „Die von den Carracciangenommenen ökonomischen Maximen wurden garbald übertreten. Schon Guido zuweilen, und so-gar Dominichino brachten, an den Seiten (derHaupthandlung) ihrer Bilder, im Vorgrunde u. s. f.Figuren und Gruppen an, welche für sich zwar alle-mal interessant, aber doch nicht dergestalt in derGeschichte nothwendig sind, daß sie uns nicht mehrdes Malers Bedürfniß verriethen, um seine übrigenFiguren besser zurückzutreiben". Den Farbeuconin Guido s spätern Werken nennt diese Schriftsehr richtig „silbergrau". Noch an einer Stelle,wo von den spätern Nachahmern der CarraccischenSchule die Rede ist, heißt es: „Den Guidostudirtc man, um das Edle zu erlernen; Lieblichkeitder Gesichtszüge, zierlichen Kopfputz, Stellung undForm von Handen und Füßen". — Und nun hörenwir auch die Stimme von ein Paar Franzosen an.Bey Wareler findet sich allerley Lesenswerthesüber Guido's Bildung, das Verhältniß mit seinen.Kunstgenossen u. s. f. Von seiner Kreuzigung St.Peters wird bemerkt, daß er bey diesem Bilde ge-nöthigt war, sich dem herrschenden Geschmacke zuunterwerfen, und dem Kardinal Borghese nament-lich zu verheißen, daß er es in der Manier desCarravaggio fertigen wolle. „ Er hielt Wort; aberin den Augen wahrer Kenner zeigte er sich weitüber sein Muster erhaben, und legte in die Zeichnungund Anordnung seines Gegenstands einen Geschmackund einen Adel, von welchem Carravaggio auchnicht den Schatten kannte." — Von seinem Bethle,hemitischen Kindermord: „Wenn er hier, ausFurcht, der Schönheit zu schaden, den Ausdruckzu sehr schonte, so verzeihen ihm die Liebhaber dererstern diesen Fehler gerne." — »Ohne aus seinemVaterlande zu gehen, erfüllte er den Wunsch fremderHöfe, welche Arbeit von ihm verlangten. Bologna war es wo er für Maria von Medicis jene schöneVerkündigung malte, welche die Carmeliter-Kirchezu Paris zieret; die vier Arbeiten des Herkules fürden Herzog von Modena, welche späterhin insKönigl. französische Kabinet kamen, und für PhilippIV. die (schon oben erwähnte) Entführung derHelena, die aber nicht an diesen Fürsten gelangte,und sich ebenfalls zu Paris in der Gallerie des Hotelsvon Toulouse befindet." — Und nun seine sittliche") Nicht Schuldnern, wie Heydenreich — (,'r^nrie

Reni.

und Kunst-Charakteristik: „Guido war, alsMensch, sanft und bescheiden, als Künstler stolzund empfindlich, unfähig von Seite der Großenirgend eine übermüthige Behandlung zu dulden,und der sich sogar zu erniedrigen glaubte, wenn erden ihm schuldigen Lohn gefedert hatte. Interesse-sachen handelte er nie selbst ab, sondern überließsolches einem Dritten; am öftersten vollendete ersogar seine Arbeit, ohne des Preißes wegen über-einzukommen, und überließ sich in diesem Falle derBilligkeit derer, die soche bestellt hakten. Er wardvon den Großen besucht, erwiederte aber ihre Be-suche nicht, und sagte: Es sey die Kunst, der siehuldigten, wenn sie in seine Werkstatt? kämen; seinePerson habe daran keinen Theil. Auch arbeitete ermit bedecktem Haupt, selbst in Gegenwart desPabstes, und schlug den Ruf an fremde Höfe haupt-sächlich deswegen aus, weil er fürchtete, die Kunstmöchte dort in seiner Person erniedrigt werden.Lobsprüche, die ihm unter Augen gemacht wurden,nahm er, doch nur mit großer Bescheidenheit an,und unterdrückte hingegen Briefe von Fürsten undGelehrten, Verse die auf ihn gemacht wurden, u. a.dergl. was minder dem edeln Stolz als bloßer Eitel-keit schmeicheln konnte. In seinem Haus hatte ernur das nothwendigste Geräthe, und meynke: Die,welche ihn besuchten, kamen, um seine Bilder, nichtseine Mobilien zu sehen. Während der Arbeit be-obachtete er nicht bloß Anstand, sondern selbst einegewissen Hoheit (majestö). war sehr oft mit einemreichen Mantel bedeckt, den er über den linken Armschlug, und immer von Schülern bedient, welche ihmeine Art Hof machten, und sich um die Ehre stritten,ihrem Meister zu dienen. In seinem Haus litt erkeine Frauensperson, und war niemals allein, wenner sich einer solchen zum Modell bediente. Aberdieser so stolze Künstler (denn so schwach ist derMensch!) ließ sich und sein Talent durch die einzigevon ihm bekannte, aber höchst niedrige Leidenschaftherabwürdigen. Lange Zeit reicher, als der größteTheil von denen, welche seinem Pinsel Beschäftigunggaben, sah er sich jetzt in dem Fall, das Elend kennenzu lernen, und oft schickte er heimlich, um zu spielen,oder gar um zu leben, Gemälde für geringen Preißzum Verkauf herum, für die er öffentlich beträcht-licheSummen vielleicht ausgeschlagen hakte, und vol-lendete alsdann in der Eile Arbeiten, denen bloß seinName noch Käufer verschaffte. Endlich fiel er, über-häuft von Schulden, und ohne weitere Unterstützungin dem Beutel seiner Freunde zu finden, von sein«!Gläubigern *) geplagt und verfolgt, in eine schwarzeMelancholie, die sein Blut erhitzte, und ihn danndurch ein bösartiges Fieber dahin raffte. SeinCharakter war übrigens mehr eine sanfte Weichlich-keit und liebenswürdige Dahingebung, als Lebhaf-tigkeit und Festigkeit. Seine stille Seele war nichtgemacht, von heftigen Gemüthsbewegungen be-stürmt zu werden: Er malte, wie er fühlte; unddies ist die Ursache, daß seine Kunst ein Geprägetrug, welches ihn weit über diejenigen erhob, diebloß das Talent der Nachahmung hakten, und nachgelernten Grundsätzen, nicht aber nach ihrem innernGefühl arbeiteten. Die Italiener sagen von ihm:Schönheit und Grazie hatten auf seinen Finger-spitzen geruhet, wären von da auf die Werke über-gegangen, die sein Pinsel beseelte, und hätten selbstden vernachläßigsten derselben noch einen hohenWerth ertheilt. Also Schönheit des Pinsels, Lcich»tigkeit in der Ausführung, und die sanfteste Har-monie gehören zu den unterscheidenden Kennzeichenseiner Kunst. Auch seine Zeichnung war überhauptrichtig, und die äusserste Geuauheit, die mau etwadaran vermißt, wird durch die bewundernswürdigsteFeinheit ersetzt. Seinen männlichen Figuren ge-bricht es bisweilen an Charakter und Festigkeit; aberimmer ist er voll Reiz in den weiblichen. Alle seineFrauenköpfe sind schön, die emporgerichteten ins-besonders; die Madonnenköpfe von einfachem Adel,Kinderköpfe voll der lieblichsten Naivetät. DerKindercarnalion gab er eine sehr helle bezauberndeFarbe, allen weiblichen Figuren eine angenehme« giebt!